Expert conference

„Journalist: Arbeitskraft oder Ware?“

Am 4. März 2010 fand das Fachgespräch „Journalist: Arbeitskraft oder Ware?“ statt, das die Konrad Adenauer Stiftung (KAS) Belgrad zusammen mit der Medienorganisation „Cross Media“ in Belgrad veranstaltete.

Details

Bei diesem Fachgespräch, bei dem rund zwanzig Teilnehmer anwesend waren, wurde über die Notwendigkeit gesprochen, einen gesetzlichen Rahmen für die gewerkschaftliche Organisierung der Journalisten zu schaffen. Auch der Dialog zwischen den Journalisten und ihren Gewerkschaften, den Medienbesitzern und den staatlichen Institutionen war Thema. Vertreter der Journalistenverbände, Journalistengewerkschaften und der Medienbesitzer kamen dabei mit dem Vertreter des Deutschen Journalisten-Verbandes Herrn Jürgen Reker zu einer intensiven Diskussion zusammen.

Die wirtschaftliche Krise hat alle Medien weltweit sehr getroffen. Aber auch in wirtschaftlich besseren Zeiten haben sich die serbischen Journalisten in keiner beneidenswerten Situation befunden: Das durchschnittliche Gehalt eines Journalisten lag und liegt immer noch unter dem Durchschnittsgehalt in der Republik Serbien. Um überleben zu können, sind Journalisten gezwungen, für mehrere Medien gleichzeitig auf Honorarbasis zu arbeiten. Zugleich gibt es keine funktionsfähige journalistische Gewerkschaft, die die Rechte der Journalisten verteidigen könnte. Somit hat die aktuelle Weltwirtschaftskrise den ohnehin schon jämmerlichen Zustand der Journalisten in Serbien zusätzlich verschärft. Die beschriebene Situation impliziert die Verschärfung der Unzufriedenheit der Journalisten und schafft gleichzeitig einen noch breiteren Spielraum für die wirtschaftliche und politische Beeinflussung der Medien. Vor diesen Hintergründen veranstaltete die KAS in der Zusammenarbeit mit „Cross Media“ dieses Fachgespräch, bei dem über Verbesserungsmöglichkeiten der Stellung der serbischen Journalisten diskutiert wurde.

Da die Frage nach der institutionellen und berufsständischen Position der Journalisten nur in einem offenen konstruktiven Dialog zwischen Journalisten, Gewerkschaften und Medienbesitzern zu erörtern ist, waren auf Einladung der KAS entsprechende Referenten und Teilnehmer anwesend: Herr Dejan Kozul, Koordinator der Sektion freier Journalisten bei dem Unabhängigen Journalistenverband Serbiens, Herr Jürgen Reker, Vertreter des Deutschen Journalisten-Verbandes, Herr Dr. Thomas Brey, Büroleiter der „dpa“ in Belgrad, Herr Dejan Kovacevic, Journalist und Korrespondent sowie Vertreter der Medienindustrie – u. a. Herr Djordje Hadzi-Kostic (Ringier), wie auch Vertreterinnen der Journalistengewerkschaft Serbiens Frau Dragana Cabarkapa und Frau Svetlana Vukovic. Das Thema der gewerkschaftlichen Organisierung der Journalisten gliederte sich in folgende drei Teile:

Die Stellung von Journalisten in Serbien und in Deutschland und Pressefreiheit in der journalistischen Praxis (Referenten: Herr Dejan Kozul und Herr Dr. Thomas Brey),

Spielregeln im journalistischen Alltag: Welche Faktoren behindern die professionelle Arbeit des Journalisten? (Referent: Herr Bojan Toncic),

Korrespondenten: Journalisten der zweiten Reihe? Statusunterschiede zwischen dem Journalisten aus der Hauptstadt und dem Korrespondenten (Referent Herr Nenad Kovacevic).

