Veranstaltungsberichte

Chilenische Städte und der Klimawandel

von Maria Fernanda Pineda
Internationales Forum
Am 19. April trafen sich Vertreter von Stadtverwaltungen in Chile, Kolumbien, Brasilien und Mexiko sowie Politiker und Spezialisten in Santiago de Chile, um über die Herausforderungen zu diskutieren, vor denen Städte vor dem Hintergrund des Klimawandels stehen.

Das Datum der Veranstaltung hätte nicht passender sein können: Auch wenn das Forum eigentlich dazu gedacht war, sich einen ganzen Tag lang in die Gestaltung von Politiken, Public-Private Partnerships und Finanzierungsmöglichkeiten für Klimaaktionen zu vertiefen, steigerten die starken Regenfälle, die den Río Mapocho über seine Ufer treten ließen, das Engagement der Vertreter der Stadtverwaltungen und ihr Interesse daran, ihre eigene Fortschritte vorzustellen und Best Practices auszutauschen.

Christian Hübner, Leiter von EKLA KAS, Juliana Lopes, Direktorin von CDP Cities Latin America und Guillermo Espinoza, Geschäftsführer des CED, hießen die Anwesenden Willkommen. Direkt im Anschluss hielt der chilenische Umweltminister Pablo Badenier den Eröffnungsvortrag, in dem er die Bedeutung der Städte in Lateinamerika im Hinblick auf Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung hervorhob, besonders angesichts des Trends zur Verstädterung und zum immer stärkeren Wachstum der Städte. In Anbetracht der großen Herausforderungen des Klimawandels müssten die Städte die Fähigkeit entwickeln, angemessen mit den klimatischen Veränderungen umzugehen, so dass diese die Lebensqualität der Bürger so wenig wie möglich beeinträchtigten.

Um Erfahrungen aus Chile vorzustellen, moderierte Jordan Harris, stellvertretender Direktor von Adapt Chile, eine Diskussionsrunde mit Amtsträgern aus Chile. Wie der Intendent der Región Metropolitana de Santiago, Claudio Orrego, passend feststellte, „erlebt Santiago den Klimawandel hautnah”. Diese Aussage bezog sich nicht nur auf die jüngsten Unwetter, sondern auch auf die immer häufigeren und immer stärkeren Klimaphänomene in den letzten Jahren. Für einen angemessenen Umgang mit diesen seien eine ganzheitliche Sichtweise und eine Zusammenarbeit der Städte notwendig. Orrego wies außerdem darauf hin, dass diese Integration sowohl eine Priorität der lokalen Politik als auch des Privatsektors und der Zivilgesellschaft im Allgemeinen sein müsse, denn die Handlungen jeder dieser Akteure beeinflussten die Reduzierung der Treibhausgasemissionen und somit die Auswirkungen des Klimawandels.

Im Bereich der Erfahrungen auf eher lokaler Ebene hob die Stadtverwaltung Peñalolén das inklusive kommunale Recyclingprogramm hervor, an dem 16.000 einheimische Familien teilnehmen. Bürgermeisterin Carolina Leitao stellte außerdem den EcoParque als Aufklärungs- und Forschungsstätte vor, die über eine Kompoststation, Biogemüsegärten, einen Recyclingbereich für anorganische Abfälle und eine Anlage zur Herstellung von Biodiesel verfüge. Zur Umsetzung der verschiedenen Programme zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen unterstrich Gonzalo Duran, Bürgermeister von Independencia, die große Bedeutung partizipativer Ansätze. Im Falle von Independencia wurden in solch gemeinsamer Arbeit ein Programm zur Förderung der Nutzung von Fahrrädern als Transportmittel, ein Programm zum Recycling von Haushaltsölen sowie ein System zur Herstellung von Biogas aus Abfallstoffen der Pferderennbahn erstellt.

