Hans Katzer (1919-1996)

Zum 90. Geburtstag eines der profiliertesten Sozialpolitiker der Union

Nach der Bundestagswahl 1969 schied Katzer aus dem Ministeramt, behielt aber durch den stellvertretenden Parteivorsitz und den stellvertretenden Fraktionsvorsitz seine politische Bedeutung. 1972 und 1976 gehörte er zu den Schattenkabinetten von Barzel und Kohl, obwohl er auf dem Hamburger Parteitag 1973 eine schmerzliche Niederlage hatte erleiden müssen: Das von ihm entwickelten „Katzer-Modell“ sah bei der Mitbestimmung ein Gleichgewicht der Faktoren Kapital und Arbeit vor, der Vorschlag des Bundesvorstands, der bei Stimmengleichheit den Anteilseignern die Entscheidungsstimme gab, setzte sich jedoch durch. Außenpolitisch gehörte er zu der Minderheit innerhalb der Fraktion, die die Ostverträge befürwortete, wenngleich er sich aus taktischen Rücksichten im Bundestag der Stimme enthielt.

In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre begann Katzer die letzte Phase seiner politischen Laufbahn. 1977 gab er, nicht ohne Drängen der nachrückenden Generation, den Vorsitz der Sozialausschüsse auf. Der Gewerkschaftsarbeit blieb er allerdings erhalten, da er im selben Jahr maßgeblich an der Gründung der Europäischen Union Christlich-Demokratischer Arbeitnehmer beteiligt war, deren erster Präsident er auch wurde. 1979 zog Katzer noch für eine Legislaturperiode in das erste direkt gewählte Europäische Parlament ein. Aufgrund seines politischen Gewichts nahm er dort noch von 1979 bis 1982 die Funktion eines Vizepräsidenten war.

Die Wiedervereinigung stellte für ihn als Schwiegersohn Jakob Kaisers die Erfüllung eines Lebenstraums dar. Als Vorsitzender (bis 1994) der von ihm schon 1962 gegründeten Jakob-Kaiser-Stiftung veranlasste er die Errichtung von Tagungshäusern in Weimar und später in Brandenburg. Besonders Weimar schien ihm sowohl wegen der Haft seiner Frau – Elisabeth Katzer war als Tochter Jakob Kaisers als „Sippenhäftling“ nach Buchenwald verschleppt worden – und wegen der Symbolkraft als Ort, an dem sich von der Weimarer Klassik bis zum KZ die gesamte Bandbreite menschlichen Handelns zeigte, besonders geeignet.

In den fast vierzig Jahren seiner aktiven politischen Laufbahn erfuhr Hans Katzer zahlreiche Ehrungen. Das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland mit Stern, das ihm 1969 verliehen wurde, war wohl ebenso wie 1973 die höchste Stufe mit Schulterband in erster Linie als die Ehrung des erfolgreichen Bundespolitikers und Arbeitsministers zu sehen. Mit der Wahl zum Ehrenvorsitzenden der Sozialausschüsse 1977 wurde seine Arbeit für den Arbeitnehmerflügel in der Union gewürdigt, und der ihm 1987 vom DGB verliehene Hans-Böckler-Preis dürfte ihm eine besondere Genugtuung gewesen sein, stellte er doch quasi eine Wiedergutmachung für den Ausschlussantrag 1972 dar. Dass man Katzer freilich nicht allein auf seine gewerkschaftliche Arbeit reduzieren durfte, machte noch einmal die Verleihung des Ludger-Westrick-Preises 1988 deutlich: Der Kölner war eben immer auch ein Verfechter der Sozialpartnerschaft im Rahmen der Sozialen Marktwirtschaft.

Am 18. Juli 1996 verstarb Hans Katzer in Köln.

Stefan Marx / Wolfgang Tischner

Dokumente zum Leben von Hans Katzer:

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