Séminaire

Stärkung lokaler Jugendgruppen für den grenzüberschreitenden Dialog – Grundlagen

In diesem zweitägigen Seminar in der ostkongolesischen Stadt Goma brachte die KAS junge Leute aus der DR Kongo, Burundi und Ruanda zusammen, um einen grenzüberschreitenden Dialog zwischen der Zielgruppe zu fördern bzw. zu initiieren.

Détails

Zu Beginn des Seminars wurden von Seiten der Partnerorganisation CIRGL („Conférence Internationale de la Région des Grands Lacs“) die zahlreichen Herausforderungen in der Zielregion herausgestellt: dazu zählen die Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit (insbesondere unter den jungen Leuten), der Kampf gegen Drogenmissbrauch und (sexuelle) Gewalt sowie die dringend notwenige Verbesserung der Infrastruktur und Investitionen in Bildung.

Im Anschluss stellten die jungen Teilnehmern die jeweilige spezifische Situation in ihren einzelnen Ländern kurz dar: Besonders eindringlich war die Schilderung des Repräsentanten aus Ruanda, der die schwierige Lage junger Menschen während und nach der Zeit des grausamen Völkermordes Anfang der 90`iger Jahre in seinem Heimatland schilderte. Der Vertreter aus der DR Kongo hob hervor, dass die schlechte Regierungsführung, die weit verbreitete Korruption sowie die Straffreiheit bei Verbrechen im Kongo zunächst aktiv angegangen werden müsse. Dies solle durch die Jugend des Landes erfolgen, da genau diese geschilderten negativen Rahmenbedingungen dazu führen, dass jungen Menschen vor Ort keine realistischen und nachhaltigen Perspektiven geboten werden. Der wahre Reichtum des Kongos seien nicht die Bodenschätze, sondern das (bisher ungenutzte) geistige Potential der Jugend.

In der darauffolgenden Gruppenarbeit befassten sich die Teilnehmer mit unterschiedlichen Fragestellungen. So erörterten sie unter anderem, welche Möglichkeiten es gibt, dass sich die Region in Zukunft friedlich entwickelt und welche Bedingungen sowie Voraussetzungen für die friedliche Entwicklung gegeben sein müssen. Dabei wurde der Wert politischer Bildungsarbeit herausgestellt: nur wenn die Bevölkerung lernt, sich beispielsweise an Recht und Gesetz zu halten, ist hinsichtlich der Zielerreichung ein Fortschritt erreichbar. Hierbei geht es selbstverständlich nicht nur um reine Wissensvermittlung, sondern vor allem um einen Mentalitätenwandel, der nicht „von heute auf morgen“ einsetzt, sondern viel Zeit und Geduld erfordert – und vor allem auch den Willen der politischen Elite, denn die Etablierung einer unabhängigen Justiz kann nur „von oben“ erfolgen. Darüber hinaus sei es wichtig, die unterschiedlichen nationalen und internationalen Organisationen und NGOs, die in diesem Bereich tätig sind, wirkungsvoll miteinander zu vernetzen. Hier könne ohne Zweifel die KAS zusammen mit ihrer Partnerorganisation CIRGL eine Vorreiterrolle einnehmen. Eine zweite Arbeitsgruppe befasste sich mit der Fragestellung, warum junge Menschen sich in der Region der Großen Seen häufig bewaffneten Milizengruppen anschließen. Die Abwesenheit staatlicher Autorität in Verbindung mit mangelndem Selbstbewusstsein und Zukunftsperspektiven sowie die Suche nach Selbstverwirklichung, Orientierungsoptionen, Identifikationsmöglichkeiten und einem Streben nach Zugehörigkeit der jungen Leute seien hierfür die Hauptgründe. Auch hier besteht ein möglicher Lösungsansatz darin, der Jugend durch (Aus)Bildung eine berufliche Perspektive vor Ort zu ermöglichen: wer durch seine Hände Arbeit Geld verdient, kann sich und seine eigene Familie ernähren und verspürt wenig Motivation sein Leben im Kampf mit einer bewaffneten Rebellengruppe zu gefährden. In der dritten Arbeitsgruppe ging es darum, verschiedene Vorschläge für nachhaltige und praxisnahe Strukturen und Strategien zu entwickeln, die es ermöglichen, den grenzüberschreitenden Dialog zwischen den jungen Leuten aus den drei Zielländern zu stärken. Diskutiert wurde dabei, wie man bereits bestehende Strukturen optimal weiterentwickeln und dabei logistische sowie finanzielle Hürden überwinden kann, um die Arbeit noch effizienter zu gestalten. Konkret wurde als erster Schritt die Einsetzung eines Komitees beschlossen, das sich aus sieben Teilnehmern der Veranstaltung zusammensetzt. Diese sind nun mit der Aufgabe betraut, arbeitsfähige Strukturen für eine erfolgreiche und zielorientierte Fortführung der Aktivitäten zu schaffen und die inhaltliche Agenda für Folge-Maßnahmen zu erarbeiten.

Mit dieser Reihe von Aktivitäten will sich die KAS langfristig dafür einsetzen, dass Vorurteile zwischen den Jugendlichen der verschiedenen Länder abgebaut werden. Durch Seminare wie diese bietet die Stiftung den Vertretern der jungen Generation aus der Region Große Seen eine Plattform für den gegenseitigen Austausch, sich zu organisieren und zusammen an Lösungen für gemeinsame Herausforderungen zu arbeiten – was letztlich dem Aufbau des Vertrauens der Teilnehmer untereinander dient. Dabei kommt gerade dem Faktor Vertrauen eine hohe Bedeutung zu: Denn dies bildet die Basis für eine nachhaltige, friedliche und problemorientierte Nachbarschaftspolitik zwischen den traditionell verfeindeten Staaten der Region der Großen Seen.

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Lieu de l'événement

Goma

Stärkung lokaler Jugendgruppen für den grenzüberschreitenden Dialog (Goma, DR Kongo, 05.04.2017)
Stärkung lokaler Jugendgruppen für den grenzüberschreitenden Dialog (Goma, DR Kongo, 05.04.2017)