„Die Erwartungen auf einen Schub für die Demokratie waren zu hoch geschraubt“

Interview mit Winfried Jung, Leiter des Auslandsbüros in Peking bis 2008

Mit der Ausrichtung der 29. Olympischen Sommerspiele in Peking möchte sich China der Welt als fortschrittliche und leistungsstarke Nation präsentieren. Mit enormem Aufwand wurde die Stadt innerhalb weniger Jahre umgestaltet, um die Gäste aus aller Welt als moderne Metropole begrüßen zu können. KAS-Außenbüro-Leiter Winfried Jung konnte diesen Wandel vor Ort verfolgen. Im Interview beschreibt er die Begeisterung der Chinesen für die Spiele, spricht aber auch über die negativen Folgen für die vielen Bewohner Pekings, die während der Bauarbeiten umgesiedelt wurden.

Auch wenn er die Erwartungen an einen Demokratisierungsschub in China durch die Spiele für überzogen hält, so kann er doch einige Beispiele für fortschreitende Reformprozesse in der chinesischen Gesellschaft geben: Klarere Rechtsstrukturen, besserer Schutz für Arbeiter und eine vorsichtige Lockerung der Arbeitsbedingungen für ausländische Journalisten. Weitere Reformen sollen kommen, doch der Prozess schreitet langsam voran, sagt Jung. Er rät zur Geduld und hofft, dass die Idee des nachhaltigen Wachstums von China auch über die Olympischen Spiele hinaus berücksichtigt wird. Nur so könne die teilweise gravierende Umweltverschmutzung eingedämmt werden, die gerade im Vorfeld der Spiele für alle Welt sichtbar ist.

Beeindruckt ist Jung von dem großen Heer der Freiwilligen, das sich während der Wettkampf-Wochen um die Besucher aus aller Welt kümmern wird. Für diejenigen, die das Sportfest von Deutschland aus verfolgen, wird Jung zusammen mit seinem Team in den kommenden drei Wochen regelmäßig und aktuell auf diesem Themenportal über die gesellschaftlichen und politischen Randnotizen während der Spiele berichten.

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