Veranstaltungsberichte

Kohlenstoffmärkte und der Stromsektor

von Peter Hefele

Anliegen, Chancen und Prioritäten für Ostasien

Der Workshop „Kohlenstoffmärkte und der Stromsektor – Anliegen, Chancen und Prioritäten für Ostasien“ fand vom 20-22 März in Bangkok statt und wurde in Kooperation mit der Chinese University of Hong Kong (CUHK), der International Carbon Action Partnership (ICAP) und der Thailand Greenhouse Gas Management Organization (TGO) gehalten. Die Kernthemen, die diskutiert wurden, behandelten ETS und Kohlenstoffmärkte in Ostasien.

Der erste Tag des Workshops, der im „Foreign Correspondents Club in Thailand“ (FCCT) stattfand, wurde mit einer Einführung von Rahmenbedingungen für potentielle Reformstrategien des Strommarktes und  der regionalen Kohlenstoffmarktkooperationen in Ostasien begonnen.

Verschiedene Chancen und Megatrends, wie Liberalisierung und Dezentralisierung der Kohlenstoffmärkte wurden angesprochen, während die weltweite Dekarbonisierung als die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts identifiziert wurde. Die folgende Diskussion der Teilnehmer beschäftigte sich mit der Relevanz von Kohlenstoffmärkten bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen und der Notwendigkeit von neuen Richtlinien für Kohlenstoffmärkte in Asien, während gleichzeitig die Energiepreise in einem akzeptablen Rahmen gehalten werden müssten.

Das Kernthema des ersten Teils des Workshops war die Preissetzung bei Kohlenstoffemissionen und Regulationen im Strommarkt durch die Implementierung von Emissionshandelssystemen (ETS). ETS sind am effektivsten, wenn sie in liberalisierten Märkten eingesetzt werden und agieren dort als Preissignal, das Anreize für unterschiedliche Indikatoren, wie Konsum, Investitionen, etc. schafft. Emissionshandelssysteme können unter verschiedenen Regulationsmechanismen funktionieren, müssen jedoch gründlich gestaltet und Teil einer glaubhaften, langfristigen Rahmenstrategie sein, da die Implementierung politische Herausforderungen birgt. Für aktuelle Hintergrundinformationen wurde der „ICAP Status Bericht 2019: Emissionshandel weltweit“ als ausführliche Quelle empfohlen.

Für die folgende Diskussionsrunde wurden die Teilnehmer in drei Gruppen aufgeteilt, die sich jeweils mit ETS Investitionen im Elektrizitätssektor, mit ökonomischer Verteilung und mit Stromhandel in Märkten auf regionaler Ebene beschäftigten. Zudem wurde erörtert, wie ein ETS ausgestaltet werden sollte, damit dieses, auch in Elektrizitätssektoren mit unterschiedlichen Regulationsstrukturen, als Preissignal wahrgenommen wird.

Der zweite Teil des Workshops konzentrierte sich auf Emissionshandelssysteme und deren Regelungen und Geltungsbereiche in verschiedenen Ländern. Es wurde das EU-eigene ETS und dessen Trend zur Energiewende untersucht und die Herausforderungen und Chancen von der Entwicklung eigener Emissionshandelssysteme in China, den Philippinen und Vietnam beleuchtet. Des Weiteren wurde der Dekarbonisierungsprozess in Deutschland und das damit verbundene Ziel der drastischen Emissionsreduzierung bis 2030 erläutert.

Abgeschlossen wurde der Tag mit einer Reihe von Präsentationen von Studierenden der Chinese University of Hong Kong (CUHK) und der Chulalongkorn University (Thailand), die die Möglichkeit erhielten ihre Forschungsarbeiten den anwesenden Teilnehmern des Workshops zu präsentieren. Die studentischen Projekte behandelten die Themen von Thailands Stromsektor, den Regulierungen des Stromsystems und Thailands Verpflichtungen und Bemühungen zur Emissionsreduzierung durch die Einführungen eines ETS. Studierende der Rechtsfakultät der CUHK lieferten Einblicke in die rechtlichen Regelungen des chinesischen Energiemarktes, die gesetzlichen Möglichkeiten des Zugangs außenstehender Akteure zum chinesischen Stromnetz und die Lösung für Chinas Einspeisungsproblem durch die Förderung erneuerbarer Energien.

Während des letzten Teils des Workshops wurde gemeinsam über die Preissetzung von Kohlenstoffemissionen und die Chancen von nachhaltigen Finanzierungsprojekten in Ostasien debattiert. Dabei wurde die Möglichkeit von Kooperationen durch Marktverknüpfungen vorgestellt und erläutert, wie Kooperationen zwischen Staaten kontrolliert und koordiniert werden kann. Zudem wurde ebenso über die Hürden des ostasiatischen Kohlenstoffmarktes diskutiert, wie über die langfristige Strategie der Harmonisierung der Energiemärkte der Region durch Kooperation. Beendet wurde die Veranstaltung mit einer abschließenden Debatte über die Ausarbeitung von Projekten, die die Strukturen der Energiemärkte in Ostasien verbessern könnten, und über die Einführung von ETS mit Hilfe von regionaler Integration.

Über diese Reihe

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