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Veranstaltungsberichte

Der Kampf um England

von Martin Reuber
Thomas Kielinger liest aus seiner Biographie über "Elisabeth I." und zieht historische Linien zur Gegenwart.

Kein anderes Thema erfährt in Europa zur aktuellen Stunde eine politische, mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit wie der Brexit. So war es wenig verwunderlich, dass sich am Sonntagvormittag des 14. Aprils  110 Gäste zu der Matinée „Der Kampf um England“ in den Räumen des Bonner Universitätsclubs einfanden. Als Referent war zu dieser Veranstaltung der Publizist, Biograph und Autor Thomas Kielinger eingeladen, der seit fast 20 Jahren in London lebt und Chefredakteur des Rheinischen Merkur war. Arnd Pötter, kaufmännischer Verlagsgeschäftsführer des Rheinischen Merkur stelle seinen ehemaligen Weggefährten und Freund Thomas Kielinger dem Publikum vor. Er bezeichnete den aus Danzig stammenden Kielinger als „den besten Englandkenner unter Deutschlands Journalisten“. In seiner Eröffnung kündigte Prof. Dr. Martin Reuber einen historischen Brückenschlag zwischen dem Aufstieg des Vereinigten Königsreiches zur Weltmacht und dem aktuellen Brexit-Wirren in der britischen Politik an. Vier Mitglieder des akademischen Orchesters Bonns begleiteten die Matinée mit Stücken von Wolfgang Amadeus Mozart und Henry Purcell.

Zu Beginn trug Thomas Kielinger Passagen aus seiner im März erschienen Biografie zu Queen Elisabeth I. „Die Königin Elisabeth I. und der Kampf um England“ vor. Denn wer den Brexit verstehen will, so Thomas Kielinger, ist gut beraten, einen Blick in die politische Historie und auf die politische Kultur des Vereinigten Königreiches zu werfen. So präge vor allem die geographische Insellage ohne direkte Nachbarstaaten die defensiven politischen Ziele Großbritanniens. Die politischen Akteure in der Geschichte Englands seien immer darauf bedacht gewesen, die Souveränität des Volkes zu verteidigen. Dieser Umstand hätte auch dazu geführt, dass eine entschlossene Zugehörigkeit zur europäischen Gemeinschaft bis heute fehle, so Kielinger.

In seiner Biografie skizziert er Königin Elisabeth I. als eine moderne Frau, die der Epoche des 16. Jahrhunderts weit voraus war. Denn Elisabeth kämpfte zu Lebzeiten beharrlich gegen die vorherrschende männliche Dominanz sowie gegen eine Vielzahl von Vorurteilen gegenüber Frauen an. In seiner Ausführung zog Kielinger auch Linien zur heutigen englischen politischen Führung. Elisabeth I. war darauf bedacht für Frieden im englischen Volk Sorge zu tragen, so der Autor. Veranschaulicht wurde dies am Beispiel des Konfliktes zwischen Protestanten und Katholiken. So äußerte Elisabeth I. ihr Unverständnis über den Disput zwischen beiden Religionsgruppen und kommentierte diesen besänftigend als „Streit über Trivialitäten“. Anders als Elisabeth I. versäume es Theresa May heute, eine schlichtende Haltung im Brexit Konflikt einzunehmen. So begehe sie den Fehler sich auf die Seite der knappen Mehrheit von 52% der Brexit Befürworter des Referendums von 2016 zu stellen.

Als letzten Programmpunkt erfolgte eine rege Diskussion, in der das Publikum in einen regen Austausch mit dem Autor begab. Hier wurde deutlich, dass ein großes Unverständnis darüber herrscht, warum das Brexit-Referendum für die politischen Entscheidungsträger in England einen so endgültigen Charakter besitzt und die Vertreter der Parteien nichts von einem erneuten Volksentscheid über den Verbleib in der Europäischen Union wissen wollen. Ein Frager wollte ferner wissen, ob die Europäische Union nicht ebenfalls ein Interesse daran habe, stärker auf die britische Regierung zuzugehen.

Kielinger betonte in seinen Antworten eindringlich die verheerenden Konsequenzen, die ein EU-Austritt Englands mit sich ziehen würde. Überdies sei die derzeitige Spaltung der Bevölkerung zwischen Befürwortern und Gegnern des Brexits ein noch nie zuvor dagewesener chaotischer Zustand. Denn das englische Volk hätte sich in seiner Geschichte immer über einen starken politischen Zusammenhalt ausgezeichnet. Letztlich bekräftige er seine Hoffnung, dass es vielleicht doch zu einer Abkehr vom Brexit kommen könnte. Ob und auf welche Weise es zu einem „Brexit zu Halloween“ am 31.10.2019 komme, bleibe bis zuletzt spannend. Abschließendes lässt sich jedoch resümieren, dass Großbritannien dem europäischen Kontinent sich doch nicht allzu weit zu entfernen scheint.

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Über diese Reihe

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