Zum Beginn des Fachgesprächs berichtete Herr Henri G. Bohnet, Leiter des Auslandsbüros der KAS in Belgrad, kurz über die Fördermaßnahmen der KAS im Medienbereich und schilderte die Hintergründe zu diesem Fachgespräch. Er hob dabei hervor, wie wichtig dieses Thema ist, da die Arbeit der Medien und die Pressefreiheit einer der zentralen Faktoren für das Funktionieren von Demokratie in jeder Gesellschaft seien. Dabei wies er darauf hin, dass die Rechte des Journalisten und die Pressefreiheit nirgendswo garantiert sind, sondern sie müssen immer aufs Neue in Erinnerung gebracht und immer wieder aufs Neue verteidigt werden. Nur so wird die Presse ihre Funktion wahrnehmen, und als eine der mächtigsten Institutionen die Politik und den Staat kontrollieren und wichtige Probleme ansprechen können. Dabei ist die Rolle der journalistischen Verbände und Vereinigungen von besonderer Bedeutung, denn sie seien die Institutionen, die die Rechte der Journalisten gegenüber der Politik und dem Staat einzufordern haben. Frau Tamara Skrozza wies auf die Tatsache hin, dass Journalisten und Medien tagtäglich kritisiert werden, und meistens sei diese Kritik berechtigt. Aber was dabei sehr wichtig und fast vergessen wird, ist die Tatsache, dass die Journalisten, wie andere Angestellte auch, von ihren Gehältern zu leben haben.

In ihrer Arbeit seien sie aber ungeschützt. Ohne professionelle Arbeitsbedingungen für Journalisten ist eine Schaffung von qualitativ besseren Medien in Serbien nicht möglich, so Skrozza. Frau Vera Didanovic, Journalistin und Moderatorin des Fachgesprächs, erwähnte, dass laut einer Umfrage, die Mehrheit der befragten Journalisten ihren Beruf wechseln würde. Journalisten selber haben sich bisher sehr als passiv verhalten, wenn es um die Lösung ihrer beruflichen Probleme ging. Herr Jürgen Reker, Journalist und Vertreter des Deutschen Journalisten-Verbandes erörterte in seinem Einführungsstatement, wie der DJV berufliche, soziale und wirtschaftliche Interessen der Journalisten vertritt.

Er betonte aber auch, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen dem DJV und den politischen Parteien sowie anderen demokratischen Organisationen ist, damit die Ziele von Journalistenverbänden erreicht werden können. Nach den vorgetragenen Impulsreferaten fand intensive Diskussion statt. Die Diskussionsteilnehmer machten auch auf den Beitrag der Konrad Adenauer Stiftung zur Medienprofessionalisierung in Serbien aufmerksam. Sie äußerten den Wunsch, dass die KAS den Dialog zu diesem Thema zwischen den Journalisten, journalistischen Gewerkschaften, Medienbesitzern und dem Staat gemeinsam mit dem Vertreter des DJV auch außerhalb Belgrads initiieren sollte (Vojvodina als nächster Seminarort wurde vorgeschlagen).

Es wurde auch empfohlen, dass die KAS und der DJV die DJV-Info-Blätter „Berufsbild Journalistin/Journalist“ sowie „Grundsatzprogramm des DJV“ in die serbische Sprache übersetzten sollten, um die hiesigen Interessierten näher über die Aufgaben einer aus dem demokratischen und rechtstaatlichen Deutschland stammenden journalistischen Gewerkschaft aufklären zu können. Ohne den offenen Dialog zwischen Journalisten d. h. journalistischen Gewerkschaften, Medienindustrie und Staatsvertretern können keine konstruktiven Verhältnisse zwischen allen drei Seiten aufgebaut werden. Die Voraussetzung nicht nur für einen freien und demokratischen Staat sondern auch für die Freiheit und Unabhängigkeit der Journalisten ist deren soziale Sicherheit.

Für Rahmenbedingungen der sozialen Sicherheit der Journalisten kann sich nur eine starke, von der Wirtschaft und Politik befreite journalistische Gewerkschaft einsetzen. Dass diese Maßnahme mit dem richtigen Thema und zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt wurde, zeigen die konstruktive Debatte bei diesem Fachgespräch sowie ein bedeutendes Presse-Echo in gedruckten und elektronischen Medien. Andererseits zeigt dieses Fachgespräch, dass, obwohl sich Serbien schon fast zehn Jahre lang in einem Transformationsprozess befindet, noch nicht alle aufgebauten Institutionen ihre Aufgaben erfüllen können. Dementsprechend ist es zu empfehlen, die Fachgespräche in Gestalt und Thema weiterhin so zu organisieren, um nicht nur zur weiteren Professionalisierung der Medien in Serbien beizutragen, sondern auch die Institutionenbildung in Serbien zu fördern und die Dialogkultur zu etablieren.

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Belgrad

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