Viele dieser Initiativen werden direkt von den Stadtverwaltungen finanziert. Doch wie kann die Reichweite dieser Projekte gesteigert werden, um eine größere Wirkung zu erzielen? In anderen Städten Lateinamerikas gibt es Erfahrungen mit Finanzierungsmöglichkeiten gemeinsam mit dem Privatsektor, die Public-Private Partnerships. Dank der Moderation von Guillermo Espinoza, dem Geschäftsführer des CED, erfuhren die Teilnehmer von Vertretern von Kommunen in Brasilien, Mexiko und Kolumbien mehr über diese Praxis.

Rogerio Menezes, Umweltsekretär der Stadtverwaltung Campinas in Brasilien, stellte Erfahrungen vor, die auf diese Weise finanziert werden und zur Anpassung der Stadt an den Klimawandel sowie zur Milderung von dessen Auswirkungen beitragen: Die Installation der Solaranlage von Tanquinho mit einer Investition von 3,6 Millionen US-Dollar und einer jährlichen Stromerzeugung von 1,6 Gigawatt - genug Energie, um 1000 Familien zu versorgen; der Einsatz von 10 Elektrobussen mit der Absicht, in den nächsten drei Jahren 25% der insgesamt 1200 Busse durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen; und die Wiederverwendung von Wasser am Flughafen Viracopos durch das Unternehmen Sanasa.

Samuel Martínez, Technischer Sekretär der Stadtverwaltung von Naucalpan, stellte eine Erfahrung aus Mexiko vor, wo eine Anlage zur thermischen Müllverwertung für das Management und die Nutzung von Festabfällen notwendig sei. So könne der Ausstoß von 430.000 Tonnen CO2e vermieden werden (der gleiche Effekt, als würden 140.000 Kompaktfahrzeuge jährlich aus dem Verkehr gezogen) und man könne 16 MW/h Strom erzeugen, was für die Stromversorgung von 70.000 mittelgroßen Wohnungen ausreiche.

Für die Stadtverwaltung von Cali in Kolumbien stellte Gisela Arizabaleta ihre Arbeit zur Förderung von Herstellungsprozessen und Dienstleistungen mit dem geringstmöglichen ökologischen Fußabdruck vor. Hierfür wurde ein Zertifikat für eine kohlenstoffneutrale Organisation eingeführt und bisher die Teilnahme von 30 Unternehmen aus verschiedenen Branchen erreicht. Zehn weitere werden bald hinzukommen. Über Messungen und Schulungen in diesen Unternehmen wurde festgestellt, dass der größte CO2eq-Ausstoß mit 87.535,26 Tonnen aus dem Bereich Energie kommt. Der Vorteil eines oder mehrere solcher Zertifikate ist, dass diese internationale Gültigkeit besitzen und die Unternehmen so über ein differenzierendes Merkmal verfügen, das ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert.

Angesichts dieser diversen Erfahrungen und Chancen für Projekte zur Anpassung an den Klimawandel und zur Mitigation fragt man sich, wie man solche Vorhaben finanzieren kann und welche Plattformen und Mechanismen dafür existieren. Zur Klärung dieser Frage moderierte María Fernanda Pineda, Projektkoordinatorin von EKLA KAS, die Diskussionsrunde 3 mit verschiedenen Spezialisten aus Lateinamerika und Europa.

Heloisa Schneider, Forscherin der Abteilung für Nachhaltige Entwicklung und Menschliche Siedlungen der CEPAL (Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik), erwähnte, dass sich im Jahr 2014 die Finanzierungsinitiativen im Zusammenhang mit dem Klimawandel in Lateinamerika und der Karibik auf 21,1 Milliarden US-Dollar beliefen. Die Länder, die hier am meisten investierten, waren Brasilien (67,3%), Peru (7%) und Kolumbien (3,9%). Die Anteile der beteiligten Akteure sind folgende: 300 Millionen US-Dollar bewilligt von den Klimafonds im Jahr 2014; im gleichen Jahr 1,398 Milliarden US-Dollar Investitionen bewilligt von der Weltbank; und 17% der Mittel multilateraler Entwicklungsbanken waren für die Region Lateinamerika und Karibik bestimmt.

