Werner Pünder: Der Mann, der Hitler verklagte

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Porträtfoto Werner Pünder

Anfang 2014 konnte das Archiv für Christlich-Demokratische Politik wertvolle Dokumente zu Werner Pünder (1885-1973) übernehmen. Der Jurist geriet ins Visier zweier totalitärer Systeme und wurde 1935 vom NS-Regime, 1946 von der sowjetischen Besatzungsmacht inhaftiert.

Ungewöhnlich großen Mut bewies Pünder, als er nach der Ermordung Erich Klauseners 1934 im Auftrag von dessen Witwe das Deutsche Reich vertreten durch Adolf Hitler auf Schadensersatz verklagte. Die Gestapo nahm ihn daraufhin in Haft, aus der er nach vier Wochen nur auf Betreiben einflußreicher Kreise im In- und Ausland entlassen wurde. Während des Zweiten Weltkriegs diente Pünder als Offizier im Oberkommando der Wehrmacht (OKW). Von den US-Behörden 1946 in Bayern festgenommen, wurde er an die sowjetischen Behörden überstellt und 1947 wegen seiner Zugehörigkeit zum OKW zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt. Pünder saß in Sachsenhausen, Potsdam, Bautzen und Halle ein, teilweise in Einzelhaft. Während seiner Haftjahre führte er ein detailliertes Tagebuch, welches mehrere hundert Seiten umfasst und nun von Pünders Nachkommen an das ACDP übergeben wurde. Die jahrelangen Bemühungen seiner Familie, mit Gnadengesuchen und Leumundserklärungen prominenter Unterstützer seine Freilassung zu erwirken, sind durch umfangreiche Korrespondenz dokumentiert. 1953 wurde Pünder schließlich in die Bundesrepublik entlassen, wo er von den US-Behörden vergeblich Entschädigung wegen seiner Auslieferung an die Sowjets beanspruchte.

Die übernommenen Unterlagen zu Werner Pünder stellen eine wertvolle Bereicherung der Archivbestände dar und richten den Fokus auf einen Mann, der sich mutig gegen staatliches Unrecht stellte. Seit 1987 vergibt die Universität Frankfurt am Main regelmäßig einen nach Pünder benannten Preis für wissenschaftliche Arbeiten über Freiheit und Totalitarismus.

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