Seiters, Rudolf

Jurist, Bundesminister, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Dr. rer. pol. h. c., * 13.10.1937 Osnabrück, römisch-katholisch

Rudolf Seiters wird 1937 in Osnabrück geboren. Nach seinem Abitur am Gymnasium Carolinum in Osnabrück 1959 studiert er Rechts- und Staatswissenschaften in Münster. 1974 heiratet er Brigitte Kolata. Das Ehepaar hat drei Töchter.

Studienzeit und Ausbildung

1963 legt er sein erstes, 1967 sein zweites juristisches Staatsexamen erfolgreich ab. Drei Jahre lang, von 1967 bis 1969, ist er als Assessor im Wirtschafts- und Wohnungsbaudezernat im Regierungspräsidium Osnabrück tätig. Schon als Student engagiert er sich in der Jungen Union (JU), in die er 1958 eintritt. Er ist zudem Mitbegründer der JU in Bohmte und wird Bezirksvorsitzender der JU-Osnabrück-Emsland. Als Vorsitzender im LV Hannover 1965 bis 1968 fasst er die zersplitterten JU-Verbände zusammen und führt sie bis 1970 als Vorsitzender den neu gegründeten LV JU-Niedersachsen.

Ebenso engagiert er sich bei den Jungen Europäischen Föderalisten und seit 1959 im Unitas-Verband, in der Verbindungen W.K.St.V. Unitas-Winfridia zu Münster und W.K.St.V. Unitas Rhenania zu Bonn.

Politischer Aufstieg

1969 wird er zum ersten Mal in den Deutschen Bundestag gewählt. Bis er 2002 als dienstältester Abgeordneter wieder aus dem Parlament ausscheidet, wird ihm dieses unmittelbare Wählervertrauen noch acht weitere Male ausgesprochen werden. 1969, 1972 und 1976 als Kandidat für den Wahlkreis Emsland und danach bis zu seinem Ausscheiden für den Wahlkreis Unterems.

In der CDU/CSU-Bundestagsfraktion macht er Karriere. Er arbeitet im Finanz- und Haushaltsausschuss mit. Anfangs gilt er als Gefolgsmann des Unions-Fraktionsvorsitzenden Rainer Barzel. Als dessen innerparteilicher Konkurrent Helmut Kohl 1973 Parteichef wird, muss Seiters den CDU-Bundesvorstand nach nur kurzer Zugehörigkeit wieder verlassen. Als Kohl 1976 auch den Fraktionsvorsitz im Deutschen Bundestag übernimmt, verliert Seiters ebenfalls den Posten des Parlamentarischen Geschäftsführers. Seine ehrenamtliche Organisation des Landtagswahlkampfes 1978 in Niedersachsen, an dessen Ende die CDU unter Ministerpräsident Ernst Albrecht die absolute Mehrheit erringen kann, lässt Kohl dann aber auf den arbeitsamen Seiters aufmerksam werden. 1982 wird Seiters erneut Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, und die Landesgruppe der niedersächsischen CDU-Abgeordneten wählt ihn zu ihrem Vorsitzenden. Nach Wolfgang Schäubles Wechsel ins Kanzleramt 1984 wird er dann 1. Parlamentarischer Geschäftsführer.

Chef des Kanzleramtes und Bundesinnenminister

1989 beruft ihn Helmut Kohl zum Chef des Bundeskanzleramtes im Rang eines Ministers für besondere Aufgaben. Der stets loyal agierende Seiters wird damit zu einem der engsten Vertrauten des Bundeskanzlers. 1989 ist er maßgeblich an der Aushandlung der Ausreisemöglichkeit der Prager Botschaftsflüchtlinge beteiligt. Auch sein vielfältiges Mitwirken an den Staatsverträgen zur Deutschen Einheit vollzieht sich weniger im Rampenlicht als vielmehr hinter den Kulissen. 1991 folgt er Wolfgang Schäuble als Bundesinnenminister nach. Er lässt neonazistische Vereinigungen verbieten und befürwortet den sogenannten „Großen Lauschangriff“ als Maßnahme zur Bekämpfung der „Wurzeln von Kriminalität.“ Bei der Aushandlung des Asylkompromisses verhält sich Seiters jedoch eher zurückhaltend. Zur Abwehr des illegalen Grenzübertritts im Zuge der stetig wachsenden EU befürwortet er die Überwachung mit Radar und Infrarot. Er fordert eine personelle Stärkung der Polizei sowie die Verschärfung der Gesetze zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität.

Als am 27. Juni 1993 bei einem Polizeieinsatz auf dem Bahnhof im mecklenburgischen Bad Kleinen der gesuchte RAF-Terrorist Wolfgang Grams und der GSG-9-Beamte Michael Newrzella ums Leben kommen, übernimmt der geradlinige Seiters die inzwischen selten gewordene politische Verantwortung und tritt gegen den Wunsch Kohls von seinem Amt als Innenminister zurück. Ein Schritt, der auch den politischen Gegnern Respekt abverlangt.

Abgeordneter und Vizepräsident des Deutschen Bundestages

Nun widmet er sich wieder verstärkt der Arbeit im Wahlkreis und im Präsidium der CDU. Die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag wählt ihn 1994 mit den meisten Stimmen zum Stellverterter von Wolfgang Schäuble. In der Fraktion übernimmt er die Bereiche Außen- und Sicherheitspolitik und Europa. Im Bosnien-Konflikt plädiert er für die Entsendung deutscher Tornado-Kampfflugzeuge zum Schutz der UNO-Blauhelme. Die Ost-Erweiterung der NATO unterstützt er ebenso wie die Einbindung Russlands in ein gesamteuropäisches Sicherheitssystem.

In seiner letzten Wahlperiode im Deutschen Bundestag von 1998 bis 2002 wird Seiters zum Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages gewählt. Im Oktober 2000 teilt er zur Hälfte der Legislaturperiode seiner Partei mit, dass er für die nächste Bundestagswahl im Jahre 2002 nicht mehr kandidieren werde.

Seit 2003 ist Rudolf Seiters Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. In dieser Funktion zeichnet er für die strategische Ausrichtung der Organisation verantwortlich. Er kann die höchsten Spendenzahlen in der Geschichte dieser Organisation verbuchen.

Markus Lingen

Auszeichnungen und Ehrungen

  • 1984 Großes Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
  • 1995 Großes Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland mit Stern
  • 2000 Ehrendoktorürde der Universität der Bundeswehr
  • 2002 Silberne Verdienstmedaille der Päsptlichen Universität „Salesiana“

Mitgliedschaften

  • Mitglied der Konrad-Adenauer-Stiftung
  • Vorsitzender der Willi-Daume-Stiftung
  • Vorsitzender des Kuratoriums der Sepp-Herberger-Stiftung

Schriften von Rudolf Seiters

  • Die Aufgaben europäischer Politik in den neunziger Jahren (Kirche und Gesellschaft, Nr. 187), Köln 1992.
  • Die Illusion von einer neuen Weltordnung . Unsicherheit als konstante politische Rahmenbedingung, Sachsenheim 1995.
  • In der Spur bleiben. Politische Wegmarken zu Rechtsstaat und Demokratie, Europa und Weltfrieden, bürgerliche Verantwortung und Solidarität München 2005.

Literatur

  • Antonius John: Rudolf Seiters. Einsichten in Amt, Person und Ereignisse (1991).
  • R. Kabel, in: Udo Kempf / Hans-Georg Merz (Hrsg.), Kanzler und Minister 1949–1998. *Biografisches Lexikon der deutschen Bundesregierungen, Wiesbaden 2001.

Kontakt

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