60 Jahre Israel

Verbunden in Freundschaft

Mit Deutschland und den Deutschen wollten aber viele, die nach Israel ausgewandert oder geflohen waren, niemals wieder etwas zu tun haben: „In unserem jungen Staat”, schrieb Shimon Peres rückblickend, „überwog die Auffassung, dass der Bruch mit Deutschland endgültig und für ewig sein müsse.”

Es ist das besondere Verdienst von David Ben Gurion und Konrad Adenauer, den Gründervätern und ersten Regierungschefs beider Länder, dass, trotz der tiefen Gräben der Vergangenheit, zwischen beiden Völkern wieder Vertrauen aufgebaut und die Grundlagen einer tragfähigen Freundschaft gelegt werden konnten. David Ben Gurion hatte die öffentliche Meinung in Israel gegen sich. Zwei Regierungskrisen nahm er wegen seiner Deutschlandpolitik in Kauf, stellte sogar sein Amt als Ministerpräsident zur Verfügung.

Auch in Deutschland war die Ratifizierung des Abkommens mit Israel im März 1953 durch den Deutschen Bundestag innenpolitisch höchst umstritten und außenpolitisch brachte die proisraelische Haltung Deutschlands Adenauer in nicht unbeträchtliche Schwierigkeiten. Stets drohte die Anerkennung der DDR durch die arabischen Staaten und damit die Gefahr, hierdurch die Teilung Deutschlands international noch weiter zu vertiefen.

Als Ben Gurion und Adenauer sich am 14. März 1960 im New Yorker Waldorf Astoria Hotel trafen, taten sie das in dem Bewusstsein - gegen große Widerstände - an einem notwendigen Neuanfang mitzuwirken. Bei ihrem New Yorker Treffen sprach Ben Gurion sein Gegenüber als den Vertreter eines „großen Volkes” an, der den Mut gehabt habe, „sich zu einer moralischen Verantwortung für das zu bekennen, was dem jüdischen Volk von den Nationalsozialisten angetan worden” sei. Die von den Deutschen angebotene „Wiedergutmachung” empfand er als ein eindeutiges Bekenntnis zu Schuld und Verantwortung.

Adenauer und Ben Gurion haben die Grundlagen dafür gelegt, was man heute im Positiven die „besondere Beziehungen” zwischen Deutschland und Israel nennt: Wir Deutschen tragen eine Mitverantwortung für den Staat Israel. Wo sein Existenzrecht und die Sicherheit seiner Bevölkerung bedroht sind, wo das Recht, in sicheren Grenzen zu leben, gefährdet ist, darf es für uns Deutsche keine Neutralität geben. Doch je länger der Holocaust zurückliegt und je weniger Zeitzeugen unter uns leben, umso dringlicher bleibt es, der jungen Generation das Bewusstsein für die besondere geschichtliche Verantwortung zu vermitteln.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, die sich dem Versöhnungswerk ihres Namensgebers besonders verpflichtet fühlt, arbeitet mit daran, dass das Verantwortungsbewusstsein für Israel wach bleibt und dass die deutsch-israelischen Beziehungen durch die Begegnung der Menschen lebendig bleiben.

Dem dient vor allem auch unsere Arbeit in Israel, wo wir seit 28 Jahren tätig sind. Wir tragen zu friedensstiftenden und vertrauensbildenden Maßnahmen bei, begleiten israelisch-palästinensische Gemeinschaftsprojekte und arbeiten für die weitere Verbesserung der Beziehungen zwischen Deutschland und Israel und für die Intensivierung der Beziehungen Israels zur Europäischen Union.

Der Dialog mit der jüdischen Welt ist fester Bestandteil unserer Arbeit, mit dem wir in vielen Ländern durch interreligiösen Dialog zur Verständigung beitragen. Und auch mit unserer Arbeit in Deutschland arbeiten wir daran, die deutsch-israelischen Beziehungen weiter zu entwickeln. So bringen wir mit unserer politischen Bildungsarbeit ´ den Menschen Israel nahe und arbeiten daran, dass Antisemitismus in Deutschland keine Chance mehr hat.

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