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Kinder bekommen und hinzugewonnene Jahre nutzen

Der demografische Wandel und seine Herausforderungen für die Gesellschaft

Die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland steigt und ist aktuell auf dem höchsten Wert, den es jemals gegeben hat. Zugleich sinkt jedoch die Geburtenrate in Deutschland. Was diese Situation für das Land bedeutet und welche Konsequenzen gezogen werden müssen, haben Politiker und Wissenschaftler beim 4. Lichtenberger Gespräch diskutiert.

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Der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Hans Bertram möchte keine Untergangszenarien herauf beschwören, er betrachtet die positiven Aspekte des Wandels. „Ein 65-jähriger heute hat eine Vitalität wie sie 1990 ein 60-jähriger hatte. Das sind ganz klar gewonnene Jahre, in denen alte Menschen noch etwas unternehmen können“, sagte Bertram. Er kam zu dem Schluss, dass Gerechtigkeit zwischen den Generationen dann gewährleistet werden kann, wenn die ältere Generation länger arbeitet, als dies heute der Fall ist. Um dies zu ermöglichen, forderte er die Wirtschaft und die Gesellschaft auf, eine Arbeitskultur zu schaffen, die sich auch an den älteren Arbeitnehmern orientiert.

Bertrams Überzeugung nach müssen Lebensentwürfe der Menschen ermöglicht werden, die eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie zulassen. Die Berufsstrukturen müssen sich in der Form ändern, so dass auch wieder gut Ausgebildete und Akademiker mehr Kinder bekommen können und wollen. Vehement machte er sich für die verstärkte Investition in Bildung stark und plädierte dafür, keine Untergangsszenarien zu entwickeln, sondern die Herausforderungen des demographischen Wandels anzunehmen und Lösungskonzepte zu erarbeiten.

Dr. Hermann Kues führte aus, dass sich die Kinderzahlen seit 1963 halbiert haben. „Wir müssen daher die Bedingungen schaffen, dass die Menschen sich leichter für Kinder entscheiden, ohne dass wir es ihnen vorschreiben“, so Kues. Denn die Geburtenrate liegt heute bei 1,3 Kindern pro Frau. Anreize können aus Sicht des Staatssekretärs im Bundesfamilienministerium bessere Betreuungsmöglichkeiten, das Elterngeld sowie eine verstärkte Rücksichtnahme und Flexibilität der Arbeitswelt sein. Die Gesellschaft soll aus seiner Sicht nicht in Kulturpessimismus verfallen, sondern akzeptieren, dass es gesellschaftliche Veränderungen gibt, die es zu meistern gelte. Er machte deutlich, dass auch für ihn die Erhöhung des Renteneintrittsalters als fester Bestandteil zum Thema Generationengerechtigkeit gehört.

Dass der Wandel bereits stattfindet, zeigt Clara Herrmann auf, die als Jugendpolitische Sprecherin des Bündnis 90/ Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. „Diese Legislaturperiode haben viele Kollegen Kinder bekommen und inzwischen können die Kleinsten auch mit ins Parlament kommen. Das gab es früher nicht“, so die 25-Jährige Nachwuchspolitikerin. Kinderbetreuung sei eine wichtige Rahmenbedingung, die ermögliche, auch mit Kind eigene Pläne zu verwirklichen.

„Dieser Bewusstseinswandel ist wichtig. Die Arbeitgeber sind inzwischen aufgeschlossener gegenüber Kindern. Doch auch an Universitäten müssen Anreize geschaffen werden, denn hier halten sich viele junge Menschen auf, die auch Kinder bekommen wollen“, ergänzt Gregor Hoffmann, der Sozialpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.

Ebenso wie der jungen Generation Perspektiven ermöglicht werden, brauchen auch die Älteren eine. Denn wenn die Grenze für das Renteneintrittsalter erhöht wird, muss auch gesichert sein, dass ältere Menschen altersgemäße Arbeit finden. „Die Arbeitskultur muss sich ändern. Die Qualifizierungen von älteren Menschen sollten wir in Bereichen einsetzen lernen, die anders sind als die auf die Jugend ausgerichtete Wirtschaft sie derzeit bietet“, fordert Bertram. Auch das Ehrenamt biete, laut Kues, ein Aufgabengebiet, wo Ältere gebraucht werden.

„Schließlich gilt es aber nicht nur Gerechtigkeit zwischen den Generationen herzustellen, sondern auch innerhalb der Generationen“, sagt Herrmann. Denn obwohl es Kindern heute in Deutschland so gut geht wie noch nie, sei Berlin die Hauptstadt der Kinderarmut. Gleichfalls gebe es alte Menschen, die mit ihrer Rente gut auskommen und auf der anderen Seite das Phänomen der Altersarmut, das in den kommenden Jahren zunehmen werde.

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