Länderberichte

König Abdullah II. ernennt seinen ältesten Sohn zum Kronprinzen

von Michael Däumer , Sebastian Grundberger , David Lüngen
Der jordanische König Abdullah II. bin al-Hussein hat in einem königlichen Dekret seinen 15-jährigen Sohn, Prinz Hussein bin al-Abdullah, offiziell zu seinem Thronfolger ernannt. Damit beendete der Monarch viereinhalb Jahre ohne Kronprinzen. Beobachter sehen in der Entscheidung vor allem den Ausdruck politischen Selbstbewusstseins des mit 47 Jahren noch recht jungen Monarchen.

Bereits seit längerer Zeit waren in Amman Gerüchte verbreitet worden, König Abdullah werde bald eine „wichtige Entscheidung“ bekannt geben. Die Ungewissheit darüber, welcher Art diese Entscheidung sein würde, löste sich am Donnerstag auf. Der Monarch erließ ein Dekret mit den Worten: „Wir, König Abdullah II. des Haschemitischen Königreiches Jordanien, verkünden Unser königliches Dekret im Einklang mit Paragraph A, Artikel 28 der Verfassung und ernennen Unseren ältesten Sohn, Prinz Hussein Ben Abdullah II, zum Kronprinzen“.

Mit der Ernennung des gerade 15 gewordenen Hussein endete in Jordanien eine viereinhalb Jahre andauernde kronprinzenlose Zeit. Am 28. November 2004 hatte König Abdullah II. seinen (Halb-) Bruder Prinz Hamzeh überraschend als Kronprinz abberufen. Offiziell hieß es damals, der König wolle Prinz Hamzeh „mehr Freiheit“ ermöglichen. Auf expliziten Wunsch seines Vaters, König Husseins, hatte König Abdullah II. wiederum am Tag seiner Thronbesteigung im Jahre 1999 quasi als erste Amtshandlung seinen jüngeren Bruder, Prinz Hamzeh bin al-Hussein, zum Kronprinzen ernannt. Prinz Hamzeh ist der älteste Sohn König Husseins I. mit seiner vierten Frau, der gebürtigen US-Amerikanerin Königin Noor.

Seit Abdullah Hamzeh die Kronprinzenwürde aberkannt hatte, gab es offiziell keinen Kronprinzen in Jordanien. Gemäß Artikel 28 der Jordanischen Verfassung wird der Thron des Haschemitischen Königreiches Jordanien jedoch in der Dynastie des Königs Abdullah II. in direkter Linie an seine männlichen Nachfahren vererbt, und zwar grundsätzlich an den ältesten Sohn des Thronhalters – es sei denn der König entscheidet anders. Damit war Kronprinz Hussein faktisch auch schon in den vergangenen Jahren der rechtmäßige Thronfolger. Gleichwohl war dem König offenbar immer wieder geraten worden, einen Kronprinzen zu ernennen, um eine eindeutige Klärung im Sinne der jordanischen Verfassung herbeizuführen.

Die allesamt königstreuen jordanischen Tageszeitungen feierten die Entscheidung Abdullahs II. in seitenlangen Anzeigen und mit herausnehmbaren Postern des Königs und seines Sohnes Hussein. Mitglieder der königlichen Familie und die Vertreter aller staatlichen Organe des Königreiches sprachen ihre Glückwünsche aus. Auch aus dem (arabischen) Ausland trafen am Wochenende zahlreiche Glückwünsche am Königlichen Hof in der Hauptstadt Amman ein. So gratulierten unter anderem Scheich Hamad ibn Isa al Chalifa, König von Bahrain, und Sultan ibn Abd al-Aziz, Kronprinz von Saudi-Arabien.

Über den jungen Kronprinzen, der sich anschickt, eines Tages das 5,3-Millionen-Einwohner starke Land im Nahen Osten zu führen, ist noch wenig bekannt. Das älteste der insgesamt vier Kinder Husseins mit der vor allem auch im Ausland sehr populären Königin Rania, stand bisher kaum im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Stattdessen soll er sich lieber mit politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Zeitschriften beschäftigen. Zudem sei er ein begeisterter Technikfan, der nie ohne seinen Laptop aus dem Haus gehe. In den nächsten Jahren dürfte sich an dem geringen öffentlichen Profil des frischgebackenen Kronprinzen einiges ändern. Sein Vater wird Hussein, der als König den Namen „Hussein II.“ annehmen wird, in den nächsten Jahren sukzessive auf seine künftige Rolle vorbereiten. Die Position des Kronprinzen ist in Jordanien eine rein repräsentative Funktion ohne weitergehende Verpflichtungen oder Befugnisse.

Für die meisten Beobachter hat der 47-jährige König Abdullah II. mit der Ernennung seines Sohnes zum Kronprinzen Selbstbewusstsein demonstriert und einen weiteren Schritt aus dem Schatten seines im Land enorm beliebten Vaters getan. Abdullah II., der seine Herkunft auf den islamischen Propheten Mohammed zurückführt, hat insofern seine innenpolitische Position weiter stärken können. Auch der Zeitpunkt der Entscheidung Abdullahs ist nicht ungewöhnlich. Erst vor wenigen Wochen hatte der König sein zehnjähriges Thronjubiläum gefeiert. Offenbar wollte der Monarch jedoch noch den 15. Geburtstag seines Sohnes am 28. Juni abwarten.

Erwartungsgemäß ist öffentliche Kritik an der Entscheidung des Königs ausgeblieben. Mit der schnellen Ernennung seines jüngeren (Halb-) Bruders Hamzeh zum Kronprinzen hatte Hussein seinerzeit einem Wunsch des gemeinsamen Vaters entsprochen und seiner eigenen Herrschaft damit zusätzliche Legitimation verliehen.

Dass der junge Hussein mit gerade erst 15 Jahren zum Kronprinzen ausgerufen wurde, ist in der haschemitischen Tradition nicht ungewöhnlich. Kronprinz Husseins Großvater, König Hussein I., war bei seiner Thronbesteigung im Jahr 1952 gerade erst 16 Jahre alt. Im Übrigen hat der junge Hussein auch noch genug Zeit, sich auf die Königswürde vorzubereiten.

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