Märkte und Preise

Auf einem Markt treffen Angebot und Nachfrage zusammen. Dabei werden Tauschgeschäfte vereinbart. Auf den Gütermärkten tauschen die Verbraucher (als Nachfrager) mit den Unternehmen (als Anbieter) Geld gegen Konsumgüter ein. Auf den Faktormärkten erwerben die Unternehmen (als Nachfrager) die Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Realkapital, um damit Konsumgüter erstellen zu können. Spezielle Märkte gibt es darüber hinaus z. B. für Kredite (Angebot von Geld gegen Zinszahlungen der Kreditnachfrager), für Devisen (Angebot einer nationalen Währung im Tausch gegen eine andere Währung) oder für Wertpapiere (etwa durch An- und Verkauf von Aktien).

Kennzeichen der meisten Märkte ist, dass sich Angebot und Nachfrage im Zeitablauf immer wieder verändern. Die Nachfrage nach einem Konsumgut kann zunehmen, wenn das Einkommen der Haushalte steigt oder sich andere Konsumgüter verteuern. Das Angebot eines Gutes kann sich erhöhen, weil sich die Produktionsfaktoren verbilligen und dadurch weitere Unternehmen die Produktion aufnehmen. Solche Veränderungen führen dazu, dass die Tendenz zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf den Märkten zwar ständig vorhanden ist, ein tatsächliches Marktgleichgewicht aber nur selten erreicht wird. Dabei herrscht bei Anbietern und Nachfragern meistens Unsicherheit über die genauen Marktbedingungen. Daher findet auf den Märkten ein dauernder Such- und Entdeckungsprozess statt, um bestmögliche Geschäftsabschlüsse zu erreichen. In diesen Marktprozessen wirkt sich die Risikobereitschaft und Dynamik innovativer Unternehmen besonders positiv aus. Sie bieten neue Produkte an und eröffnen so auch neue Märkte.

Der Anbieter eines neuen Gutes ist zunächst alleiniger Anbieter auf dem Markt. Es liegt ein Monopol vor. Wegen fehlender direkter Konkurrenz hat der Monopolist die Möglichkeit, relativ hohe Preise von den Nachfragern zu verlangen. Er kann sein Marktangebot so gestalten, dass er einen (maximalen) Monopolgewinn erzielt. Dies ändert sich, sobald weitere Unternehmen die Produktion aufgenommen haben. Eine kleine Gruppe von Anbietern bildet ein Oligopol. Auf einem solchen Markt kann es zu einem besonders intensiven Wettbewerb kommen. Jede Aktion eines Anbieters (z. B. eine Preissenkung) wirkt sich auf den Markterfolg der wenigen Konkurrenten so stark aus, dass mit deren sofortigen Reaktionen (nachziehende Preissenkung oder sonstige Angebotsverbesserung) zu rechnen ist. Wenn hingegen sehr viele Anbieter auf einem Markt agieren, sind die Entscheidungen des einzelnen Unternehmens von den anderen kaum zu bemerken. Hier liegt ein Polypol vor. Der einzelne Wettbewerber ist nur einer unter vielen und kann den Preis selbst nicht beeinflussen. Er passt sich mit seiner Produktion an den Marktpreis an, wie er sich im anonymen Zusammenspiel von Gesamtangebot und Gesamtnachfrage ergibt.

Die Marktentwicklung hängt zudem davon ab, wie schwer oder leicht es neuen Anbietern fällt, auf einen bestehenden Markt zu kommen (Offene Märkte: Markteintritt und Marktaustritt). Der Markteintritt kann z. B. behindert werden, weil die etablierten Unternehmen exklusiv über die benötigten Produktionsfaktoren (z. B. hochqualifizierte Arbeitnehmer) verfügen oder eine enge Kundenbindung aufgebaut haben. Wenn allerdings der Markteintritt problemlos möglich ist, kann selbst ein Monopolist keine überhöhten Preise verlangen. Er muss stets damit rechnen, dass ihn neue Unternehmen (Newcomer) mit niedrigeren Preisen verdrängen. Der Wettbewerb geht auf solchen Märkten von potenziellen Konkurrenten aus, die auf ihre Chance zum Markteintritt regelrecht warten. So bleiben die marktwirtschaftlichen Anreiz- und Lenkungswirkungen auf alle Fälle erhalten. Außerdem wird der Monopolist auch dadurch kontrolliert, dass die Nachfrager zu den Anbietern anderer Güter wechseln könnten, die ihre Bedürfnisse auf ähnlich gute Weise befriedigen (so genannte Substitutionsgüter). Für solche Entscheidungen spielt z. B. eine Rolle, in welchem Verhältnis die Preise der verschiedenen Produkte stehen. Allerdings sehen die Verbraucher unterschiedliche Produkte nicht immer als austauschbar an, so dass dieser Marktprozess nur teilweise wirksam wird. Auch kann der Konsument von inländischen auf ausländische Güter wechseln, wenn offene Handelsgrenzen existieren.

Zudem werden auf den Märkten nicht nur die Preise für die Güter bestimmt. Außer vom Preis hängt der Erfolg der Unternehmen auch von anderen Merkmalen des Angebots ab. Dies sind vor allem die Qualität der Güter, die Absatz- und Vertriebsorganisation der Produkte, der Service sowie oft auch die Werbung. Daher müssen die Anbieter danach streben, durch eine günstige Kombination der Merkmale die Nachfrage bestmöglich zu befriedigen.

Normalerweise nimmt auf Märkten das Angebot zu, wenn der Marktpreis steigt. Dies gilt aber nicht für Güter, deren Angebot nicht vermehrbar ist (z. B. Gemälde verstorbener Künstler). In solchen Fällen pendelt sich der Preis auf einer Höhe ein, bei dem die Nachfrage dem Angebot gerade entspricht (markträumender Preis). Dies hat den Vorteil, dass diejenigen das knappe Gut erhalten, für die der Vorteil der Bedürfnisbefriedigung unter Berücksichtigung des Einkommens am größten ist.

Literaturhinweise

  • Bartling, H./ Luzius, F. (2002), Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 14. Aufl., München;
  • Fehl, U./ Oberender, P. (2002), Grundlagen der Mikroökonomie, 8. Aufl., München;
  • Wied-Nebbeling, S. (1997), Markt- und Preistheorie, 3. Aufl., Berlin u. a.
Hans Peter Seitel

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