Länderberichte

Zweieinhalb Jahre Haft für Bischof Jovan

von Ulrich Kleppmann

Der Streit zwischen Serbisch Orthodoxer und Mazedonisch Orthodoxer Kirche geht weiter

Am 26.07.05 trat Bischof Jovan (mit bürgerlichen Namen Zoran Vraniskovski) eine zweieinhalbjährige Haftstrafe an, zu der er wegen angeblicher Verbreitung nationalen und religiösen Hasses verurteilt wurde. Das Urteil wurde durch das Berufungsgericht in Bitola am Vortag bestätigt. Bischof Jovan sieht sich als Opfer des Kirchenstreits zwischen Belgrad und Skopje, der nach seiner Auffassung auch schon auf die mazedonischen Behörden übergriff. Wörtlich sagte er: "Ich glaube, dass es nun auch den in Kirchenangelegenheiten nicht Bewanderten klar geworden ist, wie sehr dieser Fall politisch gefärbt ist."

Die Mazedonisch Orthodoxe Kirche (MOK) erklärte sich Ende der sechziger Jahre von der Serbisch Orthodoxen Kirche (SOK) für unabhängig und befindet sich seitdem im Streit mit der SOK, die die Autokephalie der MOK nicht anerkennt. Vielmehr scheint der Auftakt für den jüngsten Streit die Entscheidung der SOK-Bischofskonferenz im Mai dieses Jahres zu sein, "jeglichen Kontakt zu Vertretern der MOK und auch zu ihren Gläubigen abzubrechen". Der mazedonische Präsident Crvenkovski schlug daraufhin eine Vermittlung des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I. vor sowie ein Gespräch mit seinem serbischen Amtskollegen. Während sich Bartholomäus I nicht in den Streit "der Kirchen" einmischen wollte, lehnte der serbische Präsident ab, da Serbien ein säkularisierter Staat sei.

Bischof Jovan wurde 2002 von der MOK in den Laienstand versetzt und schloss sich der SOK offen an, die ihn zum serbisch-othodoxen Exarchen von Ohrid ernannte. Im vergangen Jahr hatte er Kalender und andere Schriften verteilt, mit denen er sich den Zorn der MOK zuzog. Die MOK zeigte Bischof Jovan wegen des "Vertriebs von Materials mit religiösen Inhalts, das zum Zwecke der Verleumdung der MOK und seines Synods sowie zur Verletzung der religiösen Gefühle der Gläubigen diene" an. Das Gericht sah es in erster Instanz als erwiesen an, dass sich "Herr Vraniskovski" der Verbreitung "nationalen und religiösen Hasses" schuldig gemacht hat. Derweil ist die Frage nach dem Urteil und die Umstände, die dazu geführt haben, noch nicht ganz geklärt. Die Vorsitzende des mazedonischen Helsinki Komitees, Mirjana Najcevska erklärte, dass das vorgelegte Beweismaterial maximal für den Tatbestand einer Verleumdung und Beleidigung ausreiche. Ihrer Meinung nach, sei das Gerichtsverfahren konstruiert. Beobachter gehen davon aus, dass Bischof Jovan unter anderen Umständen oder anderen Zeit nicht so hoch verurteilt worden wäre. Seine Anwälte wollen das Urteil vom Europäischen Gerichtshof prüfen lassen und haben gute Chancen, dass es aufgehoben wird.

Nachdem Bischof Jovan seine Haftstrafe antrat, meldeten sich rasch serbische Politiker zu Wort. Aus dem Kabinett des serbischen Ministerpräsidenten wurde durch Vladeta Jankovic verbreitet, dass die Haftstrafe und vor allem die Höhe deutliche Spuren in den serbisch-mazedonischen Beziehungen hinterlassen werde. Der serbische Minister Milan Radulovic forderte die mazedonische Regierung auf, "ihren Kirchenbeschluss rückgängig zu machen". Die mazedonischen Politiker allerdings zeigten sich größtenteils unbeeindruckt und verwiesen immer wieder auf die Unantastbarkeit der Justiz. Präsident Crvenkovski reagierte auf die serbischen Äußerungen mit: "Ich wundere mich, wie sich die Beziehungen zwischen Mazedonien und Serbien verschlechtern können wegen eines Gerichtsurteils in Mazedonien über einen mazedonischen Bürger". Übereinstimmend erklärten unterdes der serbische Präsident Boris Tadic und der mazedonische Ministerpräsident Vlado Buckovski am 31.08. in Danzig am Rande einer Veranstaltung, dass der Kirchenstreit keine Auswirkungen auf die traditionell guten Beziehungen beider Länder habe. Nach Papst Benedikt XVI., der in "brennender Sorge um den Glaubensbruder" sei, wandte sich auch der Moskauer Patriarch Alexej II. mit einem Brief an die mazedonische Regierung. Er verlangte neben der Freilassung von Bischof Jovan auch die Einigung im Kirchenstreit im serbischen Sinne. Präsident Crvenkovski antwortete, dass auch er sich eine Lösung wünsche, allerdings habe die Serbisch Orthodoxe Kirche alle jüngsten Vorschläge der Mazedonisch Orthodoxen Kirche ignoriert und den Dialog einseitig unterbrochen. In bezug auf das Urteil verwies er nochmals auf die Unabhängigkeit der Justiz in einem säkularisierten Staat.

Eine wirkliche Beilegung des Kirchenstreits ist noch lange nicht in Sicht. Eine baldige Freilassung von Bischof Jovan ist ebenfalls nicht zu erwarten, denn begnadigt werden kann in Mazedonien nur, wer auch um Begnadigung bittet und ein solches Gesuch wird derzeit von Bischof Jovan nicht erwartet.

Ansprechpartner

Johannes D. Rey

Johannes D

Leiter des Auslandsbüros Mazedonien und Kosovo

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