Veranstaltungsberichte

„Frauen dienten vor allem als Arbeitskraft“

7. Hohenschönhausen-Forum untersucht die Rolle der Frau im Kommunismus

Noch heute, 25 Jahre nach dem Mauerfall geben sich immer noch einige der Illusion hin, dass es den Frauen in der DDR besser ergangen sei als in der Bundesrepublik. Dabei sah die Wirklichkeit entschieden anders aus. Dr. Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, sah in dem Bereich Aufklärungsbedarf. „Ein selbstbestimmtes Leben, bei dem die Frau darüber entschied, wie sie ihr Leben lebte, gab es de facto nicht“, sagte er auf dem 7. Hohenschönhausen-Forum in Berlin.

Zudem wisse man zu wenig von Frauen, die vom kommunistischen Regime verfolgt wurden. „Oftmals haben sehr junge Frauen nicht nur besonders unter dem Kommunismus gelitten, sondern sind ihm auch ungewöhnlich mutig entgegen getreten.“

Das diesjährige Forum, das wie immer in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Hohenschönhausen veranstaltet wurde, befasste sich mit der Rolle und dem Bild der Frau in Zeiten von Lenin bis Honecker. Unter dem Titel „Krippe, Küche, Kombinat – Frauen im Kommunismus“ beleuchteten Experten und Zeitzeugen den Alltag der „Ostfrauen“ und stellten herausragende Persönlichkeiten von Opposition und Widerstand vor.

Mythos Emanzipation

Der Mythos von der Emanzipation der Frau in der DDR galt nicht für das System der politischen Machtausübung. „Während sich die Mächtigen ihre Freiheiten nahmen, galten für die einfachen Frauen andere Maßstäbe“, erklärte Knabe. Frauen hätten vor allem als Arbeitskraft gedient. Friederike de Haas, sächsische Staatsministerin a.D. aus Dresden, stand unter großem Druck nach der Geburt ihres ersten Kindes 1976. Sie widersetzte sich dem Regime und seinen Vorgaben, dass sie schnellstmöglich wieder in den Beruf einzusteigen habe. Doch statt als Kinderkrankenschwester zu arbeiten, blieb sie bis zum vierten Kind Hausfrau. Auch vom Ehekredit in Höhe von 7.000 DDR-Mark konnten sie und ihr Mann nicht profitieren. Denn dieser wurde nur Paaren im Alter bis 26 Jahren gewährt. Sie passte als gläubige Christin nicht ins Allgemeinbild, Ressentiments machten ihr und ihrer Familie das Leben schwer. „Ich war eine Ostfrau, aber nicht DIE Ostfrau“, sagte sie und brachte ihre Einstellung gegenüber dem Regime auf den Punkt.

„Hausfrauen galten als Faulenzerinnen und Schmarotzer“, erklärte Dr. Nancy Aris, stellvertretende Sächsische Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen in Dresden. Denn das Konzept der Gleichberechtigung war ein ökonomisches. Kurz nach dem Krieg herrschte ein massiver Arbeitskräftemangel. Dies bedeutete, dass Frauen bis 1966 68 Stunden die Woche arbeiten mussten. 1967 änderte sich dies: Die 5-Tage-Woche mit 43 Dreiviertel Stunden wurde eingeführt. Doch laut einer Studie von 1965 blieb den Frauen lediglich 25 Stunden Freizeit pro Woche. Denn das Regime habe Angst vor der Freizeit gehabt, erläuterte sie. Die Funktionäre vertraten die Meinung, dass Frauen sonst zu exzessivem Kaufverhalten neigen würden. Doch die DDR war eine Mangelwirtschaft, so Prof. Dr. Klaus Schroeder, Leiter des Forscherverbunds SED-Staat an der FU Berlin. Die Einkaufswut hätte also nicht einfach befriedigt werden können.

