Veranstaltungsberichte

100. Katholikentag Leipzig

Veranstaltungen des Politischen Bildungsforums Sachsen der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.im Rahmen des 100. Katholikentages Leipzig

„Seht, da ist der Mensch“ – so lautete das Leitwort für den 100. Deutschen Katholikentag in Leipzig. Auch die Konrad-Adenauer-Stiftung beteiligte sich an der Gestaltung des Kirchentages. Wir thematisierten in drei Veranstaltungen das diesjährige Motto im Rahmen der aktuellen gesellschaftlichen Situation.

Die Veranstaltung stellten die Prägekraft von Gemeinschaften, das Phänomen von Egoismus, Individualisierung und Selbstverwirklichung und die Frage nach der Anonymität in der Masse in den Vordergrund. Einführend erläuterte Dr. Joachim Klose jeweils die Situation in Sachsen. In Sachsen herrscht eine Schulabbrecherquote von 8-11% und ein deutlicher Männerüberschuss – in einigen Orten bis zu 30%. Außerdem gibt es nur rund 4% Katholiken bzw. knapp 20% Christen insgesamt in Sachsen. Ein Katholikentag in Leipzig, der wohl atheistischsten Großstadt Europas (nur etwa 3% Katholiken, bzw. 15% Christen insgesamt), sei also etwas Besonderes

Lothar Harles von der AG katholisch-sozialer Bildungswerke e.V. ging zunächst auf die Wahlergebnisse in Europa ein, die rechtsextremistische und demokratiefeindliche Kräfte gestärkt haben. Grundlage hierfür seien vor allem Verlustängste und Unsicherheiten. Diese seien vor allem durch den Wandel entstanden, die Globalisierung und Europäisierung ändere die Politik und den politischen Diskurs und für viele Menschen sei eine Identifikation hiermit nicht mehr möglich. Harles warf zum Abschluss die Frage auf, ob die Kirche einen Ausweg bieten könne und rief dazu auf die Gesellschaft neu zu gruppieren und zu organisieren.

Prof. Dr. Peter Zimmerling, 1. Universitätsprediger, betrachtete die Gesellschaft im Zusammenhang mit den Kommunitäten und umriss die Entstehung dieser. Seiner Meinung nach beruht die Gesellschaft auf 3 Säulen, der Inspiration, Kommunikation und der Institution. Diese drei Säulen müssen ausgeglichen sein und gleichzeitig eine Beteiligung und Mündigkeit für die Mitglieder bieten.

Seit nunmehr 40 Jahren beschäftigt sich Dr. Herbert Wagner mit den Themen Vermassung und Vereinsamung. Er umriss die veränderten Umstände, wie beispielsweise Patchwork Familien und die sozialen Medien als neue Phänomene. Die weiteren Gemeinschaften wie Kirche, Parteien und Vereine driften auseinander und bildeten Untergruppen.

Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Antje Hermenau konstatierte zunächst, dass sie alles ein wenig anders sehe. Die Verschachtelung in rechts und links passe nicht mehr, da ein Paradigmenwechsel stattgefunden habe. Die DDR-Bürger hätten nach der Wende erfahren, dass ihre Werte falsch seien, viele der Pegidisten seien deshalb vor allem einem Ohnmachtsgefühl ausgesetzt.

Ein beklemmendes Gefühl, nämlich dass der Boden unter ihm wackelig geworden sei bemerkte Prof. Dr. Karlheinz Ruhstorfer, Theologe an der TU Dresden. Sein Eindruck sei, dass nicht mehr viele Leute das System stützten. Eine Erschütterung, Verunsicherung und Entwurzelung entstehe. Die zunehmende Dynamik führe zu einem klassischen Aufteilungsmechanismus, „wir und die anderen“.

Der bekannte Dresdner Politologe Prof. Dr. Werner Patzelt ging in seinen Ausführungen vor allem auf die Schwierigkeit ein, die Gesellschaft politisch zusammenzuhalten, vor allem, wenn sie pluralistisch sei. Streitigkeiten werden als Ausnahme gesehen, sind jedoch die Regel. Die Menschen können aus Pluralität lernen und verantwortungsvoll hiermit umgehen.

Frank Richter, Leiter der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, ging vor allem auf die Weltanschauung der DDR ein, die für jedes Individuum einen Platz bot und ein Ideal vorschlug, nach dem die Menschen sich einordnen konnten. Nach der Wende verloren die Menschen Orientierung und Ordnung und hatten ebenso in der Kirche keinen Halt.

Im Anschluss an die jeweiligen Impulsreferate der Podiumsteilnehmer fanden sehr angeregte Diskussionen statt. Dabei wurde zum einen die Relevanz von Gemeinschaften hinterfragt – diese dienen zum einen der Verantwortungsübernahme und generierten Sozialkapital. Zum anderen wurden mögliche Orte für den Diskurs besprochen und festgestellt, dass die Reichweite der katholischen Kirche abnehme. Auch die Werte unserer Gesellschaft und das Grundgesetzt kamen im Zusammenhang mit Fremdenhass und dem vermeintlichen Werteverlust immer wieder zur Sprache. Angesprochen wurde außerdem die vorherrschende Institutionenkrise. Dies führte zum DEM Thema – nämlich dem Erfolg von Pegida und AfD. Dieser beruhe auf der Ausnutzung der Emotionen der Menschen. Aus gegebenem Anlass wurde auch der Ausschluss der AfD vom Katholikentag sehr kritisch hinterfragt und auch nach Argumentationsmöglichkeiten gegen Pegida und AfD gesucht. Als wichtiger Baustein für den weiteren Umgang mit diesen beiden Bewegungen wurde eine angemessene Berichterstattung, also die Anregung eines öffentlichen Dialogs und die Beteiligung der Bevölkerung diskutiert. Abschließend betonte Klose, wie wichtig die Demokratie sei und dass die Schlüsselwörter dieser seien, miteinander zu reden, sich zu engagieren und einzumischen.

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.