Veranstaltungsberichte

Demokratie in Zahlen

Präsentation des Transformation Index 2018

In Montevideo begrüßten wir das Team des Centro para la Apertura y el Desarrollo de América Latina (CADAL), um über den aktuellen Stand der Demokratie in Lateinamerika und der Welt zu diskutieren. Dabei begleiteten wir sie bei der Vorstellung des Transformation Index 2018. Der Kopf des Projektes - Dr. Hauke Hartmann, Senior Expert der Bertelsmann Stiftung - veranschaulichte die Entwicklung der Demokratie durch Zahlen und Fakten.

Sowohl der Direktor von CADAL, Gabriel Salvia, als auch die Leiterin der KAS Montevideo, Dr. Kristin Wesemann, betonten in ihren Ansprachen die wichtige Arbeit beider Organisationen und das gemeinsame Ziel, in der Region ein günstiges Umfeld für demokratische Institutionen zu fördern.

Dr. Hartmann warnte in seinem Vortrag, dass der Index mit Vorsicht interpretiert werden sollte, impliziert dieser doch zumeist die subjektive Wahrnehmung des Gutachters. Deshalb müssen neben Zahlen auch weitere Informationen berücksichtigt werden. Um tiefer in dieses Thema einzutauchen, betonte er, dass die Arbeitslosenquote wichtige Faktoren (z.B. Transport-, Wohn- oder Gesundheitskosten) nicht einkalkuliert, die die eigene Sicht der Dinge beeinflussen könnten. Er fügte hinzu: „Wir befinden uns in einer Welt des Kampfes um die Demokratie, nicht in der Welt der Zahlen.“ Selbst als Optimist kam Dr. Hartmann nicht umhin, seine Sorgen über Ereignisse aus der jüngsten Vergangenheit auszudrücken: „Ich bin bestürzt darüber, dass sich das Niveau der Demokratie weltweit verschlechtert hat, insbesondere in Nicaragua, Venezuela und einigen Ländern südlich der Sahara." Andernorts werden die Konflikte immer heftiger, wie in Mexiko und Brasilien. Mit Blick auf seine eigene Herkunftsregion fügt er noch hinzu: „In Europa haben wir das schreckliche Gefühl, dass die Gesellschaft zerfällt.“

Das Forum wurde mit zwei Vorträgen des Universitätsprofessors Daniel Chasquetti und von Alfonso Capurro, Leiter der Wirtschaftsabteilung CPA Ferrere, abgerundet.

Der Transformationsindex Uruguays weist im Gegensatz zu den anderen Ländern der Region eine gewisse wirtschaftliche und politische Stabilität aus. Hier zeigen die Werte keine Volatilität, sondern spiegeln die Stärke der demokratischen Institutionen wider. Kriterien wie politische Partizipation, Gewaltenteilung, richterliche Unabhängigkeit sowie politische und soziale Integration können bei der Bestimmung der politischen Transformation in Uruguay nicht ignoriert werden. In all diesen Kategorien erhält das Land die maximale Punktzahl von 10. Im Hinblick auf die Wirtschaft verliert es jedoch Punkte in Sachen Nachhaltigkeit, insbesondere auch in Umwelt- und Bildungsfragen. Die sonst herrschende wirtschaftliche und politische Stabilität ist darauf zurückzuführen, dass der Status quo in verschiedenen Bereichen wie der Kartellpolitik und der Außenhandelsliberalisierung beständig ist.

Am Ende waren sich alle einig, dass man nicht nur auf die Zahlen dieser Studie schauen dürfe, weil „Zahlen nur Zahlen sind, wenn man diese in keinem ganzheitlichen Kontext betrachtet“ und die Ergebnisse sonst aus dem Zusammenhang geraten, da „Zahlen bedeutungslos sind, wenn sie nicht in der Lage sind, die Gesellschaft zu verändern!“

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.