Event Reports

Internationales KAS-Stipendiatentreffen in Ohrid

Mazedonier und Albaner, Serben und Kosovaren, Rumänen und Bulgaren diskutieren für Europa

Seit sieben Jahren führen die Auslandsbüros in Südosteuropa ein jährliches regionales Stipendiatentreffen unter Teilnahme auch deutscher KAS-Stipendiaten durch. In diesem Jahr wurde das Treffen am Ort seiner ersten Austragung in Ohrid, Mazedonien organisiert. Rund 100 KAS-Stipendiaten aus neun Ländern diskutierten aus Anlass des Jubiläums der deutschen Wiedervereinigung über Herausforderungen und Perspektiven des europäischen Einigungsprozesses in der Region des Balkan – und stärkten die persönlichen Kontakte untereinander.

Das Ziel eines vereinten Europas ist für die Länder des Balkans und insbesondere für Mazedonien von oberster Bedeutung, sagte der mazedonische Staatspräsident zur Eröffnung des Seminars. Die KAS leistet seit Jahren einen wichtigen Beitrag in den Zivilgesellschaften der Region, dieses Ziel Wirklichkeit werden zu lassen.

Die Bedeutung der deutschen Wiedervereinigung für den andauernden Integrationsprozess Europas liegt darin, so die hiesige deutsche Bot-schafterin, dass die deutsche Einheit durch die starke Rolle der Zivilgesellschaft (z.B. die Montagsdemonstrationen) und ohne einen hohen Grad an Nationalismus erfolgte. Denn die oft stark nationalistisch geprägte Politik der hiesigen Entscheidungsträger erschwert die euroatlantische Integration einzelner (Mazedonien - Griechenland; Kroatien – Slowenien) und die regionale Zu-sammenarbeit aller Länder des westlichen Balkan.

Das Potential regionaler Zusammenarbeit

Die regionale Zusammenarbeit und Netzwerkbildung sahen die anwesenden Stipendiaten als notwendiges gemeinsames Ziel für die Entwicklung ihrer jeweiligen Gesellschaften. In teilweise sehr lebhaften Diskussionen tauschten Kosovaren und Serben, Albaner und Mazedonier, Rumänen und Bulgaren ihre Meinungen darüber aus, wie viele Gemeinsamkeiten und Herausforderungen die demokratische Transformation ihrer Länder aufweisen: von der Bekämpfung der Korruption und organisierten Kriminalität über die Notwendigkeit einer wettbewerbsfähigen und leistungsstarken Marktwirtschaft bis hin zu einer fundierten staatlichen Bildungspolitik und der Nutzung kreativer Energien ihrer multikulturellen Gesellschaften.

Im Fall der Berliner zum Fall der Schengen-„Mauer“

Dabei wurden in den Debatten und den Ergebnissen der gebildeten Arbeitsgruppen zwei zentrale Faktoren für die weitere Europäisierung der Gesellschaften des Balkan immer wieder hervorgehoben: die Reisefreiheit und der Zugang zu internationalen Stipendienprogrammen. Dennoch gilt die Visaliberalisierung der EU nicht für alle Länder des westlichen Balkan. Die KAS-Stipendiaten aus Albanien, Bosnien-Herzegowina und Kosovo betonten – und die Teilnehmer aus den übrigen Ländern bestätigten dies –, wie wichtig für die eigene Entwicklung die Möglichkeit ist, die Politik und Kultur der (west-)europäischen Nachbarn aus erster Hand kennen zu lernen und die gewonnenen Erkenntnisse auf das eigene persönliche Umfeld zu übertragen. In diesem Zusammenhang konnte dieses internationale Seminar einen wichtigen Beitrag nicht nur durch die Arbeit im Konferenzsaal, sondern auch durch die intensivierten persönlichen Kontakte in Gesprächen am Rande des offiziellen Programms dafür leisten, gegenseitige Vorurteile ab- und Netzwerke unter zukünftigen Entscheidungsträgern aufzubauen.

Um ein derarti-ges Netzwerk für die KAS-Stipendiaten und –Alumni tragfähig zu machen, kam von den Teilnehmern aus mehreren Ländern der Vorschlag, ein online-Forum oder Magazin zu gründen, in dem regelmäßig Artikel/Meinungen zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in den Ländern der Region erscheinen.

Darüber hinaus gelang es, positive Eindrücke der teilnehmenden Länder – und insbesondere des Gastlandes Mazedonien – an die übrigen Stipendiaten zu vermitteln und insbesondere auch an die anwesenden deutschen Studenten weiterzugeben. Die Diskussionsfreudigkeit der Studenten, ihre Offenheit untereinander für andere Meinungen und Kompromissfindungsbereitschaft für gestellte Fragen sind ein Vorbild für die oft kurzsichtigen Handlungen unserer Politiker.