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Langzeittrends und Europavergleich: Arbeitslosigkeit, Wirtschaftswachstum, Staatsschulden

In drei heute vorgestellten Studien legte die Konrad-Adenauer-Stiftung eine Analyse von wirtschaftlichen Langzeittrends im Europavergleich vor. Die Studien widmen sich den Themen:

- Die Verschuldung des Bundes 1962-2001

- Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung im EU-Vergleich 1962 – 2001

- Die Entwicklung des Arbeitsmarktes 1962 – 2001.

Die Studien können bei der Konrad-Adenauer-Stiftung angefordert werden. Die wesentlichsten Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

1.) Der deutsche Arbeitsmarkt ist aus dem Gleichgewicht geraten

Die Arbeitslosigkeit ist seit 1962 von knapp 155.000 auf 3.85 Mio. Personen angestiegen. Dabei hat die Arbeitslosigkeit über alle Konjunkturzyklen hinweg unaufhaltsam zugenommen. Die Sockelarbeitslosigkeit ist immer mehr gestiegen, d. h. die Arbeitslosenquote erreichte nach einem Abschwung nie wieder das Vor-Rezessionsniveau. Außerdem ist der Anteil der Personen, der ein Jahr und länger arbeitslos war, deutlich gestiegen. Er betrug 1971 nur 5,3 Prozent, seitdem ist er stetig auf 33,5 Prozent gestiegen. Lediglich die Entwicklung der 80er Jahre zeigt, dass der deutsche Arbeitsmarkt durchaus in der Lage ist, Arbeitsplätze in größerer Zahl zu schaffen, wenn die wirtschaftspolitischen und konjunkturellen Rahmenbedingungen stimmen.

Die Arbeitslosenquote Deutschlands lag im übrigen zwischen 1962 und 2000 konstant besser als der EU-Durchschnitt – in 90er Jahren sogar trotz der von der früheren DDR übernommenen Arbeitslosigkeit. Inzwischen haben die anderen EU-Staaten bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit stark aufgeholt, Deutschland ist zurückgefallen: 2001 lag die deutsche Arbeitslosenquote erstmals seit Beginn des statistisch erfassten EU-Vergleichs Mitte der 60er Jahre schlechter als der EU-Durchschnitt.

2.) Wirtschaftswachstum: Vom Wachstumsmotor zum Schlusslicht in Europa

Deutschland wuchs Mitte und Ende der 60er Jahre wesentlich dynamischer als die anderen EU-Staaten, war aber als bedeutende Exportnation stärker von der Rezession 1966/67 betroffen. Die durchschnittlichen Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes fielen im Zeitraum 1970 bis 1982 in Deutschland auf 2,4 Prozent unter das europäische Niveau (Europa: 2,8 Prozent). Zwischen 1984 und 1990 entwickelten sich die Bundesrepublik Deutschland und die europäischen Volkswirtschaften insgesamt wieder günstiger. Im Zeitraum 1990 bis 1998 wuchs das wiedervereinigte Deutschland (2,2 Prozent) stärker als die anderen 15 Staaten der EU (2,0 Prozent). 1999 bis 2001 stieg das deutsche Bruttoinlandsprodukt nur noch um durchschnittlich 1,8 Prozent, das übrige EU-Europa um 2,5 Prozent. Seit 2001 ist Deutschland mit einer Wachstumsrate von real nur 0,6 Prozent das wirtschaftliche Schlusslicht der EU (2,0 Prozent).

3.) Schuldenstand: Vom Klassenbesten zum blauen Brief

Deutschland hatte in den 80er und 90er Jahren stets deutlich weniger Staatsschulden (zwischen 13 und 18 Prozent) als die EU-Staaten insgesamt. Seit 1996 ist die Verschuldungsquote der 15 EU-Staaten um knapp 10 Prozent gefallen – hier zeigt sich die Wirkung der EURO-Stabilitätskriterien -, während sie in Deutschland geringfügig gestiegen ist. 2001 wies Deutschland nunmehr mit -2,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes das höchste gesamtstaatliche Defizit in der EU auf. Im Durchschnitt der 15 EU-Staaten lag das Defizit bei -0,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in 2001.

4.) Wir leiden heute noch unter den Schulden der 70er Jahre

Ausgehend von 30 Mrd. DM im Jahre 1962 hat sich im Laufe der Jahre bis 2001 ein Schuldenberg im Bundeshaushalt (einschließlich Sondervermögen) von 1.480 Mrd. DM aufgebaut. Der Zuwachs der Verschuldung war allerdings in verschiedenen Zeiträumen sehr unterschiedlich. Der Schuldenanstieg von 21 Prozent in den 70er Jahren wurde seitdem nicht mehr übertroffen, selbst nicht den Jahren 1990-1995 bei Übernahme der Schuldenlast der DDR (Anstieg: 17,3 Prozent)

In den Jahren 1996 bis 1998 lag die jahresdurchschnittliche Zuwachsrate des Schuldenstands nur noch bei 4,2 Prozent und damit noch niedriger als in den 80er Jahren (jahresdurchschnittlicher Anstieg: +6,8 Prozent). In den Jahren 2000 und 2001 wurden zwar dank der Erlöse aus den UMTS-Lizenzen Schulden im Umfang von knapp 100 Mrd. DM getilgt. Dennoch lang der Schuldenstand Ende 2001 um etwa 26 Mrd. DM bzw. 1,8 Prozent höher als Ende 1998.

5.) Ausgabenzuwachs als Verschuldungsursache

Die jährlichen Ausgaben des Bundes stiegen insgesamt von 50 Mrd. DM (1962) auf 476 Mrd. DM (2001). Der stärkste Ausgabenanstieg ist mit 8,8 Prozent im Jahresdurchschnitt der Jahre 1970 bis 1982 zu verzeichnen. In den 80er Jahren belegt der jahresdurchschnittliche Anstieg von nur 2,5 Prozent die Ernsthaftigkeit der Konsolidierungsanstrengungen. Selbst nach der Vereinigung stiegen die Ausgaben nur 1990 mit +5,5 Prozent weit unter dem Durchschnitt der 70er Jahre. In den Jahren 1995 bis 1997 fand erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine Ausgabenreduzierung (jahresdurchschnittlich -2,1 Prozent) statt. Im Jahresdurchschnitt stiegen die Ausgaben von 1999 bis 2001 um 1,4 Prozent.

-Arbeitspapiere Nr. 77, 78, 82-

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