Event Reports

Energieminister Arvydas Sekmokas eröffnet Deutsch-Litauischen Energiedialog

by Andreas Michael Klein
Vor vierzig Fachleuten aus der Energiebranche und Politik eröffnete der litauische Energieminister Arvydas Sekmokas den Deutsch-Litauischen Energiedialog, zu dem das KAS-Auslandsbüro Baltische Länder und die Deutsch-Baltische Handelskammer gemeinsam nach Vilnius eingeladen haben.

Der halbtägige Workshop ist eine Folgeveranstaltung der im September 2008 im Schatten der Georgien-Krise ebenfalls in Vilnius stattgefundenen Konferenz „Challenges for EU Energy Independence“. Damals sind die nach wie vor seitens der litauischen Partner bestehenden Vorbehalte gegenüber den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands zu Russlands, insbesondere in Bezug auf die Energiesicherheit, offen zu Tage getreten. Für Kritik von litauischer Seite sorgten dabei vor allem die Genese und der Verlauf der Nordstream-Gaspipeline durch die Ostsee von Russland nach Deutschland an den Baltischen Ländern vorbei.

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Karl-Georg Wellmann MdB

Nach zwischenzeitlichen Gesprächen mit dem litauischen Ministerpräsidenten Andrius Kubilius und dem Bundestagsabgeordneten Karl-Georg Wellmann (Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages) sowie der Konrad-Adenauer-Stiftung in Vilnius ist die Idee eines intensiveren Dialogs zu Fragen der Energiesicherheit zwischen deutschen und litauischen Spitzenvertretern gereift.

Der Einladung von Konrad-Adenauer-Stiftung und Deutsch-Baltischer Handelskammer am 29./30. Oktober sind neben dem litauischen Energieminister Arvydas Sekmokas und Karl-Georg Wellmann MdB, die im Rahmen eines Abendessens den Workshop offiziell eröffneten, der Geschäftsführer (CEO) von RWE Trading & Supply, Stefan Judisch, der Vertreter der Nordstream AG in den Baltischen Ländern, Romans Baumanis, der litauische Europaabgeordnete, Außenminister a.D. Algirdas Saudargas, sowie der Vorsitzende des Europaausschusses im Litauischen Parlament, Česlovas Vytautas Stankevičius, weitere Parlamentsabgeordnete der Seimas sowie Vertreter der Energiewirtschaft Litauens und Deutschlands gefolgt.

Litauische Vorbehalte gegenüber deutsch-russischer Gaspipeline

In zwei Arbeitssitzungen sollen die offenen Fragen und unterschiedlichen Positionen zwischen Litauen und Deutschland diskutiert werden. Zentrales Thema ist dabei die Energiesicherheit beider Länder sowie der effiziente Umgang mit den vorhandenen Ressourcen. Nach der mit der Europäischen Union vertraglich fixierten Abschaltung des litauischen Kernkraftwerkes in Ignalina zum Ende dieses Jahres wird Litauen mehr noch als zuvor von russischen Energielieferungen abhängen. Angesichts der historischen Erfahrungen der ehemaligen Sowjetrepublik mit dem „russischen Bären“ sowie des jüngsten Gasstreits Russlands mit der Ukraine und des dadurch bedingten Energieengpasses in Bulgarien befürchten die Litauer, dass die energiepolitische Abhängigkeit von Russland zu verstärktem politischen Druck aus Moskau führen könnte.

Bereits in der Eröffnungsdiskussion mit Minister Sekmokas und dem Abgeordneten Wellmann wurde deutlich, dass bereits wertvolle Zeit verstrichen ist, um Litauen auf die energiepolitischen Herausforderungen der „Post-Ignalina-Zeit“ vorzubereiten. Ziel des Workshops ist es daher auch, Optionen zu erörtern, wie deutsche Unternehmen einerseits sowie die deutsche Politik andererseits dazu beitragen können, die bevorstehende Energiekrise in Litauen abzuwenden und das EU-Mitgliedsland enger an die europäischen Energienetzwerke anzubinden.