Länderberichte

Zwei Päpste, eine Enzyklika

von Katja Christina Plate, Silke Schmitt

Presseschau Italien

Papst Franziskus hat am Freitag seine erste Enzyklika mit dem Titel „Lumen fidei“ veröffentlicht – und sich dabei maßgeblich auf Vorarbeiten von Papst Benedikt XVI. gestützt. Die italienischen Zeitungen begleiten ihre Analysen des Lehrschreibens fast alle mit einem Foto zweier sich umarmender Päpste.

Die rund 90 Seiten umfassende Enzyklika „Lumen fidei“ sorgte schon vor der Veröffentlichung für Aufsehen. Als Werk von „vier Händen“ hatte Papst Franziskus das Lehrschreiben selbst bezeichnet, das eine bereits von Benedikt XVI. begonnene Arbeit zum Jahr des Glaubens zu Ende führt. „In der Brüderlichkeit in Christus übernehme ich seine wertvolle Arbeit und ergänze den Text durch einige weitere Beiträge“, schreibt Franziskus in der Einleitung seiner ersten Enzyklika, die am Freitag erschienen ist, aber das Datum des 29.06.2013 trägt – des römischen Patronatsfestes Peter und Paul.

Die italienische Tageszeitung „Corriere della Sera“ will es ganz genau wissen: „Acht Seiten von 80 stammen von Franziskus“, titelt die Zeitung am Samstag und analysierte den Text der Enzyklika nach typischen Formulierungen der Päpste. „Lassen wir uns nicht die Hoffnung rauben.“ Dieser Satz auf Seite 79 stammt von wem? Von Papst Franziskus – meint der Journalist Luigi Accatoli. Etwas Ähnliches habe Franziskus bereits bei der Fußwaschung am Gründonnerstag im Gefängnis zu den Jugendlichen gesagt. Seite 53 hingegen sei klar Papst Benedikt – mindestens zehnmal habe der „Theologen-Papst“ in der Vergangenheit Sätze wie diesen formuliert: „Es ist unmöglich, alleine zu glauben“. Eine Vermischung sieht der Journalist lediglich in Paragraph 34: „Der Gläubige ist nicht arrogant; im Gegenteil (...).“

Diese Textstelle macht die römische Tageszeitung „Il Tempo“ zur Überschrift ihrer Samstagsausgabe (06.07.2013): „Der Glaube ist nicht gnadenlos und arrogant“, schreibt Andrea Acali. Er erinnert an die Worte des Präfekten der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, bei der Vorstellung des Lehrschreibens am Freitag im Vatikan: „Viel Papst Benedikt und alles Papst Franziskus“. Insgesamt eine „Enzyklika der Kontinuität“, so das Blatt.

Dieser Meinung ist auch Enzo Bianchi in seinem Kommentar in der Bischofszeitung „Avvenire“: Es sei höchst signifikant, dass Papst Franziskus das Erbe seines Vorgängers aufgegriffen und durch eigene neue Beiträge ergänzt habe und fügt hinzu: „Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas in der Kirche vorkommt“.

So sieht es auch Pater Bernd Hagenkord SJ. In einem Interview für das deutsche Wochenmagazin „Der Spiegel“ erläutert der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan: „(...) letztlich wurzeln doch alle ersten Enzykliken im vorangegangenen Pontifikat“. Dafür gibt es nach Einschätzung des Radiojournalisten eine ganz einfache Erklärung: „(...) auch die ersten Enzykliken Benedikts XVI. hatten ihre Wurzeln im Pontifikat von Johannes Paul II. Es arbeiten ja Referenten an so einem Schriftstück mit, da gibt es viel Vorlauf“, so Hagenkord. In einem Interview mit dem Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung machte er deutlich: „Es ist eine Franziskus-Enzyklika. Auch wenn er Vorarbeiten aufgreift, ist es sein Text“.

Der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller betonte bereits bei der Vorstellung des Dokuments im Vatikan, es sei unnötig, sich auf die Suche zu begeben, wer nun was in der Enzyklika geschrieben habe: „Es ist kein Patchwork, sondern eine Einheit“. Autor des Werkes sei Papst Franziskus, der es auch unterschrieben habe. Es könnte auch nicht anders sein, so Erzbischof Müller: „Es gibt nur einen Papst“.

Freitag der vier Päpste

Vom Tag der „vier Päpste“ sprach hingegen am Freitag (05.07.2013) die italienische Nachrichtenagentur „AGI“ – nicht ganz zu Unrecht: Neben der Enzyklika unterschrieb Franziskus am 5. Juli ein Dekret und gab damit den Weg frei zur Heiligsprechung von Papst Johannes XXIII. und Papst Johannes Paul II.

Am Morgen traf Papst Franziskus bereits den emeritierten Benedikt XVI. in den Vatikanischen Gärten. Dort weihte Papst Franziskus eine rund fünf Meter hohe Statue des Erzengels Michael mit dem Wunsch ein, der Schutzpatron der Weltkirche möge die Vatikanstadt vor allem Bösen bewahren und das Böse aus dem Vatikan verbannen. Zum ersten Mal nahm Papst Benedikt XVI. nach seinem Rücktritt offiziell an einer Veranstaltung teil. Er tat es an der Seite seines Nachfolgers, Papst Franziskus. Die herzliche Umarmung und das freundliche Lächeln zweier Päpste in den Vatikanischen Gärten. Diese Bildsprache wurde von allen Zeitungen zur Enzyklika-Berichterstattung aufgegriffen.

Die italienische Presse spekuliert nun bereits über die zweite Enzyklika von Papst Franziskus, die er angeblich zum Thema Ökologie verfasst. „Ganz alleine“ – wie der „Corriere della Sera“ betont.

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Rom Italien