Corporate Social Responsibility (CSR)

Unternehmen sehen sich heute zunehmend mit Erwartungen konfrontiert, nicht nur Güter und Dienstleistungen zu produzieren, sondern darüber hinaus auch soziale Verantwortung zu übernehmen, in dem sie sich für allgemeine gesellschaftliche Belange einsetzen (Umweltschutz, Armutsbekämpfung, Korruptionsvermeidung), die über ihre eigenen Gewinninteressen hinausgehen. Das bereits 1953 in den USA von Howard R. Bowen entwickelte Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) umschreibt dieses moderne Verständnis als normative unternehmerische Pflicht, im Einklang mit den Zielen und Werten der umgebenden Gesellschaft zu handeln. Dabei wird von einer strategischen Win-Win-Situation ausgegangen, in der sich politisch-integrative Ansprüche und betriebswirtschaftliche Vorteile als ein „Doing Well by Doing Good“ ergänzen.

Nach der folgenden Darstellung von A. B. Carroll bezeichnet CSR „the conduct of a business so that it is economically profitable, law abiding, ethical and socially supportive“, wobei sich vier unternehmerische Verantwortungsebenen unterscheiden lassen: Die ökonomische, bei der es auf eine erfolgreiche, wertsteigernde Unternehmensführung (Corporate Governance) ankommt, die nicht an eigennützigen Managementinteressen orientiert ist, sondern versucht, Interessen der Kapitaleigner (shareholder) mit denen der Beschäftigten (stakeholder) zu verbinden. Sodann die rechtliche Ebene, mit der die Grenzen unternehmerischen Handelns in Paragraphen definiert und festgelegt werden, sowie eine darüber hinausgehende ethische Komponente, die als ungeschriebenes Gesetz alles gesellschaftlich erwartete Tun oder Unterlassen außerhalb dieser Paragraphen umfaßt. Ein Aspekt, der vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise eine neue und besondere Bedeutung gewonnen haben dürfte. Schließlich noch die philantropische Handlungsebene, auf der sich Unternehmen im Sinne einer Corporate Citizenship freiwillig für soziale Zwecke ihres Gemeinwesens einsetzen, wie etwa durch Spenden für Bedürftige oder die Förderung benachteiligter Jugendlicher.

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Quelle: Carroll, A.B.: The Pyramid of Corporate Social Responsibility, in: Business Horizons, Bd. 34 (1991), Nr. 4, S. 42.

Ein CSR verwandtes Konzept, bei dem aber ökologische Gesichtspunkte stärker im Vordergrund stehen, ist das der unternehmerischen Nachhaltigkeit (Corporate Sustainability). Nach der 1994 von John Elkington formulierten "Triple Bottom Line" sollen Unternehmer eine Verantwortung gegenüber ihren Aktionären (Profit), der Gesellschaft (People) und der Umwelt (Planet) übernehmen.

Insgesamt lassen sich damit für gesellschaftlich verantwortliches unternehmerisches Handeln fünf Aktionsfelder abgrenzen: das betriebswirtschaftliche Kerngeschäft, die Beschäftigung von Arbeitskräften, Ethik und Transparenz in der Geschäftspraxis, die Berücksichtigung des Gemeinnutzens sowie von Umwelterfordernissen. Die Verantwortung im Kerngeschäft richtet sich auf das Marktverhalten gegenüber Kunden, zum Beispiel hinsichtlich zutreffender Werbung, angemessenem Preis-Leistungsverhältnis, Produktqualität, und ebenso auf andere Geschäftsbeziehungen, wie zum Beispiel zu Lieferanten. Inzwischen sind hierfür sogar international angewendete zertifizierte Standards (ISO 9000) entwickelt worden. Mit der zunehmenden weltwirtschaftlichen Verflechtung sind auch internationale Konventionen zur Beschäftigung von Arbeitskräften zu einem zentralen Aktionsfeld bei der Beurteilung von CSR geworden, so zum Beispiel bei Arbeits- und Entlohnungsbedingungen, Unfall- und Gesundheitsschutz, Nichtdiskriminierung, Vereinigungsfreiheit, der Gestaltung von Arbeitszeiten sowie dem Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, dies auch, um vergleichbare und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen (Internationale Arbeiterorganisation).

Ethik und Transparenz in der Geschäftspraxis bilden das normative Leitmotiv einer CSR-bewussten Unternehmensführung und äußern sich zum Beispiel in der prioritären Beachtung der Menschenrechte auf allen Ebenen der betrieblichen Wertschöpfungskette, in der Verweigerung von Korruption sowie im Verhalten gegenüber repressiven Regierungen. Des Weiteren in der unternehmerischen Selbstverpflichtung zur öffentlichen Dokumentation und Rechenschaftslegung des eigenen Verhaltens sowie CSR-relevanter Aktivitäten zum Beispiel im Rahmen einer Sozial- oder Nachhaltigkeitsberichterstattung oder durch die Beteiligung an den Richtlinien der Global Compact oder Global Reporting Initiative.

Der CSR-orientierte Einsatz für gemeinnützige Zwecke richtet sich zumeist auf die Beteiligung an oder Initiierung von lokalen Gemeinschaftsprojekten, für die - je nach Unternehmenszweck - betriebliche Ressourcen in Form von Sachspenden (zum Beispiel Rohstoffe, Baumaterialien, Lebensmittel, Medikamente) oder finanziellen Zuschüssen (zum Beispiel für soziale Dienste, Kunst und Kultur) zur Verfügung gestellt werden. Beim Employee volunteering verläuft die Beteiligung durch zeitlich begrenzte Freistellung eigenen Personals für bestimmte Dienstleistungen, so zum Beispiel für rechtliche oder technische Beratungszwecke.

