Frickhöffer, Wolfgang

geb. am 26.05.1921, gest. am 31.10.1991

Parlamentarischer RatWestbindungSoziale MarktwirtschaftBilaterale BeziehungenEuropapolitikWiedervereinigung

Der „Wachhund der Sozialen Marktwirtschaft“ – so hat man Frickhöffer apostrophiert – kannte Schonung weder gegenüber den erklärten Feinden der Sozialen Marktwirtschaft noch denen gegenüber, die das Feldzeichen „Soziale Marktwirtschaft“ vor sich hertragen, aber gegen den Geist der Marktwirtschaft zu sündigen bereit sind, wenn es brenzlig wird. Für Frickhöffer war die Soziale Marktwirtschaft kein Schönwettersystem, sondern eine Konzeption für alle Jahreszeiten.

Frickhöffer musste den bitteren Kelch der Kriegs- und Nachkriegszeit leeren: Unmittelbar nach dem Abitur am humanistischen Gymnasium Berlin-Steglitz wurde er zu Arbeits- und Wehrdienst eingezogen und geriet in Kriegsgefangenschaft. In der Nachkriegszeit hielt er sich zunächst mit verschiedenen Tätigkeiten über Wasser; er war nebenberuflicher Journalist (1949-1952), machte sein Dolmetscherexamen (1951-1954) und studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Heidelberg. Alexander Rüstow, der nach seiner türkischen Emigration den Lehrstuhl von Alfred Weber an der Universität Heidelberg übernommen hatte, wurde sein prägender Lehrer. Im Januar 1954 trat Frickhöffer die Stellung an, die ihn von da an ausfüllen und sein Leben bestimmen sollte: Er wurde Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM). Nach dem Tode Alexander Rüstows, seines wissenschaftlichen Mentors und bislang Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft, wurde er im Jahre 1962 dessen Nachfolger.

Die ASM hat Ludwig Erhard bei seiner Reform- und Aufbaupolitik publizistische Schützenhilfe gewährt. Die Gralshüter der Lehre der Sozialen Marktwirtschaft haben hier eine Plattform für ihre Ideen und Konzepte gefunden und auf die politische Meinungsbildung einwirken können. Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), die Autonomie der Deutschen Bundesbank, die Ausgestaltung der Europäischen Gemeinschaft, mehrmaliger Streit um Aufwertungen und die Auseinandersetzung um die Freigabe der Wechselkurse – darüber wurde auf den Tagungen intensiv diskutiert, ja bisweilen wurde darum geradezu gerungen. Auch Wirtschaftsminister Karl Schiller dozierte hier über soziale Symmetrie und den Aufschwung aus der „Talsohle“. Kurz: Die ASM war und ist der Ort, wo über Weichenstellungen für die Marktwirtschaft nachgedacht und klare Wegmarken gesetzt werden.

Dafür hat Frickhöffer immer gesorgt; er hat aber nicht bloß den Denkern und Gestaltern der Sozialen Marktwirtschaft ein vielbeachtetes Forum geboten, sondern selbst die nationale und internationale Diskussion – u. a. auch über die Mont-Pèlerin-Gesellschaft – angeregt und befruchtet. Zugleich hat er in öffentlichen und persönlichen Stellungnahmen an der aktuellen Regierungspolitik aus marktwirtschaftlicher Perspektive Maß genommen; er konnte sehr deutlich werden, wenn er Flickschusterei, Verschlimmbesserungen oder gar ordnungspolitische Sündenfälle vermutete oder nachwies.

Frickhöffers Rolle als Mahner und seinen Einsatz für die res publica hat der frühere Bundeswirtschaftsminister, Otto Graf Lambsdorff, gewürdigt: „Wolfgang Frickhöffer hat das große Verdienst, mit profundem Wissen ohne Rücksicht auf tagespolitische Zwänge den Finger auf die Wunden legen zu können, die der Marktwirtschaft immer wieder zugefügt werden. Mit seinen Vorschlägen und Kommentaren rüttelt er die Politiker auf. Dabei ist er ein nicht immer bequemer Mahner. Er führt einen gerechten Kampf.“

Literaturhinweise:

  • RÜSTOW, A. (1963), Rede und Antwort, Ludwigsburg;
  • FRICKHÖFFER, W. (1964), Deutsche Politik als marktwirtschaftliches Beispiel, in: Aktion Soziale Marktwirtschaft, Ehrliche Weltoffenheit als deutscher EWG-Beitrag, Tagungsprotokoll Nr. 22, Ludwigsburg;
  • DERS. (1969), Gesellschaftspolitische Folgerungen in einer freiheitlichen Ordnung – von sozialen Fiktionen zu realistischer Politik, in: Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft, Freiheitliche Politik für eine freie Welt, Tagungsprotokoll Nr. 32, Ludwigsburg.
Joachim Starbatty