Event Reports

Partner für regionalen Führungsnachwuchs: Strategien und Konzepte der Peer-Mediation

Ein länderübergreifender Workshop für Schüler

Vom 17. – 18. Juni 2014 kamen palästinensische, jordanische und israelische Schüler der Oberstufe gemeinsam mit ihren Lehrern nach Newe Shalom bei Jerusalem, um an einem Workshop über Strategien und Konzepte der Peer-Mediation (Streitschlichtung / Vermittlung) teilzunehmen. Der Workshop ist Teil des von der EU und der KAS Israel geförderten Projekts „Partner für regionalen Führungsnachwuchs“.

Ziel des Projekts „Partner für regionalen Führungsnachwuchs” ist es, Instrumente zur gewaltfreien Konfliktlösung an Schüler und Lehrer aus Jordanien, dem Westjordanland und Israel zu vermitteln. Hierzu werden transnationale Workshops zu den Themen gewaltfreie Konfliktlösung, Identität, Peer-Leadership und Peer-Mediation durchgeführt. Mehr Information hierzu auf www.prlproject.org.

Der Workshop vom 17. – 18. Juni verfolgte das Ziel, 45 Schüler (15 aus jedem Land) als Mediatoren auszubilden und sie zu befähigen, Mediationszentren an ihren eigenen Schulen aufzubauen und unter ihren Mitschülern weitere Mediatoren auszubilden. Darüber hinaus wurden die Studenten ermutigt, ihre Fähigkeiten als Mediatoren ihren Gemeinden anzubieten. Passenderweise fand der Workshop in Newe Shalom statt, einem Ort, in dem jüdische, muslimische und christliche Israelis in einer Gemeinschaft leben, um zu zeigen, dass ein friedliches Zusammenleben möglich ist.

Die Schüler näherten sich dem Thema der Peer-Mediation Schritt für Schritt. Die erste Lerneinheit begann mit einer Besprechung der unterschiedlichen Kommunikationstypen und der verschiedenen Wege, Konflikte zu lösen. Mit Hilfe des sogenannten „Diversity Icebreaker“, einem durch die norwegische Firma Human Factors AS entwickelten psychologischen Test, identifizierten die Schüler die verschiedenen Kommunikationstypen. Der „Diversity Icebreaker“ ist ein Werkzeug, das die Wertschätzung von Unterschieden, konstruktive Gruppendynamiken und soziale Interaktion fördern kann. Er wird eingesetzt, um ein verbessertes Verständnis von Kommunikation und Team-Entwicklung zu schaffen und sich des eigenen Kommunikationsverhaltens bewusst zu werden. Dementsprechend bewerteten die Schüler ihr eigenes Kommunikationsverhalten und ordneten es anschließend einem bestimmten Kommunikationstyp zu. Abschließend wurden die unterschiedlichen Kommunikationstypen im Zusammenhang mit den verschiedenen Möglichkeiten, einen Konflikt zu lösen, beleuchtet. Die Schüler arbeiteten heraus, welcher Kommunikationstyp mit welcher Art der Konfliktlösung harmoniert.

Während des ganzen ersten Tages fanden immer wieder sogenannte „Ice breakers“ (Kennenlernspiele) statt, um die Teilnehmer aus den verschiedenen Ländern miteinander bekannt zu machen und eine Vertrauensbasis zu schaffen. Zwar kannten sich einige Schüler schon von einem vorangegangen Workshop vom 1.-3. Mai 2014, viele waren jedoch völlig neu in der Gruppe. Während der landesinternen Gruppentreffen hatten die Schüler die Möglichkeit, ihre Erwartungen an den Workshop zu äußern. Einige Schüler sprachen vor dem Hintergrund der andauernden Spannungen in der Region auch von ihren Ängsten, auf die Schüler der anderen Nationalitäten zu treffen. Im Laufe der verschiedenen Kennenlernspiele konnte man jedoch einen deutlichen Abbau von möglichen Ängsten, Voreingenommenheit und Gehemmtheit feststellen.

In der zweiten Hälfte des Tages beschäftigten sich die Gruppen in mehreren Lerneinheiten mit der Bedeutung und dem Ablauf von Verhandlungsverfahren und verschiedenen Verhandlungstechniken. Da das Verständnis für das Potenzial und für die Grenzen von Verhandlungen eine wesentliche Voraussetzung für das Verständnis für das Bedürfnis der Streitschlichtung ist, setzte der Workshop einen Schwerpunkt auf diese Lerneinheit. Mit der Hilfe von mehreren Kurzfilmen arbeiteten die Schüler Situationen heraus, in denen Verhandlungen zu scheitern drohen, z.B. wenn sich die Interessen komplett widersprechen oder eine Partei die Verhandlungen ablehnt.

Der erste Tag des Workshops schloss schließlich mit einem weiteren länderübergreifenden Kennenlernspiel: Das gemeinsame Schauen eines Vorrundenspiels der Fußball-Weltmeisterschaft 2014.

Am zweiten Tag knüpften die Schüler direkt an das Gelernte vom Vortag an. Dort, wo eine Verhandlung zwischen den Streitparteien zu scheitern droht, kann wohlmöglich eine Lösung unter Hinzuziehung einer dritten, neutralen Person gefunden werden. Damit war die Lerneinheit über Streitschlichtung eröffnet. In mehreren Kurzfilmen wurden die Schüler mit der Rolle und den Eigenschaften eines guten Mediators vertraut gemacht. In spielerischen Aktivitäten konnten sie versuchen, selbst vermittelnd und schlichtend aufzutreten. Dabei stellten sie fest, dass die bedeutendste Fähigkeit eines Mediators aktives Zuhören ist. Um Mediationszentren an ihren eigenen Schulen aufbauen zu können, lernten die Schüler, wie sie erfolgreich ein vollständiges Mediationsgespräch leiten können. Hierfür haben die Schüler unter Anleitung der Lehrer die verschiedenen Phasen eines Mediationsgesprächs in Rollenspielen nachempfunden. Abschließend fanden sich die Schüler einer Schule zusammen, um einen Aktionsplan für die Einführung eines Mediationszentrums an der eigenen Schule zu erstellen.

Am Ende des zweiten Tages bekamen die Schüler die Gelegenheit, den Workshop zu bewerten und ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken, mit denen sie auseinandergehen. Viele der Schüler gaben an, dass ihre anfänglichen Erwartungen erfüllt wurden und sie ihre Fähigkeiten im aktiven Zuhören und Vermitteln verbessern konnten. Sie fanden die Lerneinheiten insgesamt sehr lehrreich, zum Teil aber zu theoretisch. Sie betonten, dass sie die Gelegenheit, ihre Mitschüler aus den anderen Ländern und Kulturen zu treffen, als außerordentlich positiv und bereichernd empfanden. Durch die vielen Gespräche und Aktivitäten hätten sie gelernt, auch die Perspektive der „anderen Seite“ einzunehmen und sich in andere, ihnen fremde Sichtweisen hineinzuversetzen. Einigkeit bestand darin, dass der Workshop zu kurz gewesen sei. Einige Schüler bedauerten es, dass nur 45 Schüler aus den drei Ländern teilnehmen konnten. Sie schlugen vor, weitere Workshops dieser Art durchzuführen, um eine größere Anzahl von Schülern einzubeziehen.

Lea Grohmann / Annika Khano / Susi Doring Preston