Présentations & compte-rendus

Wirtschaftliche Entwicklung bleibt entscheidend

de Thomas Volk

Senegalesische Delegation zu hochkarätigen Gesprächen in Deutschland

Vom 15. bis 21. März besuchten hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft aus dem Senegal im Rahmen eines Studien- und Dialogprogramms zum Thema Soziale Marktwirtschaft auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung Deutschland und trafen in Bonn, Erfurt und Berlin mit zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern zusammen.

Senegal gilt in Westafrika als politisch stabiles und wirtschaftlich prosperierendes Land, zuletzt hatte das Land ein Wirtschaftswachstum von 7,2 Prozent vorzuweisen. Herausforderungen bleiben die Schaffung von Arbeitsplätzen und eine qualifizierte Berufsausbildung, gerade da 60 Prozent der Bevölkerung jünger als 25 Jahre ist. Das Land nimmt noch immer Rang 162 von 188 aufgelisteten Ländern des „Human Development Index (HDI)“ der Vereinten Nationen ein. Das Gefälle zwischen Stadt und Land bleibt groß, die Hauptstadt Dakar ist seit Jahren von einem starken Bauboom geprägt – 34 km vor der Hauptstadt entsteht mit Diamniado eine gänzlich neue Stadt mit Büro- und Wohnanlagen. In den ländlichen Regionen hingegen bleibt die Analphabeten-, die Arbeits- und Migrationsrate sehr hoch. Auch wenn zahlreiche Herausforderungen für das Land bestehen, gilt Senegal geopolitisch als Stabilitätsanker in einer von Unruhen geprägten Region.

Im Rahmen der Reise wurde die senegalesische Unternehmerin und Großnichte des ersten senegalesischen Staatspräsidenten Leopold Sedar Senghor, Dr. Anne Catherine Senghor Beye, am 17. März in Siegburg mit dem diesjährigen Preis „Ordo Socialis“ des Katholisch-Sozialen Instituts ausgezeichnet. Mit Frau Senghor Beye erhielt erstmals eine aus Afrika stammende Persönlichkeit diesen Preis, der für den Einsatz für die christliche Soziallehre verliehen wird. Der Leiter des Katholisch-Sozialen Instituts, Professor Ralph Bergold, lobte in seiner Ansprache das karitative und unternehmerische Engagement, das Frau Senghor Beye seit Jahren in ihrer Heimatgemeinde Djilor vorantreibt und damit Frauen und jungen Menschen ein Vorbild in von Armut und Jugendarbeitslosigkeit geprägten Umfeld bietet. Dr. h.c. Josef Thesing überreichte der Preisträgerin für ihr christlich motiviertes Unternehmertum und ihre soziale Verantwortung den Preis „ordo socialis“ 2018.

Im Umfeld der Preisverleihung konnten die senegalesischen Delegationsteilnehmer in Bonn u.a. Gespräche im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GiZ) führen und das Wohnhaus Konrad Adenauers in Rhöndorf besichtigen. Neben Dr. Georg Kippels MdB im Rheinland standen den Teilnehmern in Erfurt Johannes Selle MdB und in Berlin Volkmar Klein MdB und Matern von Marschall MdB zu politischen Gesprächen zur Verfügung. Die Bundestagsabgeordneten betonten, dass Senegal und Westafrika in den vergangenen Jahren immer mehr an politischer Aufmerksamkeit erhalte. Migrationsthemen, aber auch die wirtschaftliche Dynamik und das Bevölkerungswachstum westafrikanischer Länder sowie sicherheitsrelevante Themen würden eine Zusammenarbeit mit dem Nachbarkontinent Afrika immer drängender werden lassen.

Die senegalesischen Teilnehmer waren am 19. März in Erfurt außerdem Gesprächspartner der Auftaktveranstaltung zur Veranstaltungsreihe „Afrika – Unser Nachbarkontinent zwischen Aufbruch und Stagnation“, die vom Politischen Bildungsforum Thüringen in diesem Jahr durchgeführt wird. Der ehemalige Minister Abou Lo, der inzwischen Aufsichtsratsvorsitzender des Internationalen Flughafens Dakar ist, referierte dabei über die wirtschaftliche und politische Entwicklung Senegals und die Eckpfeiler des 2014 verabschiedeten Senegalesischen Entwicklungsplans PSE. Dr. Senghor Beye stand im Rahmen einer Podiumsdiskussion gemeinsam mit Professor Andreas Freytag (Uni Jena) für Fragen aus dem Publik zur Verfügung.

Im Vorfeld der Abendveranstaltung konnte die senegalesische Delegation mit den Thüringer Landtagsabgeordneten Ministerin a.D. Marion Walsmann und Stefan Gruhner über das föderale System in Deutschland diskutieren. Im Dialog mit mittelständischen Thüringer Unternehmern konnte bei der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) zudem über konkrete wirtschaftsbezogene Ansätze des Senegalesischen Entwicklungsplans gesprochen werden. Die Thüringer Unternehmer zeigten sich an der Entwicklung Senegals sehr interessiert und bekundeten ihr Interesse an verstärkten Investitionen im Land – vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien.

In Berlin wurde bei Gesprächen mit dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus und Generalsekretär der CDU Berlin, Stefan Evers MdA, und dem stellvertretenden Leiter der Hauptabteilung Europäische und Internationale Zusammenarbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung, Dr. Peter Fischer-Bollin, erneut deutlich, wie geeignet Senegal als politisch stabiles und wirtschaftlich prosperierendes Land dafür ist, das Bild Afrikas in Deutschland zu verändern. Dies wurde bei der zweiten „Afrika Start-up Night“ am 20. März im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ebenfalls deutlich. Dort präsentierten sich zehn junge Unternehmen, die in Afrika investieren und Entwicklung durch wirtschaftliche Investitionen vorantreiben möchten. Der ehemalige senegalesische Minister Abou Lo plädierte bei allen Gesprächen in Deutschland ebenfalls für einen Dialog zwischen Deutschland und Senegal auf Augenhöhe und betonte, dass wirtschaftliche Investitionen deutscher Unternehmen im Senegal zentral für die weitere Entwicklung des Landes seien. Senegal werde in den kommenden drei Jahren 25.000 Ausbildungsplätze für junge Senegalesen schaffen, um qualifizierte Arbeitskräfte auszubilden, so Abou Lo.

Die Delegationsteilnehmer zeigten sich sehr am föderalen politischen System in Deutschland und an der ordnungspolitischen Vorstellung der Sozialen Marktwirtschaft interessiert und kündigten bereits an, die gewonnenen Erkenntnisse in den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungsprozess Senegals einzubringen und für eine engere Partnerschaft Senegals und Deutschlands in ihrem Land zu werben.

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