Was ist Kommunismus?

„Kommunisten“ nannten sich Anhänger radikal auf Gleichheit ausgerichteter Gesellschaftsmodelle in England und Frankreich seit den 1830er Jahren. Schon im Altertum finden sich Visionen einer Ungleichheit überwindenden Gütergemeinschaft (Beispiel: Platons „Politeia“). In der Neuzeit knüpften Idealstaatsentwürfe daran an. Dem Christentum waren Vorstellungen dieser Art weder in Theorie noch Praxis fremd, wie manche Orden und Klöster zeigten.

Die großen Kirchen verlagerten die Verwirklichung des Heils jedoch auf das Jenseits und strebten nach christlicher Lebensführung überwiegend auf der Grundlage bestehender politischer Ordnungen. Revolutionäre Gruppierungen kommunistischer Prägung, wie sie sich seit der Französischen Revolution politisch organisierten, propagierten hingegen einen Zustand vollkommener Freiheit und Gleichheit im Diesseits. Karl Marx erhob den Anspruch, den Kommunismus auf eine materialistische, geschichtsphilosophisch und ökonomisch fundierte wissenschaftliche Grundlage zu stellen. Der Kommunismus marxistischer Prägung erlangte Weltgeltung durch die Machtergreifung der von Lenin geführten Bolschewiki 1917 in Russland (siehe auch Falsche Vorbilder: Wladimir Iljitsch Lenin) und die Ausdehnung des sowjetischen Machtbereichs infolge des Sieges im Zweiten Weltkrieg. Erst die Reformen Michail Gorbatschows führten das Ende des Kalten Krieges – und der Sowjetunion 1991 – herbei. Lange zuvor hatte der Marxismus-Leninismus infolge der immer tiefer gewordenen Kluft zwischen propagandistischen Versprechungen und einer grauen, von Mangelwirtschaft geprägten Wirklichkeit an intellektueller Ausstrahlung eingebüßt.

Wichtige Formen des Kommunismus, an die linksextremistische Organisationen bis in die Gegenwart anknüpfen, sind Leninismus, Stalinismus, Trotzkismus, Maoismus und Rätekommunismus. Zudem bemühen sich linksextremistische Intellektuelle um eine zeitgemäße Reformulierung des Kommunismus, wobei Lehren aus dem Scheitern des „real existierenden Sozialismus“ der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten gezogen werden sollen.

Der Leninismus besteht vor allem in einer Partei- und Revolutionstheorie, die sich in wesentlichen Aussagen auf die Werke von Karl Marx und Friedrich Engels stützen kann. Gegen Marx allerdings sucht der russische Revolutionär Lenin Anfang des 20. Jahrhunderts den Nachweis zu führen, dass eine sozialistische Revolution in einem rückständigen Agrarland wie Russland mit Erfolg eingeleitet werden könne. Lenins Parteikonzept gibt den Revolutionären ein Mittel in die Hand, um ihre Ziele auch gegen starke Widerstände in die Tat umzusetzen. Lenins „Partei neuen Typs“ ist keine Massenvereinigung, sondern eine aus Berufsrevolutionären bestehende, disziplinierte, streng hierarchisch gegliederte und zentral geführte (demokratischer Zentralismus) Kaderorganisation, die zwar als Vorhut („Avantgarde“) Tuchfühlung zu den Massen hält, darüber hinaus aber wie ein verschwörerischer Zirkel handelt. Die „Diktatur des Proletariats“ mit der Kommunistischen Partei an der Spitze verteidigt nach erfolgreichem Umsturz die „revolutionären Errungenschaften“ auch gegen Widerstände, notfalls mit Gewalt. Der Leninismus ist in dieser Form bis heute elementarer Bestandteil „orthodoxer“ kommunistischer Parteien.

