Zusammenbruch des Gesundheitssystems

In vielen Krankenhäusern des Landes gibt es kein fließendes Wasser und Strom. reuters/Marco Bello
In vielen Krankenhäusern des Landes gibt es kein fließendes Wasser und Strom.

Mit der schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise in Venezuela ist auch das Gesundheitssystem des Landes zusammengebrochen. Die Situation gleicht derjenigen in Kriegsgebieten: Medikamente, Impfstoffe und medizinisches Material fehlen, hygienische Standards können aufgrund von Wasser- und Strommangel in Krankenhäusern nicht eingehalten werden und Menschen sterben an behandelbaren Krankheiten. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation hat sich die Müttersterblichkeit seit 2016 mehr als verdoppelt, die Kindersterblichkeit hat sich im selben Zeitraum um 30 Prozent erhöht. Gleichzeitig breiten sich längst besiegte Infektionskrankheiten und Seuchen, wie etwa Masern, Diphterie oder Tuberkulose erneut aus. War Venezuela bereits Anfang der 1960er Jahre als erstes Land der Welt frei von Malaria und galt damit als Vorbild in der Ausrottung der Tropenkrankheit, so hat sich die Infektionskrankheit im Zusammenhang mit dem Kollaps des Gesundheitssystems in den letzten Jahren wieder seuchenartig ausgebreitet. Heute sind in Venezuela mehr Menschen von Malaria betroffen als in jedem anderen Land der Region.

Durch die weltweite Pandemie von COVID-19, von der auch Venezuela betroffen ist, hat sich die humanitäre Lage abermals verschlechtert. Das Virus trifft auf ein Land, das weltweit zu den Staaten mit der schlechtesten gesundheitlichen Versorgung zählt. Die bereits vor Ausbruch der Pandemie verheerende Lage der Bevölkerung, die parallel mit einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise, weitreichender Armut und Unterernährung sowie einem fast völlig zusammengebrochenen Gesundheitssystem zu kämpfen hatte, macht Venezuela besonders anfällig für das tödliche Virus.