„,Sippenhaft‘ als Repressionsmaßnahme des nationalsozialistischen Regimes“

Dissertationsprojekt von Johannes Salzig

Inhaltliche Schwerpunktsetzung

Obwohl die gesetzeswidrige Sippenhaft als Exempel für den barbarisch-exzessiven Charakter des verbrecherischen NS-Regimes allgemein bekannt ist, ist eine weitgehende empirische Erfassung der Opfer sowie eine Gesamteinordnung der Repressalie in die politischen, gesellschaftlichen und ideologischen Zusammenhänge des „Dritten Reiches“ bislang nicht erfolgt. Das Dissertationsprojekt will diese Forschungslücke schließen helfen.

Im Zentrum des Forschungsprojektes steht die Frage, was das Regime mit dem Einsatz der Repressionsmaßnahme tatsächlich bezweckte. War die Sippenhaft ein öffentlichkeitswirksames Druckmittel der nationalsozialistischen Führung gegen prominente Regimegegner, das gleichzeitig die Bevölkerung abschrecken, die Volksgemeinschaft stärken und zur Stabilisierung der NS-Herrschaft beitragen sollte? Die „Sippenhaft“ soll als ein Herrschaftsinstrument der Nationalsozialisten untersucht werden, das von Beginn an systemimmanent war. Dieser Ansatz findet seine Berechtigung in dem Umstand, dass das Phänomen weniger als ein „Mythos“ oder diffuses Terrorinstrument begriffen, sondern vielmehr als eine tendenziell ideologisch motivierte, nach nationalsozialistischer Rechtsauffassung legitime Strafmaßnahme interpretiert wird.

Die Dissertation verfolgt durch die bislang noch nicht hinreichend gezeichnete Verbindung von politischen, gesellschaftlichen und soziologischen Dimensionen des Phänomens der Sippenhaft im Nationalsozialismus ein erweitertes Erkenntnisinteresse und hofft auf diese Weise, einen wichtigen Beitrag zur Geschichte sowohl des deutschen Widerstandes als auch des staatlichen Repressionsapparates im „Dritten Reich“ leisten zu können.

Gegenwärtiger Stand des Dissertationsprojektes

Die Untersuchung des Phänomens der Sippenhaft im Umfeld des 20. Juli 1944 ist weitgehend abgeschlossen. Durch neue Quellenfunde aus dem Reichssicherheitshauptamt, dem Reichsjustizministerium, dem Persönlichen Stab Reichsführer-SS und der SS- und Polizeigerichtsbarkeit im Bundesarchiv in Berlin hat das Projekt eine modifizierte Ausrichtung erfahren, die oben bereits kurz skizziert worden ist. Ein weiterer Aufenthalt im Bundesarchiv ist für die kommenden Wochen avisiert. Weiterhin ist ein Besuch des Instituts für Zeitgeschichte sowie des Militärarchivs in Freiburg in Planung.

Förderung und Betreuung

Das seit Mai 2009 durch die Konrad-Adenauer-Stiftung geförderte Dissertationsprojekt wird an der Philipps-Universität Marburg im Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften, Fachgebiet Neuere und Neueste Geschichte von Herrn Prof. Dr. Wilhelm Ernst Winterhager betreut.

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