Der Begriff Stalinismus meint ein politisches Konzept sowie eine bestimmte Herrschaftspraxis. Lag bereits der Beitrag Lenins stärker im Bereich der praktischen Revolutionskunde als in dem einer umfassenden politischen Theorie, so galt dies umso mehr für seinen Nachfolger Josef Wissarionowitsch Stalin (1879–1953). Dessen Antwort auf die Frage des „Sieges des Sozialismus in einem Lande“ (Russland bzw. der Sowjetunion) war die Schlussfolgerung aus der Tatsache, dass die bolschewistische Oktoberrevolution 1917 entgegen den Erwartungen Lenins keine revolutionären Erhebungen im Weltmaßstab ausgelöst hatte. Praktisch hatte bereits Lenin die auf die Oktoberrevolution unmittelbar folgende Phase innenpolitischer Konzeptionslosigkeit und intensiver Außenaktivitäten in Erwartung weltrevolutionärer Ereignisse beendet und mit der Entmachtung der Räte („Sowjets“) und der Ausschaltung von „Fraktionsbildungen“ in der Partei die Weichen für einen Stabilisierungskurs gestellt. Nach Lenins Tod konnte sich der realistischer denkende Stalin gegen seinen weiterhin auf weltrevolutionäre Unternehmungen drängenden Rivalen Leo Trotzki durchsetzen. Zwar beteuerte auch Stalin, er halte einen endgültigen Sieg des „Sozialismus in einem Lande“ ohne den Sieg der Revolution in anderen Ländern für unmöglich; aber gleichzeitig betonte er die Möglichkeit, den Sozialismus „mit den Kräften eines Landes“ zu errichten. Bis Anfang der 1930er Jahre gelang es Stalin, innenpolitische Kontrahenten auszuschalten und maßgeblichen Einfluss auf die Politik des Sowjetstaates zu gewinnen. Der „Aufbau des Sozialismus in einem Lande“ bedeutete für die 1919 gegründete Kommunistische Internationale, dass sich ihre Mitgliedsorganisationen den Interessen der sowjetischen Kommunisten unterzuordnen hatten. Der bewusst genährte Mythos vom „Vaterland aller Werktätigen“ musste künftig für das Ausbleiben der Weltrevolution entschädigen. Stalinismus bedeutet daneben die Art und Weise, wie Stalin seine Macht in der Sowjetunion ausübte, und ist in diesem Zusammenhang unter den meisten Linksextremisten ein abwertender Begriff. Allerdings hatten alle Hauptbestandteile des Stalinismus (Terror, Konzentrationslager, Massenmord an sozial definierten Gruppen) Vorläufer in der Regierungszeit Lenins.

Der Begriff Trotzkismus ist keine Erfindung des Mitstreiters Lenins in der Oktoberrevolution, Leo Trotzki (1878–1940), oder seiner Anhänger. Das Etikett war ihnen von ihren Gegnern, insbesondere Stalin, bereits angeheftet worden, bevor Trotzki aus der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) ausgestoßen wurde. In dieser Wortbedeutung bildete er zunächst das Synonym für Trotzkis Theorie der „permanenten Revolution“ („Permanenzler“). Im Laufe der 1930er Jahre wandte Stalin den Begriff jedoch mehr oder weniger unspezifisch auf Oppositionelle und „Abweichler“ an, die als „Trotzkisten“ entlarvt wurden. Leo Trotzki hatte den bolschewistischen Oktoberputsch an maßgeblicher Stelle mitorganisiert, sich in der Auseinandersetzung um die Nachfolge Lenins jedoch nicht gegen Stalin durchsetzen können. Abgesehen von puren Machtfragen war der Kern ihrer Auseinandersetzung revolutionstheoretischer Natur. Während die von Trotzki in ihren Grundzügen bereits vor dem russischen Umsturzversuch des Jahres 1905 entwickelte Theorie der „permanenten Revolution“ die These einschloss, ein „sozialistisches Regime“ könne sich in der Sowjetunion nur dann dauerhaft etablieren, wenn es Teil eines zügig voranzutreibenden weltrevolutionären Prozesses sei, plädierte Stalin für die Konsolidierung des „Sozialismus in einem Lande“, wollte also das Projekt der bolschewistischen Revolution in relativer Unabhängigkeit von weltrevolutionären Ambitionen stabilisieren. Trotzki wurde aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen, kurzzeitig nach Sibirien verbannt und im Januar 1929 des Landes verwiesen.

