Moral hazard

Der Begriff stammt aus dem Versicherungswesen. Er beschreibt folgende Verhaltensweise: Der Versicherer kennt nur das normale, sachbezogene, nicht aber das ganze Risiko, wenn durch den Versicherungsnehmer ein zusätzliches „moralisches“ Wagnis geschaffen wird. Der Versicherer kann aufgrund mangelnder Informationen und Kontrollmöglichkeiten beide Risiken nicht trennen und zuordnen, so dass die Versicherungsprämie für alle erhöht wird. Geradezu klassische Fälle sind: In der Autounfallversicherung werden im Schadensfall kleinere Reparaturen mit abgerechnet, die nicht durch den Unfall entstanden sind. Bei großen, anonymen Versicherungen (Krankenversicherung) oder staatlichen Sozialleistungen mit Umverteilungsanteilen (Wohlfahrtsstaat) entstehen vielfach Mentalitätsveränderungen: Man möchte nicht ständig Netto-Zahler sein, „alle tun es“, „der Ehrliche ist der Dumme“. So entstehen Verhaltensweisen des „moral hazard“, die die Nachfrage nach Leistungen zusätzlich steigern und diese Systeme verteuern. Ein Mittel der Wahl gegen diese Entwicklung ist die stärkere Berücksichtigung des Verhältnisses zwischen individuellem Risiko und Beitragssatz; die Eigenbeteiligung als Element des Verursacherprinzips. Ein Beispiel: Sind Verletzungen, die durch eine anerkannte Risikosportart entstehen, ein privates Risiko oder ein allgemeines Risiko der Gemeinschaft einer Zwangsversicherung?