Veranstaltungsberichte

„Wir sind nicht besser und nicht schlechter, wir sind anders."

"Was nicht anders sein darf, sind unsere Chancen und unsere Rechte.“
Vom 28. Februar bis 3. März kamen 28 Frauen in Führungspositionen aus 11 lateinamerika-nischen Ländern und Deutschland zusammen, um über Kommunikationsmedien und Frauen in der Politik zu sprechen.

Der Campus Konrad Adenauer Workshop „Kommunikationsmedien und Frauen in der Politik“ wurde von Frau Rosario Rodríguez eröffnet. Ihr Vortrag bot einen historischen Abriss über die Evolution und Partizipation der Rolle der Frau in der Gesellschaft, mit besonderem Augenmerk auf die Politik. Frau Rodríguez ist Beraterin des Nationalen Verteidigungsrats von Uruguay und stellvertretende Leiterin des Kurses zu Genderfragen in den nationalen Streitkräften Uruguays. In ihrem interaktiven Beitrag präsentierte Rodríguez international bekannte Frauen, die sich der Stärkung der Frauenrechte verschrieben haben, ohne selbst Politikerinnen zu sein. So nannte sie beispielsweise Emma Watson, Michelle Obama und Malala Yousafzaj. Frau Rodríguez hob durch Frauen organisierte Aktivitäten hervor, beispielsweise gingen während eines starken Schneesturms in den USA nur weibliche Senatoren ihrer Arbeit nach. Frau Rodríguez betonte, dass bewiesen sei, dass Frauen einen positiven Effekt auf Friedensverhandlungen haben. „Wir sind nicht besser und nicht schlechter; wir sind anders (…). Was nicht anders sein darf sind unsere Chancen und unsere Rechte“, betonte sie.

Im Verlauf der Aktivität wurde die Bedeutsamkeit von Integration hervorgehoben. Vor allem soll diese Integration in der gesamten Gesellschaft spürbar sein und konsequent betrieben werden, ganz besonders mit Blick auf die Art und Weise, wie Frauenquotenreglungen in den einzelnen Ländern implementiert werden. Außerdem wurde die gemeinsame Verantwortung gegenüber Frauen betont, die gleichzeitig verletzlicher sind, aber sich auch in politischen Führungspositionen befinden. So soll eine wahre Teilhabe am System ermöglicht werden und es nicht zu einer reinen Ausnutzung der Teilnehmerinnen für Wahlkampfzwecke kommen.

Gil Castillo, politische Beraterin aus Brasilien, sprach über ihre Beratungserfahrung in afrikanischen Ländern und über die Teilhabe von indigenen Frauen in der Politik. Vor diesem Hintergrund nannte sie als Beispiel, wie Angela Merkel auf die Kritik an ihrem Erscheinungsbild – u.a. Meinungsäußerungen zu ihrer Frisur und ihrem Kleidungsstil - reagiere. Castillo bestätigte, dass Merkel eine besondere Art habe, wie sie die Fragen der Presse über ihr Äußeres neutralisiere.

Über kommunikative Mobilisierungs – und Inklusionsstrategien sprach die Abgeordnete Marialbert Barrios (Primero Justicia – venezolanische Oppositionspartei). So hob sie hervor, dass unter der aktuellen Krise in Venezuela die Frauen besonders zu leiden haben. Die Betrachtung aus dieser habe gezeigt, dass die Regierung Armut, Mangel und Perspektivenlosigkeit für beide Geschlechter gleichermaßen herbeiführt, betonte die jüngste Abgeordnete des venezolanischen Parlaments. Des Weiteren hob sie hervor, dass die Aufgabe venezolanischer Spitzenpolitiker heute mehr darin bestehe, Fragen zu stellen als Antworten zu geben.

Einen Einblick in Welt der Wahlkämpfe gab Carolina Goic, Senatorin der Christlich-demokratischen Partei in Chile (Partido Demócrata Cristiano). So sprach sie in ihrer Präsentation über die durch sie und ihr Team geführte Kampagne, welche durch ein hohes Ausmaß an Engagement geprägt war. Als Vorsitzende der Partei sprach sie über ihre Erlebnisse, wie beispielsweise über die Rede, welche zu Ehren des verstorbenen Ex-Präsidenten Patricio Aylwin gehalten wurde, oder aber auch über den Haustür-Wahlkampf. Mit Nachdruck stellte sie fest, dass es für Politiker unabdingbar sei, sich auch einmal entschuldigen zu können.

„Die stärkste Teilgruppe innerhalb der CDU sind Frauen”, betonte Ellen Demuth, Abgeordnete der CDU in Rheinland-Pfalz, Deutschland. Demuth analysierte die Ergebnisse der Bundestagswahlen in Deutschland und sprach über die möglichen Regierungskoalitionen. Kaum eingetroffen vom Bundesparteitag der CDU, analysierte Demuth die wichtige Rolle, die die Presse für die Aussichten verschiedener Koalitionsoptionen gespielt habe (wie beispielsweise im Falle der gescheiterten Jamaika-Koalition).

Der Beginn des Treffens fiel auf ein für viele der Herkunftsländer der Teilnehmerinnen wichtiges Datum: Die nationalen Kongresse nahmen ihre Arbeit wieder auf. Deshalb wurden auch die Reden der jeweiligen Staatspräsidenten ausführlich diskutiert. Unter den Reden stach vor allem die von Mauricio Macri, Präsident Argentiniens, hervor. So sprach Macri über die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen in derselben Position und die Verlängerung der Vaterschaftszeit. Zahlreiche Teilnehmerinnen bestätigten, dass es häufig erst zu Änderungen in der Gesetzgebung kommt, wenn sich vermehrt Frauen am politischen Leben beteiligen.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die bestehenden sozio-kulturellen Vorstellungswelten die größte Herausforderung für Frauen im 21. Jahrhundert darstellen. Die politisch aktiven lateinamerikanischen Teilnehmerinnen der Veranstaltung haben gezeigt, dass es durchaus möglich ist, diese konstruierten Normen zu überwinden.

Übersetzt von Christina Schweiger und Sören Soika

Über diese Reihe

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