Im neuen Gewand

Gute Produkte begeistern die Menschen immer wieder neu. Man muss sie nur ab und zu etwas entstauben. Ein bißchen zeitgemäßes Feintunig, und schon ist die Begeisterung wieder da. Relaunch nennt man das in der Werbebranche. Diese Strategie macht es möglich, ein an sich uraltes Produkt wieder brandneu unters Volk zu jubeln. So feierte Elton John Erfolge, weil er sein „Candle in the wind“ eben nochmal auf Lady Di umtextete. So kehrte der gute alte Käfer als durchgestylter New Beatle zurück. So staubte Disney mit an sich uralten Storys jede Menge Geld und Oskars ab: Ein paar niedliche singende Tierchen, ein paar flotte Sprüche – und schon waren Aladin, Aschenputtel oder Herkules wieder aus der Mottenkiste befreit. Auch die Bibel unterlag schon mehren Relaunches. Sie wurde um apokryphe Schriften und Heiligenlegenden ergänzt. Ihre Bücher wurden vom heiligen Hieronymus vom Griechischen ins Lateinische übersetzt und später dann durch Luther vom Lateinischen ins Deutsche. Von jener deutschen Fassung hat sogar schon einmal die BILD-Zeitung einen Schwung Volksbibeln herausgegeben. Doch in letzter Zeit scheinen Marktanlysen ergeben zu haben, dass das alte Produkt nicht mehr so recht zieht. Ein Relaunch musste also her. Der neueste Clou: Die „Bibel in gerechter Sprache“. Die behandelt endlich Frauen gleich. Statt von Aposteln spricht sie von Jüngerinnen und Jüngern, statt vom männlichen Gottvater von der Gottheit „Adonaj“. Die „Bibel in gerechter Sprache“ will die historische Wahrheit um Jesus und Co. wissen. Endlich erfahren wir, wie Moses von einer alleinerziehender Prinzessin versorgt wurde! Wie lange Josef Vaterschaftsurlaub nahm. Und was es mit dem Eva- Prinzip wirklich auf sich hatte. Ein echter Verkaufrenner passend zum Evangelischen Kirchentag. Für den lieben Gatten daheim.

Conny Lütkemeier

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