Karrenberg, Friedrich

geb. am 16.04.1904, gest. am 28.11.1966

Parlamentarischer RatWestbindungSoziale MarktwirtschaftBilaterale BeziehungenEuropapolitikWiedervereinigung

Karrenbergs Bedeutung besteht nicht primär in einem eigenen Beitrag zur Wirtschaftstheorie oder gar in einer theologischen Begründung der Wirtschaftsethik, sondern in einer vielfältigen Vermittlungstätigkeit zwischen Kirche, Gesellschaft und Wirtschaft. Als theologischer Laie, Unternehmer und Wissenschaftler trug er in vielfältiger Form dazu bei, um Verständnis für die Marktwirtschaft in kirchlichen Kreisen zu werben. Zugleich forderte er die Gemeinwohlverpflichtung und die soziale Verantwortung der Wirtschaft ein. Karrenberg trug zur Bildung von Rechtsüberzeugungen bei, die Konfessions-, Partei- und Weltanschauungsgrenzen überschritten. Bereits in seiner Dissertation 1933 „Christentum, Kapitalismus und Sozialismus“ wendete er sich entschieden gegen eine konservative-lutherische Staatsverehrung. Dies ist – zusammen mit der damit verbundenen Bejahung der individuellen Freiheit in christlicher Verantwortung – eine gemeinsame Basis mit allen geistigen Vertretern der Sozialen Marktwirtschaft gewesen, die ihre Verankerung im christlichen Menschenbild immer betonten.

Beruflicher und wissenschaftlicher Werdegang:

Karrenberg war in der Nachkriegszeit und beim Wiederaufbau Deutschlands als selbstständiger Unternehmer tätig, insbesondere im Rheinland; er nahm zahlreiche ehrenamtliche Funktionen in der Evangelischen Kirche wahr, u. a. nebenamtliches Mitglied der Leitung der Ev. Kirche und Vorsitzender des Sozialethischen Ausschusses der Ev. Kirche im Rheinland; Veröffentlichung wichtiger gesellschaftspolitischer Stellungnahmen in den 40er und 50er Jahren; Gründung des Sozialwissenschaftlichen Instituts in Velbert (1965) und dessen Leitung; 1950-1961 Vorsitz der Arbeitsgruppe „Arbeit und Wirtschaft“ im Deutschen Evangelischen Kirchentag, 1954 Herausgabe des Evangelischen Soziallexikons in dessen Auftrag (2001 in 8. Aufl.); in den letzten Jahren seines Lebens Lehrtätigkeit als Honorarprofessor an der Universität zu Köln mit Schwerpunkt Geschichte der Sozialethik.

Literaturhinweise:

  • KARRENBERG, F. (1959), Gestalt und Kritik des Westens, Stuttgart;
  • HÜBNER, J. (1993), Nicht nur Markt und Wettbewerb. Friedrich Karrenbergs wirtschaftsethischer Beitrag zur Ausgestaltung der sozialen Marktwirtschaft, Bochum;
  • BECKMANN, J./ WEISSER, G. u. a. (1964), Christliche Gemeinde und Gesellschaftswandel, Festgabe für F. Karrenberg, Stuttgart, Berlin.
Martin Honecker

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