Trotzki übte nun scharfe Kritik an der „bürokratischen Entartung“ des Sowjetsystems und der Erstarrung des innerparteilichen Lebens. Allerdings waren die Grundlagen hierfür bereits in der Zeit gelegt worden, als Trotzki noch loyal mit Lenin zusammenarbeitete. Trotzki blieb auch ein unbedingter Verfechter der Organisationsprinzipien Lenins und versagte Stalin und dem Sowjetsystem bei aller Kritik doch niemals die Anerkennung als Arbeiterstaat. Das Zerwürfnis zwischen Stalin und Trotzki stellte für den Erstgenannten wohl primär eine Frage der Macht dar, bei Letztgenanntem die Konsequenz einer dogmatischen Haltung wie auch eines unbedingten Glaubens an die eigene Mission. In Wirklichkeit war – selbst bei immanenter Betrachtung – der Hauptgegensatz zwischen Trotzkis hochabstraktem Theoriekonstrukt und dem pragmatischen Lösungsmodell Stalins aufgebauscht: Weder leugnete der eine die Möglichkeit des Beginns einer sozialistischen Revolution im nationalen Rahmen, noch glaubte der andere an einen „endgültigen“ „Sieg des Sozialismus in einem Lande“.

Der Begriff Maoismus wurde weder von der Kommunistischen Partei (KP) Chinas noch von mit ihr sympathisierenden kommunistischen Parteien außerhalb Chinas verwendet. Er bürgerte sich als Bezeichnung für die politische Doktrin des chinesischen Parteichefs Mao Tse-tung (1893–1976) (siehe auch Falsche Vorbilder: Mao Tse-tung) und der sich an ihr orientierenden KPen im Westen ein. Grundlage des Maoismus sind demnach die politischen Schriften Maos - die so genannten „Mao-Tse-tung-Ideen“ - und – im weiteren Sinne – die von ihm maßgeblich getragene und mitverantwortete Politik im Zeitraum von 1958, dem Beginn der Abkehr der Volksrepublik China vom sowjetischen Vorbild, bis zu seinem Tod 1976. Versteht man Maoismus als Kriegsstrategie, müsste man auch das Wirken Maos vor Gründung der Volksrepublik (1949) einbeziehen. 1949 hatte Mao der Welt den Sieg der Kommunisten in China verkünden können. Dies war ihm nicht mit Unterstützung Stalins, sondern gegen dessen Willen gelungen. Mao Tse-tung hatte nämlich nicht wie Marx auf das revolutionäre Potential der Industriearbeiterschaft gesetzt, die in China eine verschwindend kleine Gruppe in der Bevölkerung bildete (noch kleiner als in Russland 1917/18), sondern auf die verarmten bäuerlichen Massen. Nicht von den Städten sollte die Revolution ausgehen; Maos Strategie sah die „Einkreisung der Städte durch das Land“ vor.

Die chinesischen Kommunisten vollzogen die „Entstalinisierung“ auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 nicht mit. Der in Moskau propagierten Politik der „friedlichen Koexistenz“ hielten die Vertreter der chinesischen KP die Auffassung entgegen, es könne kein friedliches Hinübergleiten vom Kapitalismus zum Sozialismus geben, vielmehr sei der weltrevolutionäre Prozess ohne kriegerische Auseinandersetzungen unmöglich.

Nicht das Werk Mao Tse-tungs, sondern der sich entspinnende chinesisch-sowjetische Gegensatz wurde zum Anlass maoistischer Organisationsgründungen in den westlichen Demokratien. Infolgedessen steht ihr Maoismus nur in einem lockeren Verhältnis zum literarischen Wirken des chinesischen KP-Führers. Dies kann umso weniger erstaunen, als die Schriften Maos überwiegend politisch-praktischer Natur sind, während seine wenigen philosophisch-theoretischen Beiträge kaum als originell erscheinen. Die seit Anfang der 1970er Jahre entstandenen maoistischen Gruppierungen, in den ersten beiden Jahrzehnten ein Sammelbecken von Altstalinisten und des Antiautoritarismus überdrüssigen Anhängern der Studentenbewegungen, einte ihr entschiedenes Bekenntnis zum Marxismus-Leninismus, das den Vorwurf des „Revisionismus“ gegenüber der Sowjetunion und ihren Satellitenstaaten einschloss. Mit unterschiedlichem Nachdruck ehrten sie Stalin als konsequentesten Fortführer des von Lenin begonnenen Werkes. Alle Gruppierungen betonten das Ziel einer kommunistischen Weltrevolution. Die ideologisch-programmatischen Bindungen an die chinesische Mutterpartei waren jedoch unterschiedlich eng. Wichtiger erschien das Anlehnungsbedürfnis an ein bestimmtes Entwicklungsmodell, ein „real existierendes“ System, das emotionale Identifikationsmöglichkeiten schuf, um gegenüber den Verlockungen des Kapitalismus gewappnet zu sein. So verstanden sich auch kommunistische Organisationen als „maoistisch“, die weder von der KP Chinas Anerkennung erfuhren noch in entscheidenden Punkten des ideologisch-programmatischen Selbstverständnisses mit offiziell anerkannten Parteien übereinstimmten. Dies konnte angesichts der Unzahl heillos zerstrittener maoistischer Zirkel in vielen Ländern nicht sonderlich überraschen.