Innerhalb des Spektrums an Mechanismen stellen die Green Bonds (Grüne Anleihen) oder die Kohlenstoffkredite (Schulden), die von öffentlichen oder privaten Institutionen ausgestellt werden, eine große Herausforderung dar. Zur Vertiefung des Themas zeigte Justine Leigh-Bell, Direktorin für die Entwicklung von Standards der Climate Bonds Initiative, auf, dass der Green Bond einem Guthaben für grüne Projekte entspricht, die von interessierten Investoren finanziert werden, welche letztendlich daraus Rendite erhalten. Dieser Markt für grüne Anleihen verzeichnete in den letzten Jahren ein starkes Wachstum. Es gibt jedoch noch immer Herausforderungen wie der Mangel an finanzierbaren grünen Projekten, fehlende Vorbereitung auf die Finanzierung der Green Bonds und das Fehlen allgemein akzeptabler Umweltnormen.

Sarah Dougherty, Mitglied des Natural Ressources Defense Council (Rat zur Verteidigung der Natürlichen Ressourcen) und zuständig für Umweltinnovationen, stellte die grünen Banken als öffentliche und halböffentliche Finanzierungsinstitutionen dar, deren Aufgabe darin bestehe, die Reifung der sauberen Energiemärkte (durch finanzielle Innovation) zu beschleunigen und den Zugang zu Finanzierung (durch bessere Kreditkonditionen und direkte Finanzierung) zu ermöglichen. Die weltweit wichtigsten grünen Banken sind die Clean Energy Finance Corporation aus Australien, GreenTech Malaysia, die japanische Green Finance Organization, die britische Green Investment Bank, die Connecticut Green Bank aus den USA und die New York Green Bank.

Zum Abschluss der Runde sprach Martha Castillo, Leiterin der Abteilung für Klimawandel der Corporación Andina de Fomento (CAF), über die verschiedenen Arten der bei ihrer Institution für die Region verfügbaren Finanzierung: Vorinvestitionsstudien für Wissensgenerierung und Wissensmanagement, Mapping und Chancenbestimmung, technische Unterstützung für Pilotprojekte und Mittel für Investitionen in Vor-Machbarkeits- und Machbarkeitsstudien. Die größte Herausforderung sei es, einen Schnittpunkt zwischen Projektideen und Investoren zu finden und einen Übergang von Sektorinterventionen zu territorialen Interventionen mit zusätzlichen multisektoriellen Vorteilen zu vollziehen. Dabei werde das Ziel verfolgt, inklusivere, wettbewerbsfähigere, ökoeffizientere, intelligentere und nachhaltigere Städte zu fördern, um die Lebensqualität der Stadtbevölkerung zu verbessern.

Außer den 3 Vortragsräumen verfügte die Veranstaltung über einen Workshopbereich, wo die Vertreter der Stadtverwaltungen ökologische Best Practices untereinander austauschten. Diese Aktivität wurde geleitet von Andreia Banhe von CDP und Jordan Harris von Adapt Chile. Die Vorstellung der Initiative CDP Cities Latin America und die Bearbeitung eines praktischen Falls bildeten den Ausgangpunkt für einen Ideenaustausch und eine Debatte über die zu ergreifenden Maßnahmen des lokalen Klimamanagements. Zum Ende des Tages bereicherten die vorgestellten Informationen das Wissen der Einen, ermöglichten anderen eine erste Annäherung an das Thema, unterstrichen aber vor allem, wie dringend notwendig die Entwicklung nachhaltiger Städte für eine höhere Lebensqualität der Bürger ist, und dass dieses Ziel auch durchaus erreichbar ist.

Autorin: María Fernanda Pineda (EKLA KAS)

mit Unterstützung von Andreia Banhe (CDP), Patricia Castillo (CED)

Weitere Fotos der Veranstaltung finden Sie unter folgendem Link.

Pressemitteilung: Noticias Peñalolén

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