REUTERS / Matthias Rietschel

Right-wing

Rechtsextremismus

Wir erkennen, dass wir 76 Jahre nach der Shoa ein offensichtliches und bedrohliches Problem mit Rechtsextremismus und mit Rassismus haben.

Boris Rhein, Präsident des Hessischen Landtages

Begriff und Problemstellung

Bekanntlich hat Rechtsextremismus in seinen verschiedenen Formen und Ausprägungen eine lange Tradition in Europa und besonders in Deutschland. Der Begriff, wie wir ihn heute verwenden, ist in deutschen Behörden entstanden, die damit die „Distanz eines bestimmten politischen Spektrums zu den wichtigsten Werten des Grundgesetzes (Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit) kennzeichnen soll. Der in der Bundesrepublik seit 1949 auftretende Rechtsextremismus lehnt die Demokratie als „undeutsch“ oder „Besatzungsdiktat“ kompromisslos ab und will sie durch ein System ersetzen, das mehr oder weniger stark an die politische Ordnung des untergegangenen Nationalsozialismus erinnert“ (Rudolf van Hüllen). Wissenschaftlich betrachtet, bestehen jedoch Unterschiede zum Nationalsozialismus des Dritten Reichs.

Der Rechtsextremismus, von dem wir heute sprechen, beschreibt eine faschistische, menschenverachtende Ideologie, die eine pluralistische und demokratische Gesellschaft ablehnt und sich damit gegen unsere freiheitliche demokratische Grundordnung und somit die Verfassung richtet. Rechtsextremismus geht in seiner Ideologie von einem Recht des Stärkeren aus, wobei er sich an einem rassistischen Menschenbild orientiert und von . In Deutschland ist die Ideologie besonders geprägt von Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus geprägt ist.

 

Rechtsextremismus muss konsequent und kontinuierlich bekämpft werden

Der Mord an Walter Lübcke sowie die Terroranschläge in Halle und Hanau haben eine Gefahr ins Bewusstsein unserer Gesellschaft gerückt, von der wir nie – spätestens aber seit den NSU Morden – unsere Aufmerksamkeit hätten lösen dürfen: Rechtsextremismus ist ein unmittelbares Problem unserer Gesellschaft, das eine Gefahr für Millionen unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger darstellt. Die Opfer der jüngsten Anschläge verkörpern exemplarisch das Feindbild von Rechtsextremisten und -extremistinnen und zeigen auf, welche Personengruppen am meisten von der Gefahr betroffen sind. Politik und Behörden müssen diese Menschen schützen und gleichzeitig den Anschluss der rechtsextremistischen Ideologie an die Mitte der Gesellschaft verhindern.

Um diese Herausforderung zu bewältigen, benötigt es starker demokratischer Institutionen, die sich konsequent für die Bekämpfung des Rechtsextremismus einsetzen. Hierzu zählt der präventive Ansatz der politischen Bildung und das Angebot zur Unterstützung und Deradikalisierung nach dem Ausstieg aus rechtsextremen Kreisen. Genauso wichtig ist jedoch die Arbeit der Polizei und der Verfassungsschutzämter, die die Verfolgung von Gefährdern und somit potenziellen rechtsextremen Terroristen ernst nehmen und zu ihrer Priorität machen müssen.

Gleichzeitig muss vermehrt ein Blick auf internationale Entwicklungen geworfen werden. Die globale Vernetzung Rechtsextremer hat in den letzten Jahren signifikant zugenommen und hat Sprach- und Landesgrenzen besonders mithilfe digitaler Kanäle überschritten. Expertinnen und Experten sowie Behörden beobachten außerdem seit einigen Jahren, dass europäische und amerikanische Rechtsextremisten in Länder – hauptsächlich in Osteuropa – reisen, in den Konflikte herrschen oder die bekannt für die Ausbildung Rechtsextremer im Umgang mit Waffen und Sprengstoff sind. Nach der Rückkehr in ihre Heimatländer können diese Personen zu einer Gefahr vor Ort werden.

 

Auftrag Demokratie! Wir gegen Rechtsextremismus

Als Konrad-Adenauer-Stiftung stehen wir gegen jegliche Formen von Extremismus und richten unsere Arbeit entsprechend aus. In Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten, Politikerinnen und Politikern, Verbänden, Organisationen und Bürgerinnen und Bürgern fördern wir die Auseinandersetzung mit dem Phänomenbereich des Rechtsextremismus und tragen unseren Teil zum Erhalt der Demokratie bei.


Extremismusprojekt

In Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten haben wir in einem umfassenden Extremismusprojekt eine Reihe verschiedener Beiträge aufgesetzt, die über unterschiedlichste Aspekte u. a. auch des Rechtsextremismus informieren und aufklären sollen.

Editorial

Editorial

 

Das Editorial gibt Ihnen eine kurze thematische Einführung in das Projekt. Hier finden Sie u. a. auch eine Liste aller Autoren, die an den Texten der fünf Kapitel „Grundsätzliches“, „Strukturelles“, „Ziele“, „Selbstverständnis“ und „Kommunikation“ beteiligt gewesen sind.