Mehr über die wahren Triebkräfte maoistischer Organisationen erfuhr man nach dem Tode Mao Tse-tungs 1976. Bereits einige Jahre zuvor hatten Nachfolgekämpfe innerhalb der KPen eingesetzt. Die Frage war nun, wie sich die maoistischen Organisationen gegenüber dem politischen Kurs der neuen Führungsriege in Peking verhalten würden. Manche kehrten dem Zentrum Peking den Rücken, andere fanden nach einer gewissen Zeit wieder zu ihm zurück. Die weitere Transformation und marktwirtschaftliche Öffnung Chinas hat das Phänomen des Maoismus nicht verschwinden lassen, da die Werke Maos als Referenzsystem blieben. So beruft sich die Marxistisch-Leninististische Partei Deutschlands (MLPD) unverdrossen auf die Lehren Mao Tse-tungs, erreicht aber bei Wahlen, sofern sie denn kandidiert, nur einen verschwindend geringen Stimmenanteil (Bundestagswahl 2009: 0,1 Prozent der Zweitstimmen). Starke maoistische Parteien und Bewegungen gibt es auf den Philippinen, in Nepal und in Indien, wo sich die militanten „Naxaliten“ auf Mao berufen und in einigen Bundesstaaten ein gravierendes Sicherheitsproblem darstellen.

Während der Maoismus einem leninistischen Parteikonzept folgt, ähnelt der Rätekommunismus in manchen Zügen dem Anarchismus (siehe auch Was heißt Anarchismus?). Lenin hatte sich zwar für die Macht der Räte (Sowjets) ausgesprochen, ihren Einfluss in der Praxis jedoch rigoros beschnitten (siehe auch Was sind Räte als Ergänzung des Parlaments?). In Deutschland ist der Rätekommunismus vor allem von Ernst Däumig theoretisch entfaltet worden. Dabei verhielten sich Räteidee und Parlamentarismus wie Feuer und Wasser. Nach Däumig ist das Proletariat alleiniger Träger des Rätegedankens. Folglich können Räte auch nur unmittelbar in den Betrieben entstehen, die unablässige Teilnahme aller vorausgesetzt. Mandate an eine übergeordnete Räteorganisation sind nur befristet und weisungsgebunden zu vergeben. Ziel des Rätesystems ist das „sich selbst verwaltende Gemeinwesen“. Der Rätekommunismus lehnt darüber hinaus – wie der Anarchismus – „Zentralismus“ ab, fordert dezentrale Organisationsformen und ein größtmögliches Maß an Autonomie der Selbstverwaltungseinheiten. Rätekommunisten misstrauen bürokratischen Strukturen, die unweigerlich entstehen, wenn auf überlokaler Ebene Willensbildungs- und Entscheidungsstrukturen existieren. Der Rätekommunismus verlor mit der Stabilisierung der Weimarer Republik an Bedeutung, erlebte aber mit der Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre eine gewisse Renaissance. Die Ökologiebewegung nahm zeitweilig Elemente des Rätekommunismus auf („Basisdemokratie“, imperatives Mandat, Rotationsprinzip), stellte sich in ihrer Mehrheit jedoch bald uneingeschränkt auf die Grundlage des parlamentarischen Systems (Repräsentationsidee, freies Abgeordnetenmandat, längere Amtsperioden).

