Warum gibt es für manche Linksextremisten keinen Islamismus?

Für manche Linksextremisten scheint es den islamistischen Terrorismus nicht zu geben. Etliche von ihnen schreiben die Anschläge des 11. September 2001 gegen alle Beweise nicht Al Kaida, sondern verschwörungstheoretisch den Amerikanern oder dem „internationalen Kapital“ zu. Die „friedenspolitische Sprecherin“ der Linken im Bundestag glaubte, nicht im Terror der menschenverachtenden Taliban, sondern in der Anwesenheit der westlichen Truppen das Hauptproblem Afghanistans zu erkennen, und ganz ähnlich demonstrierte die DKP mit der Parole „Frieden für Afghanistan – Bundeswehr raus aus Afghanistan“. Was steckt dahinter?

Zunächst berücksichtigten die Schriften von Marx den Islamismus nicht, weil es ihn seinerzeit nicht gab. Und da für gläubige Kommunisten nur die Lehren von Marx und Engels Konflikte auf der Welt „richtig“ erklären können, gibt es aus ihrer Sicht den Islamismus als Problem auch heute nicht. Vielmehr sind an der Gewalt in den muslimischen Ländern stets – wie von Marx vorgesehen – die „Kapitalisten“ und die „Imperialisten“ schuld. „Unterdrückte Muslime“ sind allenfalls Opfer kapitalistischer Ausbeutung oder Widerstandskämpfer gegen den „Imperialismus“. Sie sind aus dieser Perspektive weniger Gegner von Linksextremisten, eher schon Verbündete im Kampf gegen „Imperialismus“.

Solche nahezu kriminellen Ansichten teilen demokratische Linke natürlich nicht. Sie beanstanden – neben dem terroristischen Gewalthandeln – am Islamismus selbstverständlich seine ständigen Menschenrechtsverletzungen, seine Unterdrückung von Frauen und seinen mittelalterlichen Despotismus, der Menschen die freie Selbstbestimmung in politischen und religiösen Fragen aberkennen will. Damit liegen sie richtig, denn Islamismus widerspricht jenen Ideen der Gleichheit und Würde von Menschen, die untrennbar zu den Zielen der demokratischen Linken gehören.

Rudolf van Hüllen

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