Veranstaltungsberichte

„Es braucht neue Gesetze für die Lebensrealitäten von heute“

von Magdalena Jetschgo-Morcillo
Frühstücksgespräch
Im Rahmen ihrer Teilnahme an der UN-Frauenkonferenz der ''Commission on the Status of Women'', die vom 13.-24. März in New York stattfindet, besuchte MdB Ursula Groden-Kranich auch das neue KAS-Büro vor Ort. Bei einem Frühstücksgespräch, das von der KAS New York gemeinsam mit dem ''American Council on Germany'' (ACG) organisiert wurde, berichtete sie über Bemühungen in Sachen Geschlechtergerechtigkeit auf internationaler Ebene wie auch in Deutschland und erklärte, warum es noch immer notwendig sei, sich für dieses Anliegen einzusetzen.
In Deutschland beträgt der Einkommensunterschied zwischen Männer und Frauen 21%. Bereinigt man diesen um die Tatsache, dass viele Frauen Teilzeit arbeiten, in einkommensschwächeren Berufen vertreten sind oder weniger oft in Führungspositionen aufsteigen, liegen die Einkommen der beiden Geschlechter immer noch um 7% auseinander.

Mangelnde Transparenz hinsichtlich der Gehälter ist einer der Gründe, dass dieser Einkommensunterschied immer noch besteht. Genau hier setzt das neue Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen, das am 11. Januar 2017 vom Bundeskabinett verabschiedet wurde, an. Nach Inkrafttreten dieses Gesetzes (voraussichtlich am 1. Juni 2017) können sich Arbeitnehmer in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten beispielsweise nach dem durchschnittlichen Gehalt in gleichen Positionen erkundigen.

MdB Groden-Kranich berichtete von den schwierigen Verhandlungen rund um dieses Gesetz: „Diese Debatten werden bei weitem nicht nur in Deutschland geführt“, berichtete Groden-Kranich über ihre Einblicke auf europäischer wie auch – vor allem im Zuge der UNO-Frauenkonferenz – auf internationaler Ebene. Gleichzeitig seien die Unterschiede im Bereich Frauen-, Familien- und Wirtschaftspolitik zwischen den UNO-Mitgliedsstaaten so groß, dass es eine große Herausforderung sei, überhaupt gemeinsame Beschlüsse zu verabschieden.

„Viele unserer heutigen Gesetze passen schlicht und einfach nicht mehr zu unseren Lebensrealitäten“, meinte die Abgeordnete, und verwies dabei auf starre Rahmenbedingungen hinsichtlich flexibler Arbeitszeiten, Kinderbetreuung oder Pensionsansprüchen. Junge Frauen fühlen sich heutzutage vielerorts von der Doppelbelastung Familie und Beruf überfordert. Gleichzeitig hätten aber viele auch das Gefühl, in Sachen Gleichberechtigung sei ohnehin bereits alles erreicht. „Wichtig ist vor allem – nach wie vor – ein Umdenken in der Gesellschaft. Gesetze können das immer nur anstoßen und begleiten“, schloss die Politikerin ihre Ausführungen.

Da zum Zeitpunkt des Frühstückgesprächs in New York eine Schneesturmwarnung ausgegeben wurde, konnten viele Interessierte an der Veranstaltung leider nicht teilnehmen. Diejenigen, die den unwirtlichen Wetterbedingungen trotzten, konnten sich dafür umso intensiver mit Frau Groden-Kranich austauschen.

Über diese Reihe

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