Veranstaltungsberichte

Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik in Brasiliens Städten

von Marina Caetano
Regionaltreffen der CB27 in der Region mittlerer Westen
Mit welchen umweltpolitischen Herausforderungen sehen sich die Hauptstädte der Region des mittleren Westens konfrontiert? Wie kann die Natur im Nationalpark Pantanal geschützt werden? Und wie kann man durch nachhaltige Entwicklungspolitik Arbeitsplätze schaffen? Dies waren einige der Punkte, die während des 16. regionalen Treffens des CB27 in Cuiabá im mittleren Westen Brasiliens von den Umweltdezernenten der brasilianischen Landeshauptstädte diskutiert wurden.

Die Region des mittleren Westens von Brasilien zeichnet sich durch eine besondere Topographie mit Hochebenen, felsigen Hochebenen und Tälern aus, in denen wichtige Wassereinzugsgebiete liegen. Hier befinden sich vor allem landwirtschaftliche Betriebe und weitläufige Flächen, die noch nicht besiedelt sind. Wirtschaftlich bedeutsam sind vor allem extensive Weidewirtschaft, Landwirtschaft und Bergbau. Die Region setzt sich zusammen aus den Staaten Goiás, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul und dem Hauptstadtdistrikt. Hier findet man auch eine der faszinierendsten brasilianischen Landschaften, das Pantanal, eine riesige überschwemmte Hochebene, mit einer reichen Tierwelt und einem Mosaik von Pflanzenformationen. Insbesondere Cuiabá verfügt neben dem Pantanal auch über Amazonaswald und die Halbsteppe Cerrado - auf dem Gebiet der Hauptstadt des Staates Mato Grosso befinden sich insgesamt drei Biome. Ziel des 16. Regionalen Treffens der CB27 war es, die wichtigen Themen für das Umweltmanagement in genau dieser besonderen brasilianischen Region zu diskutieren.

Das Dialogforum CB27 (Capitais Brasileiras 27, dt. brasilianische Hauptstädte) ist ein Forum der Umweltdezernenten der Hauptstädte der brasilianischen Bundesstaaten und des Hauptstadtdistriktes. In diesem Forum findet ein Erfahrungsaustausch über nachhaltige umweltpolitische Projekte statt, wobei Best Practices aller Hauptstädte ausgetauscht werden. Das Forum CB27 wurden während der Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung im Jahr 2012 (Rio+20) vom Umweltdezernent von Rio de Janeiro, Carlos Alberto Muniz ins Leben gerufen. Nach einem ergebnisreichen Regionaltreffen Nord in Rio Branco, in der Hauptstadt des Staates Acre, fand im zentralen Westen eine weitere wichtige Diskussion der Umweltdezernenten statt. Bei den regionalen Treffen werden spezifischere Diskussionen über die umweltpolitischen Herausforderungen der Gegenden, in denen die Treffen stattfinden, geführt.

Das Treffen in der Region mittlerer Westen erfolgte im Centro Sebrae de Sustentabilidade. Dieser Standort der brasilianischen Agentur für kleine und mittelständische Unternehmen Sebrae ist eine nationale Referenz zum Thema Nachhaltigkeit. Es wurde 2010 eingeweiht und fördert den Aufbau und die Ausbreitung von Wissen in Nachhaltigkeit in kleinen und mittleren Unternehmen. In diesem Zentrum sollen Innovationen, Techniken und nachhaltige Praktiken in Brasilien und weltweit aufgezeigt, exklusive Inhalte formuliert und den Unternehmern gezeigt werden, dass Unternehmen profitabel sein und trotzdem die Umweltauswirkungen verringern können, um so einen Beitrag zu einer gerechteren sozialen Entwicklung zu leisten. Aus diesem Grund stellte das Zentrum die ersten Präsentationen des Treffens und die neuen Baukonzepte vor, die in der Entwicklung der Installation verwendet wurden. ICLEI und CDP, langjährige Partner der CB27 haben Werkzeuge zur Qualifizierung vorgestellt, die von den Gemeinden verwendet werden können, vor allem von den Teams für umweltpolitisches Management, so zum Beispiel kostenlose Bildungsmaßnahmen und Webinars. Der Dezernent für Umwelt und Stadtentwicklung von Cuiabá, Alan Porto, stellte dar, wie die Verwendung eines moderneren online Managementsystems einen Beitrag leistet, um die Vergabe von Lizenzen in der Stadt um 49% zu erhöhen. Außer ihm, haben die Umweltdezernenten der Region des zentralen Westens Umweltprojekte vorgelegt, die in ihren Hauptstädten durchgeführt werden. Um die Diskussionen zur praktischen Inspiration abzurunden, besuchten die Dezernenten den Nachtpark Tia Nair und das Projekt Porto Cuiabá.

Da die Städte im mittleren Westen des Landes ähnliche Herausforderungen bewältigen müssen, inspiriert der Erfahrungsaustausch weiterhin die Einführung von bereits in anderen Städten existierenden Projekten - sei es im Bereich der Programme für Mülltrennung, Kampf gegen Brandrodungen, Abwasserentsorgung und Kläranlagen sowie Umwelterziehung der Bevölkerung. Das Treffen in Cuiabá gewann auch Bedeutung in Hinblick auf die Diskussion der Ergebnisse der CB27 in den letzten Jahren und über die Erwartungen der Dezernenten an das Forum in Zukunft. Den Teilnehmern wurde die Bedeutung der Stärkung des Netzwerkes der Umweltdezernenten der brasilianischen Hauptstädte klar, insbesondere in der politischen Übergangsphase angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen 2016. Der Austausch von Knowhow wird zu einem noch wichtigeren Werkzeug zur Entwicklung der Umweltpolitik in diesen Städten: es ist sehr wichtig, sich in diesem Sinne zu organisieren, so dass die Referenten, die aktuell im Forum mitarbeiten, Berichte und Informationsblätter über die CB27 für die zukünftigen Umweltdezernenten zusammenstellen, die das Amt ab Januar 2017 übernehmen.

Ansprechpartner

Marina Caetano

Marina Caetano bild

Projektkoordinatorin für Dezentralisierung und Nachhaltige Entwicklung

Marina.Caetano@kas.de +55 21 2220-5441 +55 21 2220-5448

Über diese Reihe

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