Nac h dem Ende des „real existierenden Sozialismus“ geriet die extremistische Linke in eine tiefe Identitätskrise, die eine Reformulierung der kommunistischen Ideen anstieß. Das Ergebnis war der sogenannte „Neokommunismus“. Die Bücher von Neokommunisten erreichen zum Teil hohe Auflagen, und die Stars unter ihnen sprechen in europäischen Hauptstädten in prallgefüllten Sälen vor großem Publikum. Kult-Status genießt der slowenische Gesellschaftstheoretiker Slavoj Žižek, dessen Anhänger Žižek-T-Shirts tragen, sich Žižek-CDs anhören und ihren Schwarm in einem Film bewundern können. Eine von Žižek herausgegebene Beitragssammlung („The Idea of Communism“, London 2009) vereint wichtige neokommunistische Autoren, die bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Auffassungen folgende Prämisse teilen: Angesichts fortschreitender Depolitisierung bleibe der Kommunismus als „die“ Idee „radikaler Philosophie und Politik“ die einzige Hoffnung. Solle er aber „radikales Handeln“ anleiten, müsse er sich von einer Fixierung auf Staat und Ökonomie lösen und die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts verarbeiten. Die kommunistische Betonung der Gemeingüter (etwa gemeinschaftliche Vorkehrungen und Einrichtungen gegen den Raubbau an der Natur oder die ungerechte Verteilung von Bildungschancen) fordere die Privatisierungsprojekte „neoliberaler kapitalistischer Ausbeutung und Beherrschung“ heraus. Dabei sei der (neue) Kommunismus bestrebt, Freiheit und Gleichheit zu vereinen: Freiheit gedeihe nicht ohne Gleichheit, und Gleichheit könne nicht bestehen ohne Freiheit.

Die Autoren wecken jedoch Zweifel, ob ein solches Unternehmen gelingen kann. Ist es ein Zufall, dass überall dort, wo in der Vergangenheit Kommunisten die Macht übernahmen, Diktaturen entstanden? Die freiheitssichernden Funktionen von Verfassungsstaaten werden offenkundig auch von den neokommunistischen Autoren verkannt, wenn sie Verfassungsstaat schlicht mit „Neoliberalismus“ gleichsetzen und als repressiv verwerfen. Deutlich wird Antonio Negri, wegen Unterstützung der „Roten Brigaden“ zu einer Haftstrafe verurteilter Soziologe und Philosoph aus Padua: „Kommunist sein“ bedeute, „gegen den Staat zu sein“. Die Autoren lassen ihre Leser allein mit der Frage, was an die Stelle des angeblich so repressiven Staates nach seiner Zerstörung treten soll, wie sich also Freiheit in radikaler Gleichheit auf andere Weise institutionalisieren lässt.

Uwe Backes

Lesetipps:

  • Leszek Kolakowski, Die Hauptströmungen des Marxismus. Entstehung, Entwicklung, Zerfall, München 1988.

  • Gerd Koenen, Utopie der Säuberung. Was war der Kommunismus?, Berlin 1998
  • Wolfgang Leonhard, Die Dreispaltung des Marxismus, Düsseldorf/Wien 1970
Für die einzelnen Strömungen und ihre aktuellen Vertreter in Deutschland gibt es Informationen in nahezu allen Verfassungsschutzberichten, und zusätzlich bei der Bundeszentrale für politische Bildung:

  • Rudolf van Hüllen, Das trotzkistische Spektrum im Linksextremismus, Bundeszentrale für politische Bildung, 28.10.2014, online hier verfügbar
  • Armin Pfahl-Traughber, Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands. Eine analytische Betrachtung zu Entwicklung und Stellenwert einer politischen Sekte, Bundeszentrale für politische Bildung, 9.9.2013, online hier verfügbar
  • Armin Pfahl-Traughber, Die „Deutsche Kommunistische Partei“ (DKP): Eine analytische Betrachtung zu Entwicklung und Stellenwert des ehemaligen Interventionsapparats der SED, Bundeszentrale für politische Bildung, 26.8.2014, online hier verfügbar

Compartir