Umweltbelastung

Umweltbelastung beschreibt den gemessenen Wert eines oder mehrerer Schadstoffe an einem Rezeptor, also i.d.R. einer Messstation. Im Interschied zum Schadstoffausstoß an einer Schadstoffquelle (Emission), z.B. einem Schornstein, wird die Umweltbelastung (Immission) durch die Fähigkeit der Umwelt, Schadstoffe durch chemische oder biologische Prozesse abzubauen (auch: Selbstreinigungs- oder Assimilationskapazität der Umwelt), beeinflusst. Die Umweltbelastung hängt somit von der Messung von Schadstoffkonzentrationen an einem bestimmten Ort und/oder zu einem bestimmten Zeitpunkt ab. Sie ist wesentlich für den Zustand der Ökosysteme und die Lebensqualität und die Gesundheit des Menschen.

Bei Umweltbelastungen unterscheidet man üblicherweise zwischen globalen und regionalen Umweltproblemen. Bei globalen Umweltbelastungen tritt die Belastung unabhängig vom Ort des Ausstoßes des Schadstoffes auf. Klimagase wie CO2 oder Methan tragen beispielsweise unabhängig vom Ort ihres Ausstoßes zum globalen Klimawandel bei. Globale Umweltbelastungen verlangen gemeinsames Handeln möglichst vieler, wenn nicht sogar aller Staaten. Regionale Umweltprobleme hingegen ergeben sich in der Regel aus einem regional begrenzten Wirkungsbereich lokaler Nutzungen der Umwelt für Produktions-, Konsumtions- oder Deponierungszwecke. Handelt es sich um regionale Belastungserscheinungen innerhalb der Grenzen eines Staates, ist die nationale Umweltpolitik gefordert.

Unter globalen Belastungsaspekten spielen gegenwärtig vor allem die Anreicherung der Erdatmosphäre mit Treibhausgasen, der Abbau der als „Sonnenbrille der Erde” fungierenden Ozonschicht in der Troposphäre, die quantitative und qualitative Verschlechterung des Süßwasserangebots, der Verlust an biologischer Vielfalt (Biodiversität), die Reduktion und Qualitätsverschlechterung der Böden (z.B. Desertifikation) sowie die Übernutzung der Weltmeere (durch Überfischung und zu hohen Eintrag von Schadstoffen) eine wichtige Rolle.

Unter den Treibhausgasen kommt dem Kohlendioxid (CO2) besondere Bedeutung zu. Bis zur industriellen Revolution überstiegen die CO2-Konzentrationswerte in der Erdatmosphäre kaum 280 parts per million by volume (ppm). Seitdem sind diese Konzentrationswerte kontinuierlich gestiegen. 1958 betrugen sie 315 ppm, gegenwärtig (2012) belaufen sie sich auf ca. 390 ppm, mit jährlich steigenden Raten von 3-4 ppm. Man geht aufgrund der umfangreichen Untersuchungen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPPC) mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass dieser Anstieg sowie die mit ihm verbundene Erhöhung der mittleren Temperatur an der Erdoberfläche zwischen 0,4° C und 0,8° C primär vom Menschen verursacht wurde. Simulationsergebnisse kommen zu dem Ergebnis, dass bei Fortdauer der Trends bei der Nutzung fossiler Energieträger (insbesondere Stein- und Braunkohle sowie Mineralöl) und des hierdurch bedingten Anstiegs der CO2-Emissionen bis 2100 mit einem Anwachsen der Konzentrationswerte auf über 700 ppm und damit mit einer weiteren Erhöhung der mittleren Temperatur an der Erdoberfläche in Höhe zwischen 1,4° C und 5,8° C gerechnet werden muss. Dies könnte gravierende Auswirkungen auf die globale Verteilung der Vegetationszonen, die Häufigkeit von Extremereignissen (Hochwasser, Dürren), die Höhe des Meeresspiegels sowie großräumige Systeme (etwa das räumliche Verlaufsbild des Golfstroms oder der nordatlantischer Meeresströmungen) haben.

Die Umweltpolitik kann mit ihren Instrumenten sowohl den Schadstoffausstoß an einer Quelle (Emission) als auch die Umweltbelastung (Immission) zu regulieren versuchen. Bei einem emissionsorientierten Ansatz werden etwa für eine Anlage mit Schadstoffausstoß bestimmte Grenzwerte festgelegt. Ein Belastungsansatz (immissionsorientierter Ansatz) zielt demgegenüber auf Grenzwerte in einer bestimmten Region ab. Oft beinhaltet Umweltpolitik beides. In der Luftreinhaltepolitik gibt es z.B. sowohl Grenzwerte für einzelne Anlagen als auch Grenzwerte für regionale Belastungen (z.B. die Konzentration von Ozon in einer Stadt).

Diagramm: Emissionen ausgewählter Luftschadstoffe

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Diagramm: Treibhausgasemissionen

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Literaturhinweise:

  • ENDRES, A. (2007), Umweltökonomie, 3. Auflage, Stuttgart;
  • FEESS, E. (2007), Umweltökonomie und Umweltpolitik, 3.Auflage, München.
Paul Klemmer

Bernd Hansjürgens

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