Veranstaltungsberichte

Umgang mit Disruption: Dimensionen der Digitalisierung in Europa und Asien

von Peter Hefele

8. jährlicher Workshop über die EU-China Beziehungen in globaler Politik

Der 8. jährliche Workshop zu den Beziehungen zwischen der EU und China in der globalen Politik fand dieses Jahr in Singapur statt und beschäftigte sich mit Dimensionen der Digitalisierung, Disruptionen und disruptiven Innovation in Europa und Asien. Internationale Fachleute und Wissenschaftler präsentierten aufschlussreiche Arbeiten, in denen verschiedene Aspekte und Möglichkeiten der Digitalisierung in verschiedenen Wirtschaftssektoren in Europa und Asien hervorgehoben wurden. Der Workshop fand wie jedes Jahr im Rahmen des UACES Collaborative Research Network zu Beziehungen zwischen der EU und China statt und wird vom KAS-Regionalprojekt Energiesicherheit und Klimawandel in Asien-Pazifik (KAS RECAP) unterstützt.

Der Fokus des ersten Teils lag auf der Digitalisierung von Energie – und Ressourcensysteme. Das Zeitalter der Digitalisierung eröffnet eine große Bandbreite an Möglichkeiten für das nachhaltige Haushalten mit natürlichen Ressourcen und Energien. Des Weiteren, könnte sich die Klimapolitik durch den digitalen Wandel verbessern, indem z.B. die Überwachung und die Rechnungslegung des Green Climate Fund (GCF) digitalisiert wird und somit wesentlich vereinfacht wird.

Der zweite Teil baute auf dem vorhergehenden auf, und ging beim Thema der Digitalisierung noch einen Schritt weiter in die Richtung der Möglichkeiten von urbanen Regionen, die sich mit digitaler Steuerung und sogenanntem „Smart City Management“ ergeben. Es wurden die Initiativen diskutiert, die von europäischen und asiatischen urbanen Zentren angestoßen wurden, mit dem Ziel das Leben in den Städten durch verbesserte Infrastruktur einfacher organisieren zu können. Weiterhin treibt der technologische Fortschritt die Widerstandsfähigkeit von städtischen Gebieten gegenüber dem Klimawandels voran. Um die Transformationen in den verschiedenen Bereichen voranbringen zu können, müssen die Bedenken über die Art der Regulierung solcher „Smart Cities“ in Zukunft ausgeräumt werden.

Die Rolle der Digitalisierung in den Finanzmärkten, sowie im Investmentsektor revolutioniert die traditionellen Vorgehensweisen wie in diesen Geschäftsbereichen operiert wird. Die Entwicklung der Kryptowährungen, Fintechs, Blockchain Technologien, Datenlokalisierung in verschiedenen lokalen Kontexten und die veränderte Eigenkapitalrisikoprämien wurden im dritten Teil besprochen. Im digitalen Zeitalter üben sich Regierungen in der ständigen Hervorhebung der Wichtigkeit von nationaler Souveränität gegenüber der individuellen Privatsphäre. Das Konzept der Souveränität ist im digitalen Zeitalter zwiespältig, ebenso wie Fragen der Privatsphäre und der Datenkontrolle.

Der vierte Teil des Workshops stellte die Folgen der Digitalisierung in der westlichen Welt und in China gegenüber. Kultur und Innovationen werden in den verschiedenen lokalen Gegebenheiten unterschiedlich gehandhabt, insbesondere das Aufkommen des 5G Netzes in Europa und Asien, welches durch Huawei ausgebaut wird.

Die letzten beiden Tagungspunkte behandelten ebenfalls die Themenpunkte der digitalen Regierung und des „Smart City“ Managements. Die Teilnehmer diskutierten über bahnbrechende Möglichkeiten für den urbanen Sektor, welche sich durch die Digitalisierung ergeben würden. Die Reduzierung der Armut mit Hilfe von Big Data, die Unterstützung des öffentlichen Gesundheitssektors durch Apps, die Entwicklung von digitalien Bildungseinrichtungen, das Aufkommen von Fintechs und die Transformation von öffentliche-privaten Partnerschaften sind nicht in unmittelbarer Zukunft greifbar, jedoch Möglichkeiten, die sich bereits heute auftun.

Nach dem informativen Austausch besuchten die Teilnehmer die Infocom “Media Development Authority” in Singapur. Dabei wurden sie in die technischen Trends der Dienstleistungen 4.0 und der Breitstellungen von gebräuchlichen Kundendiensten durch künstliche Intelligenz (KI), welche nach schnittstellenloser und zugänglicher Technologie strebt, eingeführt. So werden beispielsweise die Call Center der Zukunft mit KI funktionieren. Der Besuch der Infocom untermauerte die Kernpunkte des Workshops: Digitalisierung betrifft nahezu alle Lebensbereiche der menschlichen Existenz und schafft dabei eine Reihe von Möglichkeiten, birgt aber auch politische, wirtschaftliche und soziale Herausforderungen.

Der diesjährige UACES Best Paper Award gewann von Dr. Una Aleksandra BĒRZIŅA-ČERENKOVA vom Riga Stradins University - China Studies Center für ihr aufschlussreiches Papier zum Thema „Der Aufstieg der APP-basierten Medizin in China im Kontext der Yi / Li Debatte".

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Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.