Solidarität

Auszug aus: Lexikon der Christlichen Demokratie in Deutschland

Hg.: von Winfried Becker, Günter Buchstab u.a. Paderborn 2002

S. 643 - 644

Die Ursprünge des Begriffes der S. (lat. solidus = fest) gehen auf franz. Schrifttum des 19. Jh. Zurück. Wirksam wurde die S. im christl.-demokratischen Umfeld vor allem als Grundprinzip der kath. Soziallehre. Vermittelt über die christl.-soziale Bewegung (christl. Arbeiterbewegung; christl. Gewerkschaften) hatte es Konsequenzen insbes. im Bereich der Sozialpolitik. Von Heinrich Pesch um 1900 theoretisch begründet (»Christi. Solidarismus«) und von G. Gundlach und O. von Nell-Breuning vertieft, zielt das S.sprinzip auf die wechselseitige Verbundenheit der Menschen ab. Von seiner Natur her ist der Mensch als Person kein isoliertes Individuum, als soziales Wesen ist er, zur Verwirklichung seiner Anlagen und Ziele vielmehr auf die Zusammenarbeit mit anderen angewiesen. Die S. betont die Freiheit des einzelnen, verbindet sie aber mit der Verantwortung für den Mitmenschen. So ist der Mensch auf die Gesellschaft verwiesen, die ihrerseits aber auch dem Wohl eines jeden einzelnen verpflichtet sein muß. S. widerstrebt somit dem Egoismus einzelner oder gesellschaftlicher Gruppen. Konkret wird dies im Anspruch einer geschuldeten Gerechtigkeit den anderen gegenüber, wie ihn die S. als Rechtsprinzip erhebt und als Grundlage der Sozialgesetzgebung ausweist. Eine ähnliche Perspektive beinhaltet der mit der S. verbundene Gedanke der Gemeinhaftung. S. versteht sich zugleich auch als Forderung an jeden einzelnen, sich sozial-karitativ für Menschen in Not einzusetzen.

Lit.: J. KONDZIELA, S.prinzip, in: Kath. Soziallexikon (21980); O. VON NELL-BREUNING: Baugesetze der Gesellschaft (21990); A. BAUMGARTNER, in: LThK 9 (32000).

Karl-Georg Michel

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