Engels, Wolfram

geb. am 15.08.1933, gest. am 30.04.1995

Parlamentarischer RatWestbindungSoziale MarktwirtschaftBilaterale BeziehungenEuropapolitikWiedervereinigung

Engels gehört zu den Wirtschaftswissenschaftlern, die in ihrer Forschung, Lehre und in der publizistischen Arbeit die Bedeutung marktwirtschaftlicher Grundsätze immer betonten und offen vertreten haben. Er gehörte zu den wenigen Ökonomen, die die Einheit von Volks- und Betriebswirtschaftslehre erlernt hatten und durch ihr breites Wissen immer wieder demonstrierten. Dieser Umstand erhöhte seine Glaubwürdigkeit, als er in der 68er-Revolte gerade an der Frankfurter Universität sich mit Zivilcourage und Sachargumenten gegen die marxistischen Wortführer der Studentenunruhen stellte und den Grundsatz der individuellen Freiheit und die Vorteile der Marktwirtschaft gegenüber allen Spielarten kollektiver oder staatlicher Wirtschaftslenkung begründete.

Diese Phase ließ Engels endgültig zu einem politischen Ökonomen im Sinne des Liberalismus werden. Sein Anliegen wurde es, die Soziale Marktwirtschaft gegen echte Feinde und falsche Freunde zu verteidigen und weiterzuentwickeln. Schriften wie die zur „Staatsbürgersteuer“ 1973 (zusammen mit J. Mitschke), mit der Personalsteuern und persönliche Sozialtransfers integriert werden sollten, Arbeiten zur Vermögensbildung (1974), zum Arbeitsmarkt und zur Mitbestimmung (1974 und 1978) sowie direkt zur Sozialen Marktwirtschaft (u. a. Mehr Markt: Soziale Marktwirtschaft als politische Ökonomie, 1976; Dreißig Jahre Soziale Marktwirtschaft, erlebt, aber unverstanden, 1979) oder zur Wirtschafts- und Sozialpolitik (Eine konstruktive Kritik des Wohlfahrtsstaates, 1979; Die Wende: Eine Bestandsaufnahme der deutschen Wirtschaftspolitik, 1984) zeugen von dieser selbstgewählten Aufgabenstellung. Daneben vergaß Engels nicht seinen zweiten wissenschaftlichen Pfeiler – Banken, Geld- und Finanzmärkte –, die er kreativ und kritisch analysierte und mit Vorschlägen versorgte, wie Markt und Wettbewerb gefördert werden könnten. Als Herausgeber der Wirtschaftswoche nutzte er ihre Verbreitung, seine ordnungspolitische Innovationskompetenz sprachgewaltig einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Wissenschaftlicher und beruflicher Werdegang:

1953-1955 Kaufm. Lehre in Bremen; 1955-1961 Studium; 1961-1964 Verkaufsleiter in der Textilindustrie, Promotion 1962, 1964-1968 wissenschaftlicher Assistent; Habilitation 1968 bei W. Stützel; 1968-1995 Professor an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/ M.; 1984-1987 Herausgeber der Wirtschaftswoche; Auszeichnungen: u. a. Ludwig Erhard-Preis.

Literaturhinweise:

  • ENGELS, W. (1970), Soziale Marktwirtschaft als Politische Ökonomie, Stuttgart;
  • DERS. (1996), Der Kapitalismus und seine Krisen. Über Papiergeld und das Elend der Finanzmärkte, Düsseldorf.
Rolf H. Hasse

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