Wacker, Theodor

Geistlicher, Zentrumspolitiker, *5.11.1845 Bohlsbach/Offenburg, † 09.11.1921 Freiburg/Breisgau, römisch-katholisch

1865–1868 Theologiestudium in Freiburg; 1870–1883 Kooperator, dann Benefiziat an der Münsterpfarrei Freiburg; 1883–1921 Pfarrer in Freiburg-Zähringen; 1879–1886 und 1891–1903 MdL Baden, seit 1891 Vorsitzender der Zentrumsfraktion; 1888–1921 Vorsitzender des Badischen Zentrums.

Seit 1888 lenkte Wacker an der Spitze der nunmehr Zentrum genannten Partei rund drei Jahrzehnte unbestritten den „ultramontanen“ politischen Kurs des Katholizismus im Großherzogtum. Seine Hauptanliegen waren die Beseitigung der sozialen Benachteiligung der katholischen Bevölkerungsmehrheit, die Abwehr der schul- und kirchenpolitischen Bestrebungen des Regierung und Parlament dominierenden Nationalliberalismus sowie die Korrektur des Wahlsystems. Um dieser Ziele willen forcierte Wacker den Ausbau der Parteiorganisation und entwickelte die Parteipresse zu einem wirkungsvollen Informations- und Propagandainstrument, wobei er selbst mit unzähligen Zeitungsartikeln und Broschüren die hauptsächliche journalistische Tätigkeit verrichtete. Erfolge blieben nicht aus, zumal Wacker mit harten politischen Bandagen kämpfte. Oberste Maxime für ihn war die entschiedene Vertretung der Forderungen und Interessen der katholischen Kirche und des „gläubigen Volkes“. Den Lebensweg dieses persönlich autoritären Politikers prägten wesentlich Konflikte mit Autoritäten und Hierarchien seiner Zeit, mit der Karlsruher Staatsführung und der römischen Kurie, die im Juni 1914 sogar die Druckfassung einer seiner Reden indizierte. Diese Auseinandersetzungen stellten für den badischen Parteiführer schwere Belastungen dar; in ihrer Zielrichtung offenbarte sich in ihnen aber auch die Modernität seiner politischen Methoden und Vorstellungen.

Literatur

H. Bender/F. Sepaintner, in: Badische Biographien, 2 (1987); H. Ott, in: Freiburger Diözesan-Archiv 116 (1996); K.-J. Rivinius, in: Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften 24 (1983).

Hans-Georg Merz