Wirtschaften und Planung

Um Sachgüter und Dienstleistungen zu erzeugen, sind menschliche und sachliche Produktionsfaktoren erforderlich – also Arbeit, Natur und Sachkapital – die in quantitativer und qualitativer Hinsicht immer nur begrenzt verfügbar sind (natürliche Ressourcen); sie sind knapp. Dies gilt in gleicher Weise für die Produkte, die mit ihnen hergestellt werden. Sehr häufig sind jedoch die Produktionsfaktoren alternativ für die Herstellung ganz unterschiedlicher Güter im arbeitsteiligen Wirtschaftsprozess geeignet. Es entsteht daher die Frage, wie es gelingen kann, den Grad von Knappheit der einzelnen Faktoren und Produkte zu erkennen und daraufhin die Teilmengen der Faktoren so in die jeweils möglichen Richtungen zu lenken, dass alle arbeitsteiligen Einzelvorgänge sachlich, zeitlich und räumlich richtig ineinander greifen. Diese Koordination muss so erfolgen, dass nach Art, Menge und Qualität letztlich jene Fertigprodukte entstehen können, die den Menschen bei größtmöglicher Schonung der Umwelt dazu verhelfen, ihre persönlichen, familiären und kollektiven Ziele in hohem Umfang zu verwirklichen (= volkswirtschaftliches Lenkungs- oder Allokationsproblem). Die Lösung dieses Problems erfordert es, den Faktoreinsatz in den arbeitsteiligen Einzelakten – bevor sich diese in der Wirklichkeit ereignen – sorgfältig zu planen.

Hinsichtlich der Art der Planung von Produktion und Gütertausch lassen sich auf die Frage, wer die Planentscheidungen unmittelbar trifft, nach bisheriger Erfahrung zwei grundsätzlich verschiedene Antworten geben:

Zum einen werden diese Planentscheidungen für die gesamte Volkswirtschaft innerhalb eines hierarchisch gegliederten Organisationsnetzes behördlicher Art getroffen. Dabei wird der gesamte aus den Plänen hervorgehende Wirtschaftsprozess vor allem auf jene Ziele hin ausgerichtet, welche die Spitze dieser Hierarchie verfolgt (= zentrale Wirtschaftsplanung). Hierbei versucht man die für die Entscheidungen unverzichtbaren Informationen vermittels von Meldungen im Rahmen eines Netzes von bürokratischen Kommunikationskanälen zu gewinnen und die Koordination durch Anweisungen zu bewirken. Diese Form der Wirtschaftsplanung hat eine Reihe schwerwiegender Informations- und Motivationsprobleme zur Folge (Sozialismus/ Planwirtschaft).

Zum anderen wird der arbeitsteilige Prozess selbstständig, ohne behördliche Auflagen in den einzelnen Wirtschaftseinheiten – also in Unternehmungen, privaten Haushalten und öffentlichen Haushalten – über Mengen und Preise für die einzelnen Produkte und Produktionsfaktoren geplant, und zwar auf der Grundlage von Informationen über die ökonomische Umwelt, die für die Planung relevant sind und die sich diese Wirtschaftssubjekte selbst verschaffen müssen. Die Pläne werden auf die Ziele hin ausgerichtet, die diese Wirtschaftseinheiten jeweils selbst verfolgen. Instrument für die Informationsgewinnung und für die Koordination der Einzelpläne sind die Tausch- und Preisbildungsprozesse an den Märkten der Produktionsfaktoren (Arbeitsmarktordnung) und der Produkte (= dezentrale Wirtschaftsplanung; Marktwirtschaft, Märkte und Preise).

Der Begriff der Wirtschaftsplanung wird häufig noch in einem anderen Verständnis gebraucht. Neben der unmittelbaren Planung der Verwendung von Produktionsfaktoren zur Erzeugung von Gütern kennt man noch Formen der Planung jener politischen Aktivitäten des Staates, mit welchen dieser zum einen versucht, die Wirtschaftsordnung zu gestalten, indem er das arbeitsteilige Geschehen vermittels formeller rechtlicher Regeln für das ökonomische Verhalten in grundsätzlicher Weise beeinflusst (=Ordnungspolitik); zum anderen sucht er auch Wege, in das Geschehen unmittelbar einzuwirken (=Prozesspolitik) (Ordnungspolitik – Prozesspolitik). Unter rechtlichem Aspekt kann man insbesondere bei der Prozesspolitik verwaltungsrechtliche Pläne (z. B. Verkehrswegepläne, Bebauungspläne) von staatsrechtlichen Plänen (z. B. Bildungspläne, Verteidigungspläne) unterscheiden. Diese letztere Art der planmäßigen Verfolgung politischer Ziele kann einmal so gestaltet sein, dass die Pläne lediglich über die von der Politik erwünschten Ziele informieren und dazu auffordern, zu deren Verwirklichung beizutragen, ohne dass sie für die Behörden oder gar für Privatpersonen verbindlichen Charakter haben (= indikative Pläne). Sind die Pläne hingegen für Behörden und auch für Private verbindlich, dann wird deren Freiheitsspielraum bei der eigenen Planung erheblich eingeschränkt (= imperative Pläne). Hier verschwimmen dann die Grenzen zur Marktwirtschaft (= dezentrale Wirtschaftsplanung). Die Planung wirtschaftspolitischer Aktivitäten verwandelt sich mehr und mehr in eine zentrale Planung des Wirtschaftsprozesses, wenn die Bereiche staatlicher Planung größer werden und der Staat immer mehr Mittel durch Steuern an sich zieht (Staatseinnahmen).

Literaturhinweise:

  • Gutmann, G. (1980), Marktwirtschaft, in: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft (HdWW), Bd. 5, Stuttgart u. a., S. 140-153;
  • Ders. (1982), Zentralgeleitete Wirtschaft, in: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft (HdWW), Bd. 9, Stuttgart u. a., S. 599-616;
  • Hensel, K. P. (1972), Grundformen der Wirtschaftsordnung. Marktwirtschaft – Zentralverwaltungswirtschaft, 2. Aufl., München.
Gernot Gutmann

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