Veranstaltungsberichte

"Feuchtgebiet des Kulturellen"

In Konstanz wird zum 31. Mal der Deutsche Lokaljournalistenpreis vergeben
Anlässlich der 31. Preisvergabe des Deutschen Lokaljournalistenpreises hat sich der Kultur- und Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Rüdiger Görner für eine Stärkung des Regionalen und Lokalen ausgesprochen.

In dem mit 450 geladenen Gästen bis auf den letzten Platz besetzten Konzil in Konstanz sagte er: „Der Lokaljournalismus ist das eigentliche Feuchtgebiet des Kulturellen.“ Er würde sich wünschen, dass mehr Zeitungen dem Beispiel des diesjährigen ersten Preisträgers, dem Südkurier, folgen und konsequent das globale und nationale Geschehen aus der lokalen Perspektive betrachteten. Die entscheidende Frage müsse laut Görner sein: „Wie sieht ein nationales oder globales Vorkommnis aus, wenn wir es vom jeweiligen Marktplatz her betrachten?“ Heute könne man sich zwar mittels GPS und Google Earth durch die Heimat navigieren, aber, so bemängelte Görner, „wir erkunden nicht mehr“. Doch gerade im Entdecken des scheinbar Bekannten liege die Chance des Lokalen.

Für Görner ist die Lokalzeitung deswegen das „sprechendste Forum“ der Heimat. Gerade dieser Heimataspekt komme in den großen Blättern oftmals zu kurz. Wenn es lokal werde, dann höchstens, wenn es sich um Naturkatastrophen oder „leicht schmunzelnd“ um „das Letzte“ auf der hintersten Seite drehe. Trotzdem, so Görner, gebe es Indizien dafür, dass es einen neuen Trend für mehr Tuchfühlung mit dem Kleinen vor Ort gebe.

Pöttering: Maßstäbe gesetzt

Der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Dr. Hans-Gert Pöttering, bezeichnete in seiner Begrüßung den Preis als einen der begehrtesten im deutschen Lokaljournalismus. Es sei eine weise Entscheidung der Jury um Dieter Golombek gewesen, in diesem Jahr den Südkurier auszuzeichnen. Das Blatt habe mit seinem Relaunch-Konzept Maßstäbe gesetzt. Dieses könne „Ansporn“ auch für andere Redaktionen sein, „neue Wege zu gehen und sich neu zu erfinden“, um Qualität im Journalismus zu steigern, so Pöttering.

Die Ausgezeichneten: Wer, warum, wofür?1.Preis: Südkurier

Relaunch-Konzept: „Die Redaktion demonstriert die Stärke einer aus dem Lokalen heraus begriffenen Zeitung. Sie macht Lust auf Heimat und erklärt die Welt: Ein Konzept, das Regionalzeitungen zukunftsfähig macht.“

2. Preis: Sächsische Zeitung

Krankenhausreport: „Das Projekt braucht einen langen Atem. Die Zeitung schafft Öffentlichkeit für ein Thema, das die Menschen sehr bewegt. Sie tut es konstruktiv und liefert Grundinformationen für die Region.“

Preis in der Kategorie Service: Berliner Morgenpost

Navigationshilfen durch die Hauptstadt: „Die täglich servierte Doppelseite lässt die Leser sich zurechtfinden, lässt sie mitreden, macht Stadtgespräch. „Berlin live“ ist vieles in einem, eines aber vor allem, ein rundes Konzept mit guten Ideen.“

Preis in der Kategorie Lokalsport: Westfälische Rundschau

Der andere Blick auf den Sport: „Die Sonderveröffentlichungen geben dem Sport ein neues Gesicht, setzen Themen fern ab der vielen schlechten Routinen, die lokale Sportberichterstattung oft ausmachen.“

Preis in der Kategorie Zeitgeschichte: Thüringer Allgemeine

Einsatz für den Leser: „Geschichte wird geschrieben nicht über, sondern mit den Menschen, die sie erlebt und im Gedächtnis behalten haben. Aus vielen Puzzleteilen formt sich ein Bild: Annäherungen an die Wahrheit der Wende.“

Preis in der Kategorie Zeitgeschichte: Oranienburger General-Anzeiger

„Die Autorinnen erzählen lokale Geschichten zu den Ereignissen, die die deutsche Geschichte 20 Jahre zuvor bestimmten. Sie schöpfen aus dem Fundus der Menschen vor Ort.“

Preis in der Kategorie Schule: Braunschweiger Zeitung

Bildungsinitiative: „Der Schultest bringt Leben in notwendige Debatten, schafft die Öffentlichkeit, die das Thema braucht. Die Serie tut den Schulen in der Region gut, der Bildungspolitik im Land ebenso.“

Preis in der Kategorie Investigativer Journalismus: Hamburger Abendblatt

Engagement: „Die Abschiebung scheint beschlossene Sache. Die Zeitung macht Druck und trägt mit ihren Reportagen dazu bei, dass die Musterabiturientin bleiben darf. Die Redaktion hilft einem Menschen und stößt eine notwendige Debatte an.“

Preis in der Kategorie Kommunalpolitik: Badische Zeitung

Crossmedialer Ansatz: „Die Zeitung agiert mit Konzept und nutzt alle medialen Möglichkeiten, um den Kandidaten mehr zu entlocken als wohlgesetzte Statements. Die Redaktion kombiniert geschickt die Vorteile von Print und Online.“

Preis in der Kategorie Wirtschaft: Neue Presse

Serie und Serienkonzept: „Die Redaktion ergreift die Initiative, präsentiert erfolgreiche Initiativen aus der regionalen Wirtschaft und nimmt die Leser mit auf 100 wohlorganisierte Entdeckungsreisen.“

Dank und Freude

Dr. Stefan von Holtzbrinck sprach von einem Festtag für seine Verlagsgruppe. Für ihn sei der Preis Lob und Ermutigung den Qualitätskurs des Südkuriers fortzusetzen. Er dankte zum einen der Konrad-Adenauer-Stiftung für den am meisten begehrten Preis im deutschen Lokaljournalismus und zum anderen der Redaktion des Südkuriers, die sich mutig weiterentwickelt habe, niemals stehengeblieben sei und alle Herausforderungen bestens bewältigt habe.

Der Geschäftsführer des Südkuriers, Rainer Wiesner, sagte in seinem Grußwort: „Wir sind momentan die beste Lokalzeitung Deutschlands.“ Auch er dankte der Konrad-Adenauer-Stiftung und den Lesern, die „uns zu immer neuen Höchstleistungen anspornen“.

Der überglückliche Chefredakteur des Südkuriers, Stefan Lutz, griff die Worte seines Chefs gerne auf, nachdem er den nach eigenen Worten „Meistertitel der schreibenden Zunft“ erhalten hatte. Er sagte: „Wir werden nicht nur für den Moment die beste Regionalzeitung sein.“ Auch er dankte der KAS für den mit Abstand wichtigsten Journalistenpreis des Landes, der wegen dieser Eigenschaft „Qualitätsjournalismus provoziere“.

Der Vorsitzende der Jury des Deutschen Lokaljournalistenpreises, Dr. Dieter Golombek, sprach von einem „hochverdienten Sieger“. Dem Südkurier sei es gelungen eine der wenigen Lücken zu besetzen, die den Lokalzeitungen geblieben ist. Die Redaktion bediene die Leser in ihrer Region und in ihrer Heimat so, dass diese erst gar nicht auf den Gedanken kommen würden, es gehe auch ohne Zeitung. Stattdessen propagiere sie strategisch durchdacht mit Liebe zum Detail Lust auf Heimat. Auf diese Weise, so Golombek, sei er sich sicher, dass „Lokalzeitungen eine Zukunft haben“.

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Über diese Reihe

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