Umweltbezogene CSR-Aktivitäten stehen heute zumindest in vielen Industrieländern häufig im Vordergrund, so vor allem im sparsamen Umgang mit nicht erneuerbaren Ressourcen, im Energieverbrauch, im Produktrecycling und anderen Möglichkeiten der Müllvermeidung. Vor dem Hintergrund des aktuellen Klimawandels ist der Schutz von Tropenwäldern und anderen Biosphären, die Vermeidung von Treibhausgasen und Kohlendioxidemissionen zu den meistdiskutierten Handlungsfeldern geworden.

Während CSR und verwandte Konzepte insgesamt eine deutliche inhaltliche Affinität sowohl zum Menschenbild als auch zu anderen Grundforderungen der Sozialen Marktwirtschaft aufweisen, wie zum Beispiel hinsichtlich einer notwendigen gesellschaftlichen Fundierung der Wirtschaftsordnung und der Sozialbindung des Privateigentums, hat die Vorstellung einer normativen unternehmerischen Verantwortung seitens neoliberaler Ökonomen starke Ablehnung erfahren. So urteilte Milton Friedman bereits 1970 in einem Zeitungsartikel „The Social Responsibility of Business is to Increase its Profits“. Manager hätten, wenn auch im Rahmen der Gesetze und grundlegender ethischer Gepflogenheiten, ausschließlich den Interessen der Aktionäre zu dienen, die Berücksichtigung sozialer Belange sei dagegen Aufgabe des Staates.

Kritik aus anderer Richtung stellt vor allem darauf ab, dass CSR-Strategien häufig weniger ein Leitmotiv der allgemeinen Geschäftspraxis sind, sondern vielmehr - neben den üblichen Werbemaßnahmen - als bloßes Marketinginstrument eingesetzt werden, um das Firmenimage zu erhöhen und sich gegenüber Konkurrenten abzugrenzen. Dafür spricht, dass viele Verbraucher zwar verbal derartige Initiativen begrüßen, sich bei ihren tatsächlichen Kaufentscheidungen dann aber doch eher vom Preisvergleich leiten lassen. Unternehmen, die tatsächlich in nennenswertem Umfang in CSR-Projekte investierten, würden somit eher Kostennachteile erleiden als dass sie deswegen Marktanteile hinzugewännen.

Allerdings gibt es auch Anzeichen, die für eine gegenteilige Entwicklung sprechen. So ist durch die zunehmend globale Informationsverbreitung über das Internet so etwas wie eine „Weltöffentlichkeit“ entstanden, mit der politischer Druck auf Unternehmen und Regierungen für mehr CSR ausgeübt wird. So wurde der Erdölkonzern Shell bereits 1995 durch eine Medienkampagne der Umweltorganisation Greenpeace und Kundenboykott dazu veranlasst, auf die beabsichtigte Versenkung des Öltanks Brent Spar in der Nordsee zu verzichten. Als Folge des Untergangs des Öltankers Exxon Valdez 1989 vor Alaska wurde in den USA eine Richtlinie erlassen, derzufolge Tankerneubauten über eine Doppelhülle verfügen müssen. Die US Non-Profit-Organisation CERES formulierte zehn Grundsätze für eine verantwortliche Geschäftsführung (Valdez-Prinzipien). In jüngster Zeit ist die Explosion der Ölbohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko ein weiteres Beispiel mit noch unabsehbaren Folgen, und nicht zuletzt hat die aktuelle Finanzkrise die negativen Auswüchse einer sozial nicht eingebundenen Marktwirtschaft zutage treten lassen und zu einer deutlich gesteigerten Sensibilität nicht nur von Konsumenten sondern auch von Investoren gegenüber CSR-Themen geführt. So wurden zum Beispiel unter der Bezeichnung ESG (environment- society- governance) Kriterien für „Responsible Investments“ entwickelt, die zunehmend auch (und sogar vor allem) bei der Portfoliogestaltung institutioneller Investoren Beachtung finden. Zugleich sind zahlreiche CSR-orientierte Institutionen entstanden, die als international vernetzte Informations- und Kommunikationsplattformen für Unternehmen dienen, so zum Beispiel CorporateRegister.com, der World Business Council for Sustainable Development (WBCSD), die Global Reporting Initiative (GRI), CSR Europe und nicht zuletzt United Nations Global Compact (UNGC) als „strategic policy initiative for businesses that are committed to aligning their operations and strategies with ten universally accepted principles in the areas of human rights, labour, environment and anti-corruption”. Derartige Kommunikationsnetzwerke könnten längerfristig wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen zugunsten eines gesellschaftlich stärker verantwortlichen unternehmerischen Handelns verändern und so (auch) zur Überwindung der um sich greifenden Akzeptanzkrise der Marktwirtschaft beitragen.

Literaturhinweise

  • Bowen, H.R. (1953): Social responsibilities of the businessman, New York.
  • Carroll, A.B. (1991): The Pyramid of Corporate Social Responsibility. Toward the Moral Management of Organizational Stakeholders, in: Business Horizons, Vol. 34, No. 4, S. 39- 48.
  • Carroll, A. B. /Shabana, K. M. (2010): The Business Case for Corporate Social Responsibility. A Review of Concepts, Research and Practice, in: International Journal of Management Reviews, Vol. 12, No. 1, S.85-105.
  • Elkington, J. (1998): Cannibals with Forks: the triple bottom line of 21st century business, Oxford.
  • Friedman, M. (1970): The Social Responsibility Of Business Is to Increase Its Profits, in: New York Times Magazine, 13. September, Wiederabdruck in: Cragg, W.; Schwartz, M. S.; Weitzner, D. (Hrsg.): Corporate Social Responsibility, Burlington, 2009, S. 31-35.
Hans Jürgen Rösner

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