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Mehr Zuwanderer im Bundestag

Neue Abgeordnete mit Migrationshintergrund stellen sich bei einem Diskussionsabend vor

Fünf neue Abgeordnete des Bundestages berichteten in einer Diskussionsrunde der Konrad-Adenauer-Stiftung über ihren Weg in die Politik und darüber, welche Rolle ihre Herkunft bei der politischen Partizipation spielt.

Nach Recherchen des Mediendienstes Integration sitzen 37 Parlamentarier aus Einwandererfamilien im neuen Deutschen Bundestag. Zu diesen 5, 9 Prozent (vor der Wahl 3,4 Prozent) gehört auch die Hagener Abgeordnete Cemile Giousouf. Die 35-Jährige, deren Eltern vor der Migration zur türkischen Minderheit in Griechenland gehörten, ist Mitglied des Landesvorstands der CDU Nordrhein-Westfalen und gehört unter anderem dem Forum Integrationspolitik der Konrad-Adenauer-Stiftung an. Ihre Herkunft habe bei Parteikollegen keine Rolle gespielt. „Entscheidend war vielmehr die Frage, ob ich die Menschen und die Partei gut vertreten kann“, sagte Giousouf. Ihre Herkunft aus einer Gastarbeiterfamilie und die damit verbundene Aufstiegsgeschichte sei besonders für junge Menschen interessant. Sie kritisierte, dass Menschen mit Migrationshintergrund oft auf ihre Herkunft reduziert würden und ihre Fähigkeiten in den Hintergrund rückten. „Dabei kommt es immer darauf an, was man gelernt hat“, sagte sie. Die neuen Abgeordneten wollen sich daher in naher Zukunft auch mit sehr vielfältigen Themenfeldern beschäftigen.

Dass in erster Linie Leistung zähle und nicht die Herkunft, bestätigte Martin Pätzold, Abgeordneter aus Lichtenberg. Der gebürtige Moskauer mit einer armenischen Mutter sieht in Bildung die Voraussetzung für beruflichen Aufstieg. Einer der Punkte, die er als Bundestagsabgeordneter voran bringen wolle, sei eine Ost-West-Angleichung der Renten. Seit seinem 18. Lebensjahr engagiert er sich nicht nur in der CDU, sondern auch für zahlreiche soziale Themen in seinem Bezirk wie zum Beispiel für die Anliegen der Spätaussiedler oder die Unterbringung von Asylbewerbern.

Als erster Russlanddeutscher der CDU ist Heinrich Zertik in den Bundestag eingezogen. Er berichtete in der Diskussionsrunde von seiner Überraschung, als er einen Tag nach der Bundestagswahl seinen Namen auf der Landesliste entdeckte. Eine Welle von Stolz und Anerkennung erreichte ihn anschließend aus der Community der Spätaussiedler und aus der ganzen Welt. „Mein Erfolg war eine Anerkennung (oder hatte ein Echo in) für viele Minderheiten“, erklärte er. Seit 2002 ist der gebürtige Kasache Mitglied des Vorstandes der Lippischen CDU in Nordrhein-Westfalen und deren Beauftragter für Aussiedlerfragen. Daher sei neben Themen wie Familie und Bildung auch die Anerkennung von internationalen Abschlüssen in Deutschland eines seiner Ziele.

Kai Whittaker, Wirtschaftswissenschaftler aus Baden-Baden mit britischen Wurzeln, setzt seine Ziele als Bundestagsabgeordneter eher im Bereich Wirtschaft und Industrie. Er erläuterte, dass er als Deutsch-Brite auch immer automatisch Stellung zur britischen Politik beziehen müsse. „Doch als Botschafter zweier Länder macht mir das Freude“, sagte Whittaker. So wie Cemile Giousouf sprach auch er sich gegen die Gründung eines Integrationsministeriums aus. „Am Schluss muss entscheidend sein, wohin man geht und nicht woher man kommt“, sagte er. „Ein Integrationsministerium separiert“, so auch Pätzold.

Nach der Vorstellung der neuen Abgeordneten stellte Rana Göroglu vom Mediendienst Integration eine Expertise vor. Ziel der Untersuchung war esbei der Bundestagswahl 2013 die interkulturelle Öffnung der Parteien anhand der Kandidaten und Mandatsträger mit Migrationshintergrund darzustellen, da es zu dem Themenfeld kaum wissenschaftliche Ergebnisse gebe. Eines der Ergebnisse war, dass sich der Anteil der türkischstämmigen Abgeordneten mehr als verdoppelt habe. Aufgrund der großen Resonanz auch von ausländischen Medien, wolle der Mediendienst Integration seine Recherche in Zukunft fortführen und damit Medien und Parteien für das Thema sensibilisieren.

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