 

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Grundsätzliches

Grundsätzliches

 

Im Kapitel „Grundsätzliches“ geht es um Funktionsweisen und Grundlagen des Rechtsextremismus. Mit verschiedenen Beiträgen informieren wir über die vielfältigen Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Begriff stellen. Was ist Rechtsextremismus eigentlich und was zeichnet ihn aus? Was hat es mit Faschismus und Nationalsozialismus auf sich? Welche Rolle spielen Antisemitismus und Rassismus? Auch Fragen zum Menschenbild von Rechtsextremisten oder ihrem Verhältnis zu Gewalt als Mittel der Politik thematisieren wir in diesem Abschnitt.

 

Zum Kapitel „Grundsätzliches“

Strukturelles

Strukturelles

 

Im Kapitel „Strukturelles“ klären wir über rechtsextreme Organisationsformen und die Besonderheiten der Neonazi-Szene auf. Wie verhalten sich Rechtsextremismus und Terrorismus zueinander? Welche neonazistischen Parteien und Kleinsparteien gibt es neben der NPD in Deutschland noch? Was sind autonome Nationalisten und freie Kameradschaften? Auch zu eher losen Gruppierungen wie der Reichsbürgerbewegung finden Sie in diesem Abschnitt entsprechende Informationen.

 

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Ziele

Ziele

 

Im Kapitel „Ziele“ stehen vor allem die Fernziele, die von Rechtsextremisten verolgt werden, im Vordergrund der Betrachtung. In diesem Zusammenhang disktutieren wir häufige Fragen zur durch Rechtsextremisten angestrebten Gestaltung der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Dazu gehört z. B. auch die Aufklärung von im rechtsextremen Jargon gängigen Begrifflichkeiten wie „Volksgemeinschaft“ oder „Natürliche Ordnung“.

 

Zum Kapitel „Ziele“

Selbstverständnis

Selbstverständnis

 

Im Kapitel „Selbstverständnis“ finden Sie Beiträge, die sich u. a. mit den Vorbildern von Rechtsextremisten auseinandersetzen. Wer waren bspw. Otto Ernst Remer oder Rudolf Hess? Warum verherrlichen Rechtsextremisten verbrecherische Organisationen wie die Waffen-SS? In welchem Verhältnis stehen und sehen sich moderne Rechtsextremisten zum historischen Nationalsozialismus? Auch Themen wie Geschichtsrevisionismus und die Wahrnehmung des Holocaust und der Shoa aus Sicht von Rechtsextremisten werden in diesem Abschnitt diskutiert.

 

Zum Kapitel „Selbstverständnis“

Kommunikation

Kommunikation

 

Das Kapitel „Kommunikation“ widmet sich vor allem den Codes, Symbolen und der Kleidung von Rechtsextremisten. Thematisiert werden in diesem Zusammenhang u. a. auch typische Szene-Musik sowie gängige Kommunikations- und Täuschungsmittel um neue Anhänger für die rechte Szene zu gewinnen.

 

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Didaktikangebote

Mit den Schüler- und LehrerAkademien unserer DigitalAkademie machen wir Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften ein konkretes Angebot, wenn es um Extremismusprävention im Netz geht.

DigitalAkademie

DigitalAkademie Konrad-Adenauer-Stiftung e. V.

 

Die digitale Welt stellt Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler vor enorme Herausforderungen. Auch wenn die Digitalisierung vielfältige Möglichkeiten eröffnet und großes Potenzial für neue abwechslungsreiche oder ungewöhnliche Lehrmethoden und Unterrichtskonzepte bereithält, ist das Internet zugleich ein Raum der Unsicherheiten, Fake News und Verführungen.

Besonders Extremistinnen und Extremisten nutzen das Netz um Jugendliche und junge Erwachsene zu beeinflussen. Im Rahmen unserer Schüler- und LehrerAkademien machen wir ein vielfältiges Angebot im Bereich der Extremismusprävention, mit dem wir nicht nur vor derartiger Einflussnahme warnen, sondern generell für das Thema sensibilisieren. Wir klären über extremistische Methoden im Netz auf, helfen dabei, Extremismus im Netz zu erkennen und geben Lehrerinnen und Lehrern das Rüstzeug an die Hand, um Vorfälle und Erfahrungen mit Extremismus souverän im Unterricht zu thematisieren.

 

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Arbeitskreis

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat im Jahr 2015 den Arbeitskreis Terrorismus und Innere Sicherheit ins Leben gerufen. Er versteht sich als Netzwerk für Expertinnen und Experten zu diesen Thematiken.

Arbeitskreis Terrorismus und Innere Sicherheit

 

Der Arbeitskreises Terrorismus und Innere Sicherheit legt seinen Fokus u. a. auch auf die Bedrohung durch den islamistischen, linken und rechten Extremismus. Die Mitglieder des Arbeitskreises kommen regelmäßig zusammen, um sich über politische Entwicklungen und aktuelle Problemlagen auszutauschen und Lösungsansätze zu erarbeiten.

 

Mehr erfahren über den Arbeitskreis Terrorismus und Innere Sicherheit


Contact

Felix Neumann

Counter-Terrorism

felix.neumann@kas.de +49 30 26996-3879
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