Attentat auf Adolf Hitler

Das Attentat vom 20. Juli 1944 gilt als bedeutendster Umsturzversuch des militärischen Widerstandes während des Nationalsozialismus. Ziele waren die Beseitigung der nationalsozialistischen Herrschaft und Beendigung des Krieges, die Übernahme der militärischen Befehlsgewalt und der Regierungsverantwortung sowie die Schaffung einer demokratischen Regierung in Deutschland.

Enger Kreis der Verschwörer

Die heterogene Gruppe setzte sich aus zivilen und militärischen Oppositionellen, unter ihnen Generäle, Offiziere sowie Verwaltungsbeamte zusammen. Viele von ihnen hatten Kontakte zum Kreisauer Kreis, der Widerstandsgruppe um Helmuth James Graf von Moltke. An den „Walküre-Plänen“ arbeiteten Generaloberst Ludwig Beck (Kopf des militärischen Widerstands), General Friedrich Olbricht, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim, Generalmajor Henning von Tresckow, Carl Friedrich Goerdeler (Kopf des zivilen Widerstands). Die Gruppe knüpfte ein Netz an Vertrauensleuten in Wehrkreisen, wichtigen Ämtern und in den Berliner Schaltstellen der Macht. Auch der Entwurf einer Regierungserklärung, die von Beck als provisorischem Staatsoberhaupt und Goerdeler als Kanzler unterzeichnet werden sollte, war bereits ausgearbeitet.

Vorgeschichte und Anlass des Attentats

Angesichts der aggressiven Außenpolitik Hitlers regte sich 1937/38 Opposition in Militärkreisen (u.a. Generaloberst Ludwig Beck, Admiral Wilhelm Canaris, Oberstleutnant Hans Oster, General Erwin von Witzleben). Attentats- und Umsturzersuche mussten abgesagt oder verschoben werden oder schlugen fehl. Auch das Verständnis in der Wehrmacht hätte aufgrund der anfänglichen „Blitzkriege“ und Siege gefehlt. Nach Kriegsbeginn waren die oppositionellen Möglichkeiten von Offizieren erheblich eingeschränkt, da es patriotische Pflicht war, sich für den Sieg einzusetzen und Zweifel an Hitlers Politik zurückzustellen. Ständig begleitete die Offiziere der innere Zwiespalt, ob Tyrannenmord trotz Gehorsamspflicht erlaubt sei.

Die Stimmung unter den Soldaten kippte erst mit der Niederlage von Stalingrad Anfang 1943. Die über allem stehende soldatische Pflichterfüllung geriet ins Wanken. Im Sommer 1944 war die militärische Lage aussichtslos: In der Normandie waren die Alliierten gelandet, die Ostfront war in der Mitte zusammengebrochen. Machte ein Umsturzversuch nun überhaupt noch Sinn? Oberst von Stauffenberg wollte dieses moralische Zeichen setzen. Generalmajor von Tresckow wollte der Welt zeigen, dass die deutsche Widerstandsbewegung den „entscheidenden Wurf“ gewagt hat.

Verlauf

Am Mittag des 20. Juli 1944 verübte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg zusammen mit seinem Adjutanten Werner von Haeften im „Führerhauptquartier Wolfsschanze" einen Sprengstoffanschlag auf Adolf Hitler. Doch das Attentat schlug fehl; Hitler überlebte leicht verletzt. Gegen 23 Uhr erklärte der Befehlshaber des Ersatzheeres Generaloberst Friedrich Fromm die Verschwörer in Berlin für verhaftet und verkündete unverzüglich Todesurteile wegen Hochverrats. Friedrich Olbricht, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Mertz von Quirnheim und Werner von Haeften wurden noch in der Nacht zum 21. Juli 1944 im Hof des Bendlerblocks erschossen. Dem ebenfalls dort anwesenden Generaloberst Ludwig Beck war kurz zuvor „ehrenhalber“ ein Revolver überreicht worden. Henning von Tresckow nahm sich später an der Ostfront das Leben.

Parallel zu den Ereignissen in Berlin versuchten die Verschwörer um General Carl Heinrich von Stülpnagel (Militärbefehlshaber in Frankreich) in Paris den Umsturz herbeizuführen. Als sich der Oberbefehlshaber West, Generalfeldmarschall Hans Günther von Kluge, verweigerte, waren auch dort die Pläne gescheitert. Stüpnagel wurde nach einem gescheiterten Selbstmordversuch solange in einem Krankenhaus gepflegt, bis er vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt werden konnte.

Die Verfolgung vermeintlicher oder tatsächlicher Widerständler ging in den darauffolgenden Wochen weiter. Die Gestapo nahm tausende Regimegegner fest. Anfang August begannen die Prozesse vor dem „Volksgerichtshof“; viele von ihnen wurden zum Tode verurteilt.

Der 20. Juli – Verrat am Führer oder Befreiungsversuch?

Nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg hatte Hitler die Ämter des Reichskanzlers und des Staatsoberhaupts auf sich vereinigt und wurde damit auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Insbesondere die personalisierte Eidesleistung der Wehrmachtssoldaten auf Adolf Hitler seit dem 2. August 1934 stellte die Offiziere vor erhebliche Legitimationsprobleme. Doch am 20. Juli 1944 wagten Angehörige der Wehrmacht den Versuch, der verbrecherischen Diktatur ein Ende zu bereiten und das Ansehen Deutschlands in der Welt wiederherzustellen. Dieses Ziel wurde höher bewertet als das Treuegelöbnis.

Bis auch die deutsche Nachkriegsgesellschaft diese geschichtspolitische Einordnung der Widerstandsgruppe um Stauffenberg derart beurteilte, war es ein langer Weg. Die NS-Propaganda wirkte nach; der Umsturzversuch wurde als Vaterlandsverrat und Eidbruch einer kleinen Gruppe ehrgeiziger Offiziere angesehen, die ihren eigenen Ruf in letzter Minute retten wollte.

Erst als die zeitgeschichtliche Forschung in den 1960er Jahren die Motivlage der Widerstandskämpfer herausarbeitete, gelang die Rehabilitation. Nunmehr galten die ehemaligen Verschwörer als Ausdruck für ein „anderes Deutschland“.

Die Kritiker vergaßen nicht zu betonen, dass die Widerstandskämpfer keine geborenen Gegner des NS-Regimes waren und ihre Vorstellung einer Nachkriegsordnung keinesfalls auf demokratisch-freiheitlichen Grundsätzen beruhte. Doch sind die Akteure des 20. Juli nach heutigen Maßstäben zu beurteilen, zu verurteilen? Erst wenn sie im historischen Kontext betrachtet werden, erst wenn ihre Entscheidungen zwischen Bomben und Gestapo, Kooperation und Konfrontation, Gehorsam und Widerspruch angesiedelt werden, erst dann wird ihre Leistung zur damaligen Zeit deutlich: Sie standen über Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg für den antitotalitären Grundkonsens und den Bezug zum christlichen Menschenbild, das eine Antwort auf die geistigen Trümmer der NS-Herrschaft sein sollte.

Die Bundeswehr sieht sich in der Verpflichtung des 20. Juli. An diesem Tag legen Soldaten der Bundeswehr ihr feierliches Gelöbnis ab – seit 2012 im Bendlerblock, dem heutigen Berliner Dienstsitz des Verteidigungsministeriums.

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