Reuters

보고서

Covid-19 in Kamerun

Anja Berretta

Der abwesende Präsident

Kamerun weist nach Südafrika die meisten Covid-19 Infektionen in Subsahara-Afrika auf. Das Gesundheitssystem des zentralafrikanischen Landes ist nicht in der Lage, eine angemessene Versorgung der Patienten sicherzustellen, die wirtschaftlichen Konsequenzen der Pandemie sind für die Bevölkerung bereits jetzt spürbar. Trotzdem hat sich Präsident Paul Biya bisher nicht öffentlich zu der Krisensituation geäußert. Während die Zahlen der Neuinfektionen im Land steigen, wird die Kritik an seinem Führungsstil lauter.

Afrika sollte sich auf das Schlimmste vorbereiten – dazu riet Mitte März der Generaldirektor der WHO, Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus.1 Es ist kein Geheimnis, dass die Gesundheitssysteme vieler afrikanischer Länder nicht in der Lage sind, die an Covid-19 erkrankten Patienten angemessen zu behandeln. In Kamerun stehen für die rund 26 Millionen Einwohner 50 Intensivbetten zur Verfügung, seit Ausbruch der Krankheit werden an manchen Tagen lediglich 30 Personen auf eine Neuinfektion getestet. Personen, die Symptome der Krankheit aufweisen und sich an die Gesundheitsbehörden wenden, werden oftmals nicht weiter behandelt oder gar nicht erst getestet.

Rund eine Woche nach Bekanntwerden des ersten Falls von Covid-19 am 6. März beschloss die Regierung umfängliche Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Dazu gehörten die Schließung des Luftraums mit sofortiger Wirkung, ein Versammlungsverbot sowie das Verbot von interurbanem Transport. Diese Maßnahmen wurden Anfang April noch einmal verschärft, mittlerweile ist das Tragen von Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit Pflicht, und in größeren Städten wurden spezielle Anlaufstellen für Personen mit Krankheitssymptomen eingerichtet.

Während die Staatschefs anderer afrikanischer Länder in diesen Tagen jedoch öffentlich als Krisenmanager in Erscheinung treten, sich über Fernsehansprachen oder soziale Medien an die Bevölkerung wenden oder sogar Fitnesstipps für die häusliche Quarantäne geben,2 glänzt Kameruns Präsident Paul Biya durch Abwesenheit. Bisher hat er sich nicht persönlich zum Ausbruch der Krankheit im Land geäußert, über die aktuelle Situation im Land informiert Gesundheitsminister Malachie Manaouda regelmäßig in den sozialen Medien. Nach einem sprunghaften Anstieg der Neuinfektionen verkündete Manaouda vor wenigen Tagen, dass auf Geheiß des Präsidenten nur noch die Zahl der Geheilten, der schweren Infektionen und der Opfer bekannt gegeben würde. Die Zahl der Neuinfektionen solle künftig nicht mehr veröffentlicht werden, um einer Panikmache in der Bevölkerung vorzubeugen. Ob diese Strategie zielführend ist, ist indes fraglich: Twitter-Nutzer forderten empört ihr Recht auf Transparenz und Informationen ein, und ob die unbekannte Zahl der Neuinfektionen die Bevölkerung tatsächliche beruhigt, stellen Experten in Frage. 3 Manaouda hingegen versichert, dass wenige Zahlen besser geeignet seien, um die Situation im Land und die Strategie der Regierung zu bewerten. Letztere bewertet der Gesundheitsminister seitdem durchweg positiv, er beruft sich auf geringe Fallzahlen in der Intensivpflege sowie die im internationalen Vergleich niedrige Opferzahl als Belege für das effiziente und effektive Krisenmanagement der Regierung. Am 10.04. waren in Kamerun offiziell 848 Personen infiziert, die Anzahl dürfte heute weit über 1000 liegen.

 

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Anja Berretta

Anja Berretta (geb

Leiterin des Regionalprogramms Energiesicherheit und Klimawandel Subsahara-Afrika

anja.berretta@kas.de

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