„Die Angst war kein ständiger Begleiter, aber die Vorsicht“

Zeitzeugen-Gespräch mit Staatssekretär a.D. Hans Neusel

„Das ist so das Holz, aus dem gute Beamte geschnitzt sind“. Großes Lob aus dem Mund von Wolfgang Schäuble – und es gilt einem Mann, den viele in seiner aktiven Zeit als den wirkungsmächtigsten Beamten der Bundesregierung bezeichneten: Hans Neusel, heute 81 Jahre alt. Zwischen 1959 und 1992 diente er den Mächtigen der Bundesrepublik als Referent, Büroleiter und Staatssekretär – von Ludwig Erhard über Kurt Georg Kiesinger und Karl Carstens bis eben hin zu Wolfgang Schäuble. Für sie war er der stille Berater und Organisator im Hintergrund. Ihn zeichnete sein Fleiß aus, seine „wache Intelligenz“ (Zitat Kiesinger), seine Loyalität – und nicht zuletzt seine Gelassenheit. Diese besitzt er bis heute – wie im Interview mit Daniel Blatt, einem Stipendiaten aus der Journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung, unschwer zu hören ist.

Umso erstaunlicher ist diese Ruhe, wenn man das Ereignis bedenkt, über das die beiden sprechen: Am 27. Juli 1990 verübte die Rote Armee Fraktion einen Anschlag auf Neusels Auto, wenige hundert Meter vom Innenministerium entfernt. Das Kommando „José Manuel Sevillano“ wollte nach eigenen Angaben den sicheren Tod des Mannes, dem sie einen „Krieg“ gegen Befreiung und Selbstbestimmung vorwarfen. Trotz 25 Kilogramm Sprengstoff wurde der Staatssekretär nur leicht verletzt – er hatte selbst am Steuer und damit „auf der falschen Seite“ gesessen, weil sein Fahrer an dem Tag frei hatte.

Noch am gleichen Nachmittag gab Hans Neusel eine Pressekonferenz und wandte sich über die Medien direkt an die Attentäter: „Was wäre, wenn ich jetzt tot wäre? Was hätten Sie erreicht? Dann wäre da ein anderer an meiner Stelle, der würde es genauso machen, hören Sie auf!“ Die Täter wurden bis heute nicht gefasst.

Hören Sie das ganze Zeitzeugen-Gespräch mit Hans Neusel mit einem Klick auf den Media-Player in der rechten Spalte.

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