Geschlechterverteilung bei Führungspositionen

Die Geschlechterverteilung in herausgehobenen Positionen war ebenfalls ungleich. Im inneren Machtzirkel gab es nur zwei bis drei Frauen, die Führungspositionen innehatten, erläuterte Schroeder. Für das Politbüro gab es Anfang der 1970er nur eine Handvoll Kandidatinnen – unter ihnen Ingeborg Lange. 1973 wurde sie Sekretärin des Zentralkomitees (ZK) der SED für Frauenfragen, sie blieb aber ohne Stimmrecht im ZK. Neben Margot Honecker war sie eine der wenigen Frauen in den obersten Machtgremien der DDR.

Rote Guillotine und zerstörte Seelen

Margot Honecker war ab Anfang der 1960er als Ministerin für Volksbildung verantwortlich für das Schulsystem in der DDR. Entgegen dem Widerstand der Kirchen und vieler Eltern führte sie Ende der 1970er den Wehrunterricht für Schüler der 9. und 10. Klassen ein. „Die Kinder wurden in Gruppen eingeteilt, die sich an der Gesinnung und des Status der Eltern orientierten“, erläuterte Elke Urban, Leiterin des Schulmuseums Leipzig. Vermittelt wurde ein einseitiges, parteiisches Geschichts- und Weltbild. Auch der viel propagierte Antifaschismus sei nichts als eine Worthülse gewesen. Der Abschnitt über die NS-Zeit in Schulbüchern habe nur 20 Seiten umfasst, der Sieg über den Nationalsozialismus wurde nur der Roten Armee zugeschrieben, die Westalliierten wurde nicht einmal erwähnt. Für Urban ein Beweis der großen Irrlehren der DDR. „Diese Lügen müssen grundsätzlich aufgearbeitet werden damit sie nicht weiter existieren“, forderte sie.

Eine weitere Frau, die für Gräueltaten der DDR verantwortlich war, war Hilde Benjamin – im Volksmund auch „rote Guillotine“ genannt. Als Justizministerin der DDR ebenso wie als Vorsitzende Richterin in einer Reihe von politischen Schauprozessen in den 1950er Jahren habe sie habe Rache vor Recht gestellt und war für ihre Brutalität bekannt. „Das Recht hatte der kommunistischen Ideologie zu dienen“, sagte Thomas Lukow vom Stasi-Museum in Berlin.

Alltag einer Kaderfamilie

Doch es gab auch Frauen, die dem Regime mutig entgegen traten. Neben Freya Klier, Ulrike Poppe und Bärbel Bohley war auch Vera Lengsfeld eine der Widerständlerinnen. Sie gehörte verschiedenen Oppositionsgruppen an und gründete 1981 den „Friedenskreis Pankow“. Dabei wuchs sie zunächst in einer Stasi-Familie auf. „Man musste funktionieren damit man den Eltern keinen Ärger machte“, erklärte sie. Jedes Fehlverhalten hatte Folgen für die Eltern. Für die Kaderkinder war das nicht immer einfach. Westfernsehen war verboten, und die Partei mischte sich sogar ein bei der Wahl der Freunde. Sogar den Briefwechsel mit kommunistischen Freundinnen im Ausland musste Lengsfeld auf Drängen ihres Vaters abbrechen, weil die Partei es so verlangte. Eines der Schlüsselerlebnisse, die Lengsfeld am System zweifeln ließen und zu einer kritischen Haltung brachten.

DDR-Oppositionelle wie Lengsfeld, Freya Klier oder Ulrike Poppe gründeten zunächst Gruppen und trafen sich unter anderem in der evangelischen Kirchengemeinde in Alt-Pankow. Aus diesem Arbeitskreis entstand später der „Friedenskreis Pankow“. Immer mehr Frauen schlossen sich ihnen an, weil sie mit der Militarisierung des Unterrichts und dem Fach „Wehrkunde“ in der Schule nicht einverstanden waren. Und sie wollten der Gängelei und Bevormundung ein Ende setzen. „Freiheit und Rechtsstaat waren ihnen wichtig“, sagte Angelika Barbe, Mitbegründerin von „Frauen für den Frieden“ und der SDP in der DDR. Nicht zuletzt war es auch der Initiative von Frauen wie Bärbel Bohley zu verdanken, dass 1989 die Mauer fiel. Sie gilt als Mutter der Friedlichen Revolution.

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