Vortrag

Moses Sachs – ein jüdischer Pionier aus Thüringen

Nordhäuser Gespräch
Im Rahmen der Jüdisch-Israelischen Kulturtage in Thüringen

Details

„Es kam ein Mann daher geschritten in vollem wohlkleidenden orientalischen Costüm. ... Dieser Mann gefiel mir außerordentlich. … So hatte ich mir immer die Persönlichkeit des Heilandes in seiner menschlichen Hülle gedacht.

Sonderbar – Niemand sprach ihn an – die guten Kleinstädter fürchteten wohl, er möge sie mit dem Hauch des Islam anblasen, und ihr gutes Christenthum in Gefahr kommen? Oder wußten sie schon – daß er ein Jude war? Ein d e u t s c h e r Jude?“

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Bildnis von Moses Sachs

aus dem privaten Familienbesitz

von H. Sarasohn

Ludwig Bechstein verewigte in seiner Volkserzählung „Ein dunkles Loos“ (1850) mit diesen Worten den um 1800 in Dreißigacker geborenen Moses Sachs. Dieser gilt als erster deutscher jüdischer Einwanderer seiner Zeit nach Palästina. Neben Bechstein setzte u.a. Fürst Hermann von Pückler-Muskau Sachs ein literarisches Denkmal. In seiner Reiseschilderung berichtet er über eine Begegnung mit dem orthodoxen Sachs in Afrika. Dieser habe feurigen Eifer und eben so viel Toleranz gezeigt.

In dem literarisch-geschichtlichen Vortrag werden auch eigene Berichte von Moses Sachs über die Zustände in Palästina zu Gehör gebracht, die er für jüdische Zeitungen in Deutschland verfasste. Er setzte sich für die Schaffung von landwirtschaftlichen jüdischen Siedlungen und eine bessere Bildung in Palästina ein. Dazu bereiste Sachs Europa und kam 1837 zurück in seine Heimat. Nicht überall war er willkommen, wie er unliebsam erfahren musste. Unterstützung für seine Aktion fand er bei den berühmten Rabbinern Moses Sofer aus Pressburg und Wolf Hamburg aus Fürth. Als Sachs 1839 wieder in Jerusalem eintraf, lebten dort etwa 12.000 Menschen, davon 2/3 Moslems, etwa 2500 Juden und 1500 Christen. Sachs wurde Vorsteher der deutsch-holländischen Gemeinde in Jerusalem. Ihm eilte der Ruf voraus, „exaltiert“ zu sein.

Auf einer weiteren großen Reise sammelte er Spenden zum Bau von Armen- und Pilgerwohnungen nahe dem Tempelberg. Im Juli 1870 verstarb Moses Sachs in Jerusalem. Über ein Jahrzehnt später setzte die erste jüdische Einwanderungswelle nach Palästina ein. Zahlreiche landwirtschaftliche Siedlungen enstanden. Moses Sachs frühe Ideen wurden Wirklichkeit.

Der Vortrag vermittelt einen Eindruck vom Verhältnis der deutschen Juden zum Heiligen Land und den dortigen schwierigen Lebensbedingungen im 19. Jahrhundert. Verknüpft wird dies mit der Lebensgeschichte einer außergewöhnlichen jüdischen Persönlichkeit aus Thüringen.

19.00 Uhr Begrüßung

Helmut Kranz

Bildungswerk Erfurt der Konrad-Adenauer-Stiftung

19.10 Uhr Vortrag und Gespräch

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Christoph Gann

Richter am Landgericht Meiningen

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Moderation:

Dr. Klaus Zeh, MdL

EINTRITT FREI! Um Anmeldung per E-Mail, Fax oder Telefon wird gebeten. Gern können Sie den Anmeldebogen nutzen.

CHRISTOPH GANN, Autor von „Raoul Wallenberg. So viele Menschen retten wie möglich“ (C.H. Beck Verlag, dtv), lebt in Meiningen. Mit seiner Ausstellung „Meiningens Stiefkinder. Die Geschichte der Meininger Juden“, die 2008 erstmals in den Meininger Museen, Literaturmuseum Baumbachhaus gezeigt wurde, entriss er Moses Sachs der Vergessenheit. Weitere Wanderausstellungen von Gann befassen sich mit Raoul Wallenberg („Lichter in der Finsternis. Raoul Wallenberg und die Rettung der Budapester Juden 1944/45“, seit 1994 in Deutschland, Österreich und Ungarn gezeigt) und dem in der NS-Zeit verfemten Komponisten Günter Raphael („Musik. Sie heilt die Wunden.“, 2010/2011 Meininger Museen, Mai 2011 Saalfeld).

Gann ist Richter am Landgericht in Meiningen und Präses der Kreissynode des evangelischen Kirchenkreises Meiningen.

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Veranstaltungsort

Kreissparkasse Nordhausen
Kornmarkt 9,
Deutschland
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Referenten

Christoph Gann
Dr. Klaus Zeh
MdL
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Maja Eib

Maja Eib bild

Landesbeauftragte für Thüringen und Leiterin des Politischen Bildungsforums Thüringen

Maja.Eib@kas.de +49 361 65491-0 +49 361 65491-11
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