Länderberichte

Kardinal Jorge Mario Bergoglio vor über einer Million jugendlichen Pilgern: „Daß man uns nicht die Hoffnung raubt!“

KAS-Argentinien dokumiert die Ansprache des Erzbischofs von Buenos Aires

In einer als regierungskritisch verstandenen Ansprache rief Kardinal Bergoglio den über einer Million Jugendlichen mehrfach zu: „Dass sie uns nicht die Hoffnung rauben!“ Gleichzeitig forderte er sie angesichts von Armut und Perspektivlosigkeit zum Zusammenhalt auf und bat die Jungfrau von Lujan darum, die „Hoffnung zu erneuern“, was von Kommentatoren als Aufruf zur Veränderung und zur politischen Stellungnahme interpretiert wurde. Die Ansprache steht im Zusammenhang mit einem Dokument der Argentinischen Bischofskonferenz, das die Perspektiven einer „erneuerten Nation“ entwickelt.

Homilie des Erzbischofs von Buenos Aires, Kardinal Jorge Mario Bergoglio S.J., im Marienwallfahrtsort Lujan anlässlich der 35. Jugendwallfahrt am 4. Oktober 2009:

„Mutter Gottes, dein Angesicht erneuere unsere Hoffnung.“ So haben wir es auf dem ganzen langen Weg hierher immer wieder gesagt. Und sie sieht uns alle an, wie Jesus es dem Jünger versprach: „Siehe, deine Mutter!“ Auch zu uns sagt er: „Siehe, deine Mutter!“

Es ist die Mutter, die für ihre Kinder sorgt, die Kinder, die oftmals müde und bedürftig durch das Leben gehen, die sich aber wünschen, das Licht der Hoffnung möge nie erlöschen. Das ist unser Wunsch: Dass das Licht der Hoffnung nie erlischt. So bitten wir alle: Mutter, dein Angesicht erneuere unsere Hoffnung!

Schau auf dieses Pilgervolk, auf das von dir geliebte Volk, ein Volk, das viel gelitten hat, das schweigendes Herzens nach Lujan gepilgert ist, selbst wenn es unterwegs auch viel Lärm, Unterhaltung und Zerstreuung gegeben hat. Es ist ein Volk, das ein Miteinander lebt und die Last der Brüder und Schwester mitträgt, ein Volk, das die Last unserer Brüder und Schwestern in diesem schweigenden Herzen bewahrt, ein Volk, das gekommen ist, um mit der Opfergabe des Gebets vor dein Angesicht zu treten. Es tut gut, dich uns nahe zu wissen. Aus deinem Anblick strahlen Glaube und Vertrauen.

Die Mutter blickt mit ihren sanften Augen auf ihre Kinder, die voller Ergriffenheit vor ihren Altar treten, sich in ihrem Hause ausruhen und schlafen legen, um sich dann wieder auf den Weg nach Hause zu machen, zurück an die Arbeit, zur Familie. Die Begegnung mit der Mutter aber hält an, ist eine zeitlose Begegnung. Indem wir dein uns erfreuendes Angesicht geblickt haben, entsteht in uns allen, geliebte Mutter, der Wunsch als Kinder, als Brüder und Schwestern zusammenzustehen. Hier bei dir entdecken wir, dass die Hoffnung wächst, indem wir enger wie Brüder und Schwestern zusammenhalten. So bitten wir dich unsere Hoffnung zu erneuern, auf das uns dieser so wichtige Lebensgrund nicht verlorengehe. Wir sind herzukommen, um die Hoffnung wieder aufleben zu lassen. Und wir bitten dich, die Hoffnung in uns zu erneuern.

So bitten wir dich, hilf uns all das aus unseren Herzen zu löschen, was verwirren könnte, was all das Gute von Gott und von dir uns fernhalten könnte! Was aber unantastbar ist, ist, dass wir deine Kinder und untereinander Brüder und Schwestern sind. Mutter, schütze uns mit deinem Angesicht vor denjenigen, die uns die Hoffnung rauben wollen! Die Mutter blickt auf alle und auf jeden, aber seit langem schon sorgt sie sich um die ärmsten unter ihren Kindern: um die Kinder, die im Auf und Ab des Lebens am Wegrand zurückbleiben. Die ausgegrenzten Kinder, die ausgenutzt wurden oder denen das Leben übel mitgespielt hat. Diese Söhne und Töchter haben Namen: sie sind die Kinder der Gottesmutter. Siehe Mutter, so viele Ausgeschlossene, es sind deine Söhne und Töchter. Richte deinen Blick auf sie und lass in ihren Herzen die Hoffnung wieder aufleben! Hier stehen wir, Mutter, deine Pilgerkinder. Wir sind hier, weil du uns seit Jahren in Lujan als deine Kinder, aber auch als Volk beschützt. Jedes Jahr kommen wir allein oder mit unseren Familien wieder, damit du auch auf jene blickst und sie segnest. Dies ist dein Haus, Mutter, es ist die Stätte der Begegnung, in der wir sagen können, dass dein Angesicht unsere Hoffnung erneuert. Mutter, wir bitten dich, uns zu beschützen, uns zu stärken, damit uns nicht die Hoffnung geraubt wird. So erbitten wir deinen Schutz, Mutter, damit uns nicht die Hoffnung geraubt wird. Und hier in Lujan wissen die Kinder dieses geliebten Vaterlandes, deine Kinder, Mutter, die Jugend, die seit Jahren an diesen Ort pilgert, dass sie nicht alleine sind; sie wissen, dass du hier bist, um sie zu empfangen, zu stärken, ihre Hoffnung zu erneuern. Wir sind hierher gepilgert, häufig müde, aber nicht nur mit müden Gliedern. Hier erholen wir uns, weil Lujan, dein Haus, unser aller Haus ist.

Mutter, stärke unsere Hoffnung, damit man uns nicht die Hoffnung nimmt! Geliebte Mutter, lass uns nicht allein! Dein Volk bittet dich darum: Lass uns nicht allein! Richte deinen Blick auf deine Kinder, die zu dir gekommen sind: Richte deinen Blick auf sie und begleite sie. Hilf ihnen, den Weg deines Sohnes zu folgen, um gemeinsam ein Vaterland von Brüdern aufzubauen. Mutter, hilf uns! Unser Leben liegt in deinen Händen. Dass man uns nicht die Hoffnung raubt! Dass dein Angesicht unsere Hoffnung stärke!

Gemeinsam bitten wir dich:

Mutter, dein Angesicht erneuere unsere Hoffnung!

Mutter, dein Angesicht erneuere unsere Hoffnung!

Mutter, dein Angesicht erneuere unsere Hoffnung!

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung ist in rund 80 Ländern auf fünf Kontinenten mit einem eigenen Büro vertreten. Die Auslandsmitarbeiter vor Ort können aus erster Hand über aktuelle Ereignisse und langfristige Entwicklungen in ihrem Einsatzland berichten. In den „Länderberichten“ bieten sie den Nutzern der Webseite der Konrad-Adenauer-Stiftung exklusiv Analysen, Hintergrundinformationen und Einschätzungen.

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Sankt Augustin Deutschland