Lecture

„Weitreichende Folgen des Falls der Berliner Mauer vor 20 Jahren“

InfoPress

Am 10. November 2009 veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), Auslandsbüro Serbien, in Zusammen-arbeit mit der Journalistenschule Novi Sad (NNS) das vierte InfoPress in diesem Jahr mit dem

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Titel „Weitereichende Folgen des Falls der Berliner Mauer vor 20 Jahren“.

Neben Journalisten nahmen auch Historiker, Vertreter der serbischen Regierungsinstitutionen, der Deutschen Botschaft, sowie Studenten der Philosophischen Fakultät aus Novi Sad. teil. Diese Veranstaltung fand im Rahmen der „Deutschen Tage“ statt, mit dem Ziel, über die außenpolitischen Folgen des Mauerfalls, Wege der Vergangenheitsaufarbeitung, Versöhnungsprozesse und weitere politischen und wirtschaftlichen Folgen dieses historischen Ereignisses öffentlich zu diskutieren.

Die Berliner Mauer war ein Symbol des Konflikts im Kalten Krieg. Sie war „befestigte Staatsgrenze“, „antifaschistischer Schutzwall“. Deutschland war ein geteiltes Land. Die Mauer teilte die Welt auf in Westen und Osten. In der Nacht von Donnerstag, dem 9. November, auf Freitag, den 10. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Auslöser für die Mauereröffnung war die Pressekonferenz mit Günter Schabowski: „... und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen.“ Auf die Zwischenfrage eines Journalisten „Ab wann tritt das in Kraft? Ab sofort?“, antwortete Schabowski: „Das tritt nach meiner Kenntnis... ist das sofort, unverzüglich.“ Ein kurzer Film von Spiegel-TV, bearbeitet von Frau Claudia Crawford, Leiterin des Auslandsbüro der KAS Serbien und Montenegro, wurde vor dem Beginn dieses informativ-edukativen Bildungsseminars für Journalisten vorgeführt, der u.a. auch diese Erreignisse zeigte.

Mit diesem Film und den eingesetzten Referenten sollte den teilnehmenden Journalisten bei diesem InfoPress nicht nur vermittelt werden, welche Athmosphäre im damals geteilten Deutschland kurz vor dem Fall der Berliner Mauer herrschte, sondern auch wie die damalige außenpolitische Konstellation aussah und wie der Mauerfall die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Änderungen beeinflusste – in der Welt aber auch in Serbien.

Die Veranstaltung begann mit einem Bildungsteil, bei dem der Historiker, Herr Cedomir Antic den Journalisten die historisch-politische Vorgeschichte des Mauerbaus erörterte. Einen besonderen Teil widmete er dem damaligen Stand der Dinge in der ehemaligen Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien, mit dem Hinweis für Journalisten, dass sie die historisch-politischen Geschehnisse im Ausland unbedingt in den Zusammenhang mit einheimischen Ereignissen und Konstellationen zu setzen haben. Eine detallierte und verlgeichende Analyse sei wichtiger für den Journalismus als bloße Vermittlung von Informationen.

Um es den Journalisten zu ermöglichen, eine authentische Beschreibung des Mauerfalls und dem Leben im geteilten und wiedervereinigten Deutschland zu erwerben, wurden im zweiten Teil des edukativ-informativen Bildungsseminars und der Pressekonferenz, der erwähnte Film vorgeführt. Anschließend diskutierten Frau Claudia Crawford,

Bundesministerin a.D., die aus der DDR stammt, Frau Karin Marschall, Leiterin der Presseabteilung der Deutschen Botschaft in Belgrad, die während der Orangenrevolution in der Ukraine arbeitete und Herr Dejan Janca, der Ombudsmann Vojvodinas mit Journalisten unterschiedliche Aspekte des Lebens während der Berliner Mauer und weitreichende Folgen nach dem Fall der Mauer. Die Journalisten konnten so direkt ihre Fragen an die Referenten richten und sich die Zusammenhänge so erläutern lassen, dass sie selbst schließlich in der Lage waren, die Informationen in einem Beitrag für die Leser verständlich darzustellen.

Frau Claudia Crawford schilderte, wie sie ihr Leben in der DDR sowie die Zeit kurz vor dem Mauerfall erlebte und wie sie sich entschlossen hat, sich politisch zu engagieren, um progressive Änderungen in der Gesellschaft vornehmen zu können. Frau Karin Marschall berichtete über die Transformation der ukrainischen Gesellschaft (Orangenrevolution) im Lichte der Ereignisse in der DDR und über die entscheidende Rolle der Medien im Transformationsland. Herr Dejan Janca berichtete über Folgen des Falls der Berliner Mauer auf den Schutz der Menschenrechte. Diese Folgen hatten für die Bürger der Stadt Berlin lokalen Charakter, für Deutschland – nationalen Charakter. Diese Folgen hatten aber den regionalen Charakter, weil sie die Entwicklung der EU besonders beeinflusst hatten. In Osteuropa ist es zum Sturz der autoritären Regime gekommen, zu Abänderungen der nationalen Gesetze. Durch den Fall der Berliner Mauer wurde die Frage nach dem Schutz der Menschenrechte globalisiert. Deshalb darf in den Berichterstattungen dieses Jubiläum – 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer - nicht unterschätzt werden, denn dies sei ein Ereignis besonderer Bedeutung für die ganze Welt.

Nach den vorgetragenen Referaten fand eine sehr lebhafte Diskussion mit den Journalisten statt. Besonders wichtig und interessant für die Journalisten waren die Erfahrungen in der DDR nach dem Mauerfall mit der Zentralisierungspolitik, der Auseinandersetzung mit der üblen Vergangenheit und des Versöhnungs- und Vereinigungsprozess zwischen den einst „geteilten“ Deutschen.

Mit einigen hier bei dem InfoPress erörterten Fragen wurde die journalistische Recherchearbeit zu diesem Thema sehr unterstützt, besonders weil das Thema sehr „ungewöhnlich“ ist. Auf dieses in Serbien fast vergessene Thema wurde durch dieses InfoPress wieder Aufmerksamkeit gelenkt. Dieser InfoPress und sein Echo in der Presse beweisen einmal mehr, dass die Weiterbildung von Journalisten einer kontinuierlichen Unterstützung bedarf, die die KAS auch weiterhin bringen möchte.

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